Happy Together (1997)

Nach «Chungking Express» und «Fallen Angels» Wong Kar-Wais «anderer» Film.


von Daniel Schneider



gemeinsames Bild aus besseren Tagen
Am Anfang stand eine glückliche Liebe. Doch dann, im Regen und mitten auf irgendeiner Strasse im kargen argentinischen Hochland zerbricht die Beziehung. Lai Yiu-Fai (Tony Cheung, bekannt aus Chungking Express, Cyclo und Hard Boiled) arbeitet fortan frierend und frustriert als Türsteher einer Tangobar im verregneten, kalten und tristen Buenos Aires. Jobs sind rar und mies bezahlt, Lai hat keine Wahl, er wohnt in einem kleinen Zimmer und spart Geld für das Rückflugticket nach Hongkong. Seinen Exgeliebten Ho Po-Wing (Leslie Cheung, Chinese Ghost Story) sieht er als Gast in der Tangobar wieder, ohne ihn anzusprechen, bereit, ihn aus seinem Leben zu streichen. Doch dann steht Ho plötzlich vor seiner Tür, verletzt nach einer Schlägerei. Lai nimmt ihn bei sich auf, pflegt und umsorgt ihn, doch verweigert sich einer erneuten tieferen, sexuellen Beziehung. Im chinesischen Restaurant, wo Lai unterdessen in der Küche arbeitet, freundet er sich mit dem jungen Taiwanesen Chang (Chang Chen) an. Der einsame Lai verliebt sich unmerklich in Chang, ist aber unfähig, diesem seine Gefühle zu offenbaren. Unterdessen resigniert der langsam genesende Ho, nachdem alle seine körperlichen Annäherungsversuche und seine Bitten, es nochmals zusammen zu versuchen, fehlschlagen.


räumliche Enge verstärkt die Emotionen

Buones Aires ist Hongkong auf dem Kopf

Wer sich wie ich gefragt hat, wie ein «anderer» Film von Wong Kar-Wai, anders als Chungking Express und Fallen Angels, aussehen würde, bekommt mit Happy Together eine Antwort. Der Unterschied könnte nicht grösser sein, nachdem die beiden erwähnten, bekannten Filme schnell, chaotisch und verwirrend sind, ist Kar-Wais neustes Werk langsam bis teilweise langatmig, besitzt einen zusammenhängenden Handlungsablauf und scheint in seiner Story und Aussage relativ klar. Nicht einmal der gewohnte und vom hiesigen Publikum geliebte Schauplatz Hongkong bleibt. Ist deshalb Happy Together für Kar-Wais Fans eine Entäuschung? Vielleicht schon, wer aber die Geduld aufbringt und sich dem Tempo und der Melancholie des Filmes hingibt, wird erkennen, mit welchem Können Wong Kar-Wai die zentrale Aussage seines jüngsten Werkes herüberbringt: Buones Aires ist Hongkong auf dem Kopf, Einsamkeit und Liebeskummer ist überall gleich, auf der einen Seite der Welt gleich wie auf der anderen, unwichtig ob homo oder hetero. Ausserdem spielt der geniale visuelle Stil von Wong Kar-Wai und seinem Kameraman Christopher Doyle auch in Happy Together eine wichtige Rolle, wenn er auch etwas abgewandelt ist, um der Langsamkeit des Filmes und der Weite der argentinischen Landschaft gerecht zu werden. Allein schon dies macht Happy Together mehr als nur sehenswert.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Happy Together (1997)
Land:Hong Kong
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Wong, Kar-wai
Drehbuch:Wong, Kar-wai
Produktion:Chan, Ye-cheng
Yecheng, Chan
Ausf. Prod.:Wong, Kar-wai
Kamera:Doyle, Christopher (II)
Schnitt:Chang, William
Wong, Ming-lam
Musik:Chung, Danny
Ausstattung:Chang, William
Besetzung:Chen, Chang
Cheung, Leslie
Leung Chiu Wai, Tony
 
Länge:92 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby
Prod.-firma:Block 2 Pictures
CH Verleih: Filmcooperative Zürich


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