Halloween H20: Twenty Years Later (1998)

«Ich verbrachte die ersten sieben Jahre damit, den Jungen zu erreichen, und die nächsten sieben Jahre, ihn hinter Gitter zu behalten. Denn was ich in seinen schwarzen Augen sah, war das pure Böse.»


von Serge Zehnder


Es ist und bleibt vermutlich die beste verbale Exposition eines cineastischen Serienmörders in der Filmgeschichte. Donald Pleasance alias Dr. Loomis gab mit dieser kurzen Abhandlung alle wesentlichen Grundzüge von Michael Myers bekannt, die sämtliche weiteren Erklärungen für seine Taten erübrigten. John Carpenters «Halloween» ist ein Klassiker seines Genres, der Beginn des modernen «Slasher»-Films, ohne welchen es so etwas wie «Scream» nicht geben würde. Lag «Scream»-Drehbuchautor Kevin Williamsons Inspiration bei Carpenters «Low-Budget»-Streifen, entlehnte Carpenter selbst seine Kreativität bei Hitchcocks «Psycho»-Paten Norman Bates und dessen Mutter, deren Vornamen nie über Mrs. hinausging. Beide Filme zogen eine Reihe von Fortsetzungen und Plagiaten nach sich, die jedoch nie an ihre Originale herankamen. Und wurden sowohl «Psycho» wie auch «Halloween» bezüglich ihres künstlerischen Gehalts im Laufe der Zeit oft in Frage gestellt, ist ihr Einfluss auf die Filmgeschichte absolut wertvoll.


Michael Myers kehrt (zum x-ten Mal) zurück!

KÜRBISKOPF UND KÜCHENMESSER

Zwanzig Jahre sind seit dem ersten Auftritt Myers vergangen. «Halloween» ist Kult und verdient eine Würdigung. Der stets totgeglaubte Maskenmörder kehrte regelmässig und in fortschreitend schlechteren Sequels zurück, was das Phänomen «Halloween» ins «Fortsetzungen sind immer schlechter als das Original»-Regal der Videotheken brachte. Regisseur Steve Miner und die «Scream»-Verantwortlichen bei «Dimension Films» wollten dem neu erwachten Schlitzer-Film- Genre einen würdigen siebten Teil zum zwanzigsten Geburtstag schenken. Jamie Lee Curtis nahm ihre Rolle als Laurie Strode wieder auf, und anstelle einer Kleinstadt wurde die Szenerie in ein Internat verlegt, wo sie unter einem anderen Namen unterrichtet und mit ihrem Sohn ein quasi glückliches (halbwegs anonymes) Leben führt, das aber vom Horror der Vergangenheit dominiert und anhand von Pillen verdrängt wird. Die Blätter sind schon rot gefärbt und wie schon sechs Mal zuvor steht der Schreckensfeiertag vor der Tür. Das Duell von einst zwischen Laurie und, wie der Kenner seit dem zweiten Teil weiss, ihrem Bruder Michael soll sich nochmals wiederholen.


«The Screaming Queen»: Zwanzig Jahre später.

FADER GEBURTSTAGSSCHMAUS

Viel geholfen hat es aber nicht, die Hauptdarstellerin von einst, und in einem Kurzauftritt sogar Mutter «Psycho»-Duschopfer Janet Leigh, zu besetzen. Halloween H20 ist, den ganzen Hype abgestreift, nicht mehr als ein billiger, nicht besonders kleverer Horrorfilm, der wie schon seine Vorgänger an der Popularität des Originals zehrt. Das Drehbuch verliert sich im Spannungsaufbau, und die Zitatenfreude und speziell der Humor der «Scream»-Filme sind hier nicht existent (obwohl Williamson ebenfalls am Script herumfeilte). Aus Curtis Figur ist ein psychisches Wrack mit verstärktem Zynismus geworden, der aber nicht ausreicht, um dem Film Tempo und oder eine nötige Portion Selbstironie zu verleihen. Womit Halloween H20 nunmehr ein Abriss seiner Vorgänger ist, und traurigerweise kaum besser als die zahllosen Sequels und Nachahmungen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Halloween H20: Twenty Years Later (1998)
Land:USA
Genre:Horrorfilm
Bewertung:
 
Regie:Steve Miner
Drehbuch:Robert Zappia
Matt Greenberg
Kevin Williamson
Produktion:Malek Akkad
Paul Freeman (II)
Bob Weinstein
Harvey Weinstein
Kevin Williamson
Ausf. Prod.:Moustapha Akkad
Cary Granat
Kamera:Daryn Okada
Schnitt:Patrick Lussier (I)
Musik:Marco Beltrami
John Carpenter
John Ottman
Ausstattung:John Willett (II)
Kostüme:Deborah Everton
Besetzung:Adam Arkin
Beau Billingslea
David Blanchard (II)
John Cassini
Jamie Lee Curtis
Chris Durand
Joseph Gordon-Levitt
Lisa Gay Hamilton
Adam Hann-Byrd
Josh Hartnett
LL Cool J
Janet Leigh
Larissa Miller
Jodi Lyn O'Keefe
Nancy Stephens
Emilee Thompson
Brandon Williams
Michelle Williams
Matt Winston
Jody Wood
 
Länge:85 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Nightfall Productions
Dimension Films
CH Verleih: Elite Film


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