Good Will Hunting (1997)

«Ich weiss, dass ich nichts weiss.» Man bringt dieses Zitat eines alten Griechen mit vielerlei Dinge in Verbindung, aber nicht unbedingt mit einem Film. Für Gus Van Sants neusten Film «Good Will Hunting» gibt es aber kaum eine bessere Kurzumschreibung.


von Serge Zehnder


Gewisse Menschen müssen zu Ihrem Glück gezwungen werden, besonders dann, wenn ihr Leben lange Zeit davon vernachlässigt wurde. Der gerademal zwanzig Jahre alte Will Hunting (Matt Damon «The Rainmaker») ist ein Waisenkind und hat das Wissen mit dem Löffel gefressen. Ein Genie, das durch die Bücher blättert und mit Zahlen jonglieren kann wie kein Zweiter. Zusammen mit seinem Freund Chuckie (Ben Affleck «Chasing Amy») nimmt er Gelegenheitsjobs an und hat sich nie sonderlich um seine Können geschert. Seit kurzem wischt er deshalb den Boden an der Mathematischen Universität Bostons, wo er schliesslich über seine eigene Schlauheit stolpert. Eine am Schwarzen Brett ausgeschriebene, hoch komplizierte Aufgabe wird von Will kurzerhand gelöst, wodurch der Mathe-Dozent Lambeau (Stellan Skarsgard «Breaking the Waves») auf das junge Talent aufmerksam wird und ihn vor einer Gefängnisstrafe bewahrt. Denn wie bei vielen von Wills Vorgängern teilen sich auch bei dem «Southy» (Ausdruck für jemanden aus Süd-Boston) Genie und Wahnsinn die Dachkammer, weshalb er das Hirn auch gerne mal abschaltet und die Fäuste walten lässt. Gerade nochmals davongekommen muss Will als Gegenleistung für seine Freilassung mit Lambeau an mathematischen Unmöglichkeiten tüfteln und zu einem Psychiater gehen, der seine Raufermentalität ergründen soll. Folglich landet Will auf der Couch von Sean McGuire (Robin Williams), der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen.


Drehbuchautoren, Darsteller und Jugendfreunde. Affleck und Damon gehen weit zurück

DIE VERGÄNGLICHE GEGENWART

Durch seine Erfahrungen, die ihm das Leben bisher bereitet hat, ist Will zu Beginn nicht bereit, irgendwelche Details von sich an McGuire oder seine neue Freundin Skylar (Minnie Driver «Grosse Pointe Blank», «Big Night») preiszugeben. Denn die Vergangenheit hatte in punkto Vertrauen nie viel für das Wunderkind übrig, und der Zukunft traut Will auch nicht, weshalb Van Sant sich einzig in einer sehr dichten Gegenwart aufhält. Das Drehbuch der Debüt-Autoren und «life-long-friends» Affleck/Damon umspannt ein paar Wochen im Leben ihrer Hauptfigur, in welchen er sich zum ersten Mal für etwas entscheiden muss. Weder seine Intelligenz, noch seine Kleverness helfen ihm dabei, sich vor dem Leben zu drücken.


Driver und Damon fanden nicht nur auf der Leinwand zusammen

DAS LEBEN NACH DER THEORIE

Wie aus dem Nichts erschien Good Will Hunting und wird seit seiner Premiere von Pressejubel und Preissegen begleitet. Einen Golden Globe durften die schauspielernden Schreiberlinge Affleck und Damon bereits in Empfang nehmen. Obís für einen Oscar reicht, bleibt noch abzuwarten. Das von Kevin Smith («Clerks», «Chasing Amy») protegierte Projekt setzt sich auf intelligente aber nie aufdringliche Weise mit dem Gegensatz von Wissen und Weisheit auseinander. Regisseur Van Sant, der nach «To Die For» zum zweiten Mal den Stoff von jemand anderem verfilmte, liess für Good Will Hunting alles stehen und liegen und stellte zusammen mit «Pulp Fiction»-Produzent Lawrence Bender das Projekt innnert kürzester Zeit auf die Beine. Dabei macht Van Sant klar, dass er nicht von seinen eigenen Geschichten abhängig ist, um gute Filme drehen zu können. Gewisse visuelle Extravaganzen zwischendurch bestätigen aber auch hier seine Handschrift, während sämtliche Rollen ideal besetzt und insbesondere von Damon und Williams mit ergreifender Tragik und überraschender Verhaltenheit gespielt werden. Ein klassischer Schauspielerfilm, dessen gründlich durchdachtes Drehbuch dank eines mehr als fähigen Regisseurs zur vollen Blüte erwacht.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Good Will Hunting (1997)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Gus Van Sant Jr.
Drehbuch:Ben Affleck
Matt Damon
Produktion:Lawrence Bender
Scott Mosier
Kevin Smith (II)
Koproduktion:Chris Moore
Ausf. Prod.:Su Armstrong
Jonathan Gordon
Bob Weinstein
Harvey Weinstein
Kamera:Jean-Yves Escoffier
Schnitt:Pietro Scalia
Musik:Danny Elfman
Ausstattung:Missy Stewart
Kostüme:Beatrix Aruna Pasztor
Besetzung:Ben Affleck
Casey Affleck
Matt Damon
Minnie Driver
Cole Hauser
Stellan Skarsgård
Robin Williams
Harmony Korine
Chas Lawther
George Plimpton
 
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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