Hope Floats (1998)

Der Inbegriff einer lauwarmen Beziehungskomödie.


von Rafael Scholl


Hope Floats will uns eine Geschichte über Selbstfindung, Familienwerte, das Ergreifen neuer Chancen und die Einfachheit der Liebe erzählen. Die Stärke des Drehbuchs sinkt jedoch nach einem originellen Start schnell, langweilt uns während eines richtungslosen Mittelteils und kommt schliesslich zu einem reichlich vorhersehbaren, moralisierenden Ende. Zahlreiche gelungene Momente sind je nach Situation humorvoll oder rührend, kompensieren jedoch nicht für die insgesamt schwache Struktur der Handlung.

Ein starkes Ensemble

Die Schauspieler gilt es zu loben: Sandra Bullock überzeugt in einer ungewohnt düsteren Rolle, während Mae Whitman als Bernice eine Natürlichkeit zeigt, die gerade bei einer Darstellerin ihres jungen Alters überrascht. Eine besonders gelungene Besetzung ist Kathy Najimy in der winzigen Rolle der Talkshow Moderatorin Toni Post: Satire und Komik werden hier perfekt vereint, um einerseits sämtlichen Talkshow Moderatoren einen Seitenhieb zu verpassen und andererseits die ersten paar Minuten des Films zu einem humoristischen Höhepunkt zu machen. Gena Rowlands als Birdees Mutter ist in der Lage, die gelegentlich etwas dickflüssigen Lebensweisheiten des Films mit dem nötigen Elan zu würzen, um sie einigermassen geniessbar zu machen.


Alte Konflikte zwischen Birdee und ihrer Mutter (Gena Rowlands) flammen im Laufe der Handlung wieder auf.

Viele gute Szenen ohne Zusammenhalt

Geglückt sind diverse humorvolle Szenen, die an und für sich sehr gut geschrieben sind und deshalb auch funktionieren. Gleiches gilt für viele der ernsteren Momente, die uns eine verängstigte, zurückgezogene Birdee zeigen, deren Weltbild nach der Scheidung keine Fixpunkte mehr hat; diese muss sie im Laufe der Handlung wiederfinden. Die in sich guten Szenen sind jedoch nahezu bedeutungslos im Rahmen dieses Filmes, der über weite Teile richtungslos vor sich hin plätschert.

Viele der gut geschriebenen und gespielten Konfliktszenen entbehren nachvollziehbarer, natürlicher Gründe: Zu oft entsteht der Eindruck, Konflikte seien nur da, um die Handlung zu verlangsamen. So zum Beispiel die Ablehnung, die Birdee gegenüber Justin zeigt, obwohl es von Anfang an offensichtlich ist, dass sie zueinander finden werden.

Die Handlung besteht ohnehin nur aus altbekannten Stereotypen: Eine Frau verlässt ihren kalten, herzlosen Ehemann, trifft einen anderen, einfühlsamen Kerl und verliebt sich in ihn. Damit der Film noch eine weitere Runde andauern kann, streitet das neue Paar nochmals, bevor sich die beiden wieder versöhnen. Das Schema ist banal, und der Ausgang ist von Anfang an klar. Was könnte uns also anregen, diesen Film sehen zu gehen? Weshalb sind einige Filme, die auf diesem Schema basieren, grosse Erfolge? Richtig: Wir sehen uns diese Filme an, um die Charaktere auf dem Weg zum Ziel zu erforschen und die Originalität und den Einfallsreichtum des Autors (Steven Rogers) zu geniessen. Leider gibt uns Hope Floats in dieser Hinsicht recht wenig Grund zum Genuss. Statt dessen gibt es unzählige offene Fragen, so zum Beispiel diese: Was findet Birdee an Justin interessant, vom Aussehen und den oberflächlichen Nettigkeiten abgesehen? Werden ihre Gefühle vielleicht von den Bedürfnissen eines vor Klischees triefenden Drehbuchs gelenkt? Vermutlich.


Birdees alter Schulfreund Justin Matisse (Harry Connick, Jr.): Eine in sehr groben Zügen charakterisierte Figur ohne nennenswerte Tiefe.
Das Voice-Over muss herhalten, um uns am Ende des Films die Moral der Geschichte zu erzählen. In einem Haufen von wenig tiefsinnigen Feststellungen findet sich unter anderem die Aussage, dass man der Hoffnung eine Chance geben müsse, wenngleich das Leben meist traurig ende. Dies ist insofern ein gelungener Gedanke, als dass ein allzu fröhliches und optimistisches Ende vermieden wird; dies wird einem Film, dem ein gewisser pessimistischer Hauch anhaftet, durchaus gerecht.

Gelungene Ansätze, schwache Entwicklung

Das zentrale Thema von Hope Floats ist eigentlich interessant: Was geschieht mit einer Frau, die sich von ihrem Ehemann trennen muss, jedoch selbst kaum mehr Freunde hat, ebensowenig eine Karriere oder berufliche Qualifikationen? Es ist schade, dass der Film dieses Thema nicht erforscht und statt dessen eine simplistische, unglaubwürdige Liebesgeschichte erzählen will. Trotz guter Ansätze kann ich Hope Floats nicht empfehlen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Hope Floats (1998)
Genre:Liebesfilm
Bewertung:
 
Regie:Forest Whitaker
Drehbuch:Steven Rogers (II)
Produktion:Elizabeth Joan Hooper
Lynda Obst
Ausf. Prod.:Sandra Bullock
Mary McLaglen
Kamera:Caleb Deschanel
Schnitt:Richard Chew
Musik:Dave Grusin
Ausstattung:Larry Fulton
Kostüme:Susie DeSanto
Besetzung:Alissa Alban
Norman Bennett (I)
Sydney Berry
Sandra Bullock
Bill Cobbs
Harry Connick Jr.
Chris Drewy
Cameron Finley
Mona Lee Fultz
James N. Harrell
Dee Hennigan
Tisa Hibbs
Kathy Lamkin
Martha Long
Kathy Najimy
Richard Nance
Michael Paré
Tara Price
Connie Ray
Gena Rowlands
Jeanette Sieh
Rachel Lena Snow
Christina Stojanovich
Art Michael Tamez
Mae Whitman
Meason Wiley
 
Länge:114 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:20th Century Fox
Fortis Films
CH Verleih: 20th Century Fox


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