Hilary and Jackie (1998)

Die Intensität, mit welcher Emily Watson an ihre Rollen herangeht, ist eins ums andere Mal ergreifend. Seit ihrem Durchbruch mit «Breaking the Waves» sind ihre Auftritte immer wieder von neuem faszinierend. Bei «Hilary & Jackie» hat sie in Rachel Griffiths auch einen absolut ebenbürtigen Gegenpart gefunden.


von Serge Zehnder


Hilary (Griffiths) und Jackie (Watson) sind unzentrennliche Geschwister. Zumindest waren sie dies, bis der musikalische Erfolg Jackies sie auf Reisen rund um den Globus zerrte. Von frühester Kindheit an wurden die Gewschwister mit den musischen Wertvorstellungen ihrer Mutter konfrontiert und konnten sich der Liebe der Eltern nur dann sicher sein, wenn sie in einem Musikwettbewerb gewannen. Dieses Wechselbad von elterlicher Zuneigung führte dazu, dass sich die beiden Frauen nur einander komplett anvertrauen konnten. War Hilary als Kind der leuchtende Stern, dominierte Jackie als Erwachsene auf sämtlichen nahmhaften Bühnen. Während Hilary heiratete und Kinder bekam, trottete Jackie in der Weltgeschichte herum, zwar mit einem berühmten Dirigenten verlobt, aber emotional leer.
Nach einer langen Tournee kreuzt Jackie im Cottage ihrer Schwester auf. Und das enge Band der Schwestern droht zu zerreissen, wenn Jackie zum ersten Mal Ansprüche an Hilary stellt, die sie weder erfüllen kann, noch will.


Jackie (Watson) erfolgreich und doch ungeliebt.
Basierend auf der wahren Lebensgeschichte der beiden Geschwister du Prés entstand unter der Leitung von Neueinsteiger Annand Tucker ein faszinierendes Porträt über zwei eng verbundene Frauen, die neben ihrer Blutsverwandschaft auch eine tiefe menschliche Bindung zueinander spürten. In schwelgerische Bilder getaucht und unterstützt von fantastischen Sinfonieeinlagen ist Hilary and Jackie eines der besten Frauenporträts seit langem. Ein Frauenduo mit Leinwandpräsenz und Charisma setzt noch ein zusätzliche Note auf. Diese Vorzüge können allerdings einen sehr groben erzählerischen Fehler nicht überdecken: Eingeteilt in zwei Kapitel sehen wir die Geschichte der Schwestern von unterschiedlichen Warten aus, was dazu führt, dass der Film nicht nur repetitiv, sondern auch langfädig und unlogisch wirkt. Dadurch vergibt er einen Grossteil seines Potentials im letzten Drittel, das dank der perfekten schauspielerischen Leistung doch noch halbwegs bewahrt wird. Bitter, wie unnötig hier ein sehr guter zu einem guten Film degradiert wurde ist ziemlich schmerzhaft. Einen erfüllenden Kinoabend erhält man hier aber trotzdem.


Regisseur Anand Tucker mit einer seiner Kinderschauspielerin.


Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Hilary and Jackie (1998)
Land:Grossbritannien
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Anand Tucker
Drehbuch:Hilary du Pré
Piers du Pré
Frank Cottrell Boyce
Produktion:Nicolas Kent
Andrew Paterson (I)
Ausf. Prod.:Guy East
Ruth Jackson
Nigel Sinclair
Kamera:David Johnson (II)
Schnitt:Martin Walsh (I)
Musik:Barrington Pheloung
Ausstattung:Alice Normington
Kostüme:Sandy Powell (II)
Besetzung:Charles Dance
Vernon Dobtcheff
Auriol Evans
Keeley Flanders
James Frain
Rachel Griffiths (I)
Celia Imrie
David Morrissey
Bill Paterson (I)
Rupert Penry-Jones
Nyree Dawn Porter
Emily Watson
 
Länge:122 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:British Screen
Intermedia Films
Arts Council of England
The Oxford Film Company
CH Verleih: Elite Film


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