Happiness (1998)

AUF DER JAGD NACH DEM GOLDENEN GLÜCK


von Serge Zehnder


Sie ist ziemlich aussichtslos und trotzdem nehmen Millionen von Menschen daran teil und das ihr ganzes Leben lang. Spirituell, sozial, beruflich und privat, in jedem dieser Bereiche will man Erfolg haben, und dank dem Traum vom Glück gibt man nicht auf, danach zu streben. Wie sehr dies eine Utopie ist, zeigt Regisseur Todd Solondz in seinem Folgefilm nach seinem Durchbruch mit «Welcome to the Dollhouse». Happiness ist wie sein Macher die Antithese des Hollywoodfilms, der das erträumte Glück für zwei Stunden suggeriert, um den Zuschauer anschliessend in die harsche Relität zu entlassen. Solondz, die Verkörperung des «Geeks» (was bei uns etwa der Streber wäre), ist mit seiner panzerglasdicken Hornbrille, seiner extrem un-hippen Frisur und seinen knochigen Gesichtszügen, das absolute Gegenteil eines millionenschweren Erfolgsregisseurs. Keine Bomberjacke, kein Baseballkäppi und kein Megaphon, sondern ein schlichtes Hemd und Jeans. Wie bei «Welcome to the Dollhouse», wo ein junges, hässliches Mädchen von seinen Mitschülern und Eltern aufs brutalste terrorisiert wird, hat sich auch Solondz in frühen Jahren von den gängigen Verhaltensweisen seiner Kameraden abgesondert, und obwohl er bei «Welcome to the Dollhouse» autobiographische Elemente dementierte, kann man sich beim Anblick seiner Person die Parallelen nicht verkneifen. Wie dem auch sei, ein höchst begabter Filmemacher ist er auf jeden Fall.


Der EDV-Techniker Allen (Philip Seymour Hoffman) ist genauso zwanghaft...

NIEMAND IST FREI VON SCHULD

Aussenseiter mit einem Hang zur Perversion stehen im Mittelpunkt von Happiness. Ein pädophiler Vater, ein chronisch masturbierender EDV-Techniker, eine pseudo-nihilistische und stark nymphomanische Autorin, ihre bindungsunfähige Schwester und deren betrügerische Eltern sind nur einige der Figuren, die in sorgfältig verwobenen Geschichten einander begegnen. Witzig und schmerzhaft verstörend führt uns Solondz mit subtiler Sicherheit die Gutmütigkeit und die Brutalität vor, mit welcher die Menschen miteinander verfahren. Kontrovers diskutiert und von seinem ursprünglichen Verleiher in den U.S.A ein paar Wochen nach der Akquisition wieder fallen gelassen, brachten die Produzenten den Film ohne Altersangabe in die Kinos.


... der gutbürgerliche Vater Bill (Dylan Baker).
Der Umstand der Pädophilie sorgte (wie schon bei Adrian Lynes «Lolita») für eine starke Kontroverse, die diesmal glücklicherweise nicht von dem effektiv hervorragenden Produkt ablenkte. Denn Happiness ist alles, was man sich von einem amerikanischen Independent-Film (überhaupt von einem Film) wünschen kann: vielschichtige Figuren, aufwühlende Themen, exzellente Schauspieler und ein Regisseur, der heikle Themen mit einem sechsten Sinn für Humor verständlich machen kann, ohne sie dabei zu trivialisieren und dadurch das gewünschten Resultat kompromittieren würde. «Ehrlich» und «direkt» sind immer wieder Schlagwörter, die über «laut» und «effektvoll» triumphieren.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Happiness (1998)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Todd Solondz
Drehbuch:Todd Solondz
Produktion:Ted Hope
Christine Vachon
Ausf. Prod.:David Linde
James Schamus
Kamera:Maryse Alberti
Schnitt:Alan Oxman
Musik:Robbie Kondor
Ausstattung:Thérèse DePrez
Kostüme:Kathryn Nixon
Besetzung:Jane Adams (II)
Elizabeth Ashley
Dylan Baker
Gerry Becker
Anne Bobby
Johann Carlo
Justin Elvin
Lara Flynn Boyle
Allison Furman
Marina Gaizidorskia
Ben Gazzara
Lila Glantzman-Leib
Ann Harada
Jared Harris
Wai Ching Ho
Philip Seymour Hoffman
Lisa Louise Langford
Louise Lasser
Joe Lisi
Jon Lovitz
Matt Malloy (I)
Camryn Manheim
Marla Maples
Dr. Eric Marcus
Doug McGrath
Eytan Mirsky
Tsepo Mokone
Dan Moran (I)
Arthur J. Nascarella
Hope Pomerance
Jose Rabelo
Rufus Read
Socorro Santiago
Molly Shannon
Bina Sharif
Evan Silverberg
Olga Stepanova
Cynthia Stevenson
Dan Tedlie
Diane Tyler
 
Länge:134 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby
Prod.-firma:Killer Films
Good Machine
CH Verleih: Filmcooperative Zürich


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