Hercules (1997)

Der Schöne und die Biester


von Heinz Gnehm


Es ist schon erstaunlich, mit welchen Geschichten die Zeichner bei Disney jeweils zu Weihnachten immer wieder aufwarten können. Dieses Jahr haben Sie sich von der klassischen Sage des griechischen Helden Herkules inspirieren lassen und daraus in mehr als zweijähriger Arbeit ein unterhaltendes und farbenfrohes Spektakel gemacht, das mit der ursprünglichen Vorlage nur noch entfernte Ähnlichkeit aufweisen dürfte. So wird beispielsweise das musikalische Rahmenprogramm von einem Gospel-Chor bestritten und die Heldenverehrung der Griechinnen für Herkules erreicht bald einmal amerikanische Ausmasse, komplett mit Helden-Villa, kreischenden Fans und den dazugehörigen Merchandising-Artikeln.


Die Guten (Pegasus, Philoktetes und Herkules)...

From Zero to Hero

Geboren wird Herkules als Sohn des Göttervaters Zeus und seiner Gemahlin Hera. Da er aber für Hades (James Woods), den skrupellosen Gott der Unterwelt, eine Gefahr darstellt, will ihn dieser aus dem Weg schaffen und beauftragt seine beiden Helfer Pain und Panic mit dieser Aufgabe. Sie können Herkules zwar nicht töten, er wird aber zu einem normalsterblichen Menschen, was ihm den weiteren Aufenthalt im Olymp verunmöglicht. So wächst Herkules als Findelkind bei Bauern heran und erst als Jugendlicher erfährt er durch Zeus von seiner göttlichen Abstammung. Zeus offenbart ihm, dass er erst dann wieder in den Olymp einziehen kann, wenn er sich als wahrer Held bewährt hat. Aus diesem Grund macht sich Herkules unverzüglich zum Heldentrainer Philoktetes (Danny DeVito) auf und lässt sich von ihm zum Helden ausbilden. Der Probleme und Monster in Griechenland gibt es viele und Herkules bewährt sich bereits bei seinem ersten Einsatz, als er in Theben die vielköpfige Hydra tötet. Von da an reitet er auf seinem geflügelten Pferd Pegasus von Erfolg zu Erfolg und wird überall mit wildem Jubel empfangen.


... und die Bösen (Pain, Panic, Hades und Megara)!

From Heaven to Hell

Irgendwann erfährt auch Hades, dass der totgeglaubte Herkules noch immer am Leben ist und ihm bei seiner geplanten Machtergreifung empfindlich im Wege stehen könnte. Nachdem Pain und Panic bei ihren Versuchen, Herkules zu töten, genauso erfolglos sind wie damals vor 18 Jahren, schickt er deshalb die bildhübsche Megara ins Feld, die die Schwächen des Helden auskundschaften und zu Hades' Gunsten ausnützen soll. Sehr zum Missfallen von Philoktetes verliebt sich Herkules fast augenblicklich in Megara und der Plan von Hades, die von den Göttern verbannten Titanen zu befreien und gemeinsam die Macht im Olymp an sich zu reissen, scheint doch noch aufzugehen.

Auch dieser neuste Zeichentrickfilm aus dem Hause Disney ist wieder zu einem Meisterwerk geworden und dürfte nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene gleichermassen begeistern können. Die gezeichneten Figuren wirken mit ihren kantigen Umrissen irgendwie griechisch, die beiden vertrottelten Helfer von Hades, Pain und Panic, sind einem trotz ihrer Bösartigkeit sympathisch und selbst der böse Hades sorgt mit seinen feurigen Wutausbrüchen für Humor. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger The Hunchback of Notre Dame hat die Handlung von Hercules in Sachen Geschwindigkeit aber noch einen Zahn zugelegt und viele Szenen sind noch dunkler und bedrohlicher geworden. Kleine Kinder dürften sich aus diesem Grund beim Kampf mit der vielköpfigen Hydra wohl schnellstens unter den Kinosessel retten. So intensiv die Bilder auch sind, die Geschichte erschien mir weniger gefühlsbetont als die der Vorgänger und auch die Charaktere blieben mir seltsam fremd. Diesen kleinen Schwachpunkten zum Trotz hat mich aber auch dieses Zeichentrick-Abenteuer aus den Disney-Studios nicht enttäuscht und die vier Sterne wahrlich verdient.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Hercules (1997)
Land:USA
Genre:Trickfilm
Bewertung:
 
Regie:Clements, Ron
Musker, John
Drehbuch:Clements, Ron
Johnson, Barry (I)
McEnery, Don
Mecchi, Irene
Musker, John
Shaw, Bob
Produktion:Clements, Ron
Dewey, Alice
Halland, Kendra
Musker, John
Schnitt:Finan, Tom
Hedland, Robert W.
Musik:Menken, Alan
Ausstattung:Scarfe, Gerald
Kostüme:Bergh, Kate
 
Länge:92 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:Disney
CH Verleih: Buena Vista


[ Homepage ]
Copyright © 1997 Buena Vista (Bilder)
Copyright © 1996-1997 CineNet (Text)