The Horse Whisperer (1998)

Der wahre Star.


von Serge Zehnder


Geschmeidige Bewegungen, wirbelnder Sand und ein purpuroter Sonnenuntergang, vor dem sich ein wunderschönes Pferd wie choreographiert bewegt. Robert Redford setzt bei seiner fünften Regiearbeit ganz auf die Macht der Bilder, wovon, wenn man ganz ehrlich ist, nicht besonders viele Kameramänner etwas verstehen. Robert «Bob» Richardson weiss jedoch ganz genau, was er tut. Seit Oliver Stones Anfängen sein stetiger Begleiter, war Richardson für die visuellen Fresken bei JFK, Natural Born Killers oder letztens U Turn verantwortlich. Er ist der Star von The Horse Whisperer. Sein Beitrag zu diesem romantischen Melodram weckt die Emotionen. Die Drehbuchautoren, der Regisseur und die Schauspieler leisteten gute bis sehr gute Arbeit. Der Kern dieses Projektes allerdings, das zuweilen den «Touch» eines Marlboro-Werbespots hat, liegt genau darin, dass es dem Kameramann gelungen ist, diesen Hauch der grossen Freiheit weder plakativ noch trivial erscheinen zu lassen, sondern trotz der gelegentlichen Überstilisierung eine sehr realistische Ader durch das gesamte Konzept fliessen zu lassen.


Booker (Redford) will mehr über Graces (Scarlett Johansson) Unfall-Trauma erfahren.

KLARE LINIE

Der zuvor beschriebene Prolog legt den Stil für den restlichen Film fest. Redford wollte reale Mythen erschaffen, und dank technischer Perfektion erreicht er diesen Punkt auch einige Male, und dies bei einer Geschichte, die so gar nicht myhtisch beginnt. Die dreizehnjährige Grace McLean (Scarlett Johansson) reitet an einem verschneiten Morgen mit ihrem Pferd Pilgrim in Begleitung ihrer Freundin aus. Jugendlicher Leichtsinn führt zu einem schrecklichen Unfall mit einem Lastwagen, bei dem Graces Freundin getötet, sie selbst schwer verletzt wird und ihr Bein verliert. Das Pferd wird indes ebenfalls schwer verwundet und erleidet einen psychischen Defekt und schlägt fortan gegen alles, was sich ihm nähert. Graces Mutter Annie (Kristin Scott-Thomas «The English Patient»), die als Redakteurin eines Modeblattes arbeitet und in ihrem Beruf vollkommen aufgeht, hat sowohl für ihre Tochter wie auch für ihren Mann Robert (Sam Neil «Jurassic Park») kaum Zeit. Erst der Beinah-Tod ihrer Tochter und das schwer verwundete Pferd reissen sie mit Gewalt aus ihrem Arbeitsuniversum. Von allen Seiten darum gebeten, dem Pferd den Gnadenschuss zu geben, reist Annie mit ihrer Tochter nach Montana, um einen Pferdeheiler zu finden, der das Tier und dabei vielleicht auch die angeschlagene Grace heilen soll. Der störrische Tom Booker (Redford), dem überhaupt nicht danach ist, mit irgendwelchen «City Slickers» herumzutändeln, entschliesst sich, dem Pferd und auch den beiden McLean-Frauen zu helfen.


Die hektische Grossstädterin Annie (Scott-Thomas) trifft auf den ruhigen Landmensch Tom (Redford)

FORMAL GENIAL

Die Ausgangslage ist sehr bald klar, und die aufblühende Liebe zwischen der Städterin und dem Rancher ist kaum eine grosse Überraschung. Erstaunlich ist hingegen die Durchdachtheit, mit der Redford seine beiden Protagonisten näherbringt. Jeder Dialog ist ein Puzzlestück der Romantik, die, und das mag ein individuelles Problem sein, aufgrund der dauerhaften Countrymusik stark reduziert wird . Was hier eine kleine Vorwarnung sei, für all jene, die mit Country und Western-Songs so gar nichts anfangen können. Ihnen wird die Intensität dieser zweifelsohne herzerwärmenden Liebesgeschichte durch die musikalische Untermalung abhanden kommen. Gleichermassen ist The Horse Whisperer für die Herzen der Western-Romantiker ein Schmuckstück sondergleichen. Das unberührte Land, das Erinnerungen an eine «bessere» Pionierzeit weckt, die imposanten Momente eines Rancheralltags mit Kuh und Kegel und die Figur des aufrechten und weisen Cowboys sind Elemente, die alle den grossen Gefühlskitsch fürchten lassen, von Redford jedoch mit viel Fingerspitzengefühl, wenn nicht behoben, so doch stark vermieden wurden.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:The Horse Whisperer (1998)
Land:USA
Genre:Liebesfilm
Bewertung:
 
Regie:Robert Redford
Drehbuch:Eric Roth
Richard LaGravenese
(nach einer Vorlage von Nicholas Evans)
Produktion:Patrick Markey
Robert Redford
Karen Tenkhoff
Koproduktion:Joseph P. Reidy
Ausf. Prod.:Rachel Pfeffer
Kamera:Robert Richardson (I)
Schnitt:Hank Corwin
Freeman A. Davies
Tom Rolf
Musik:Thomas Newman (I)
Ausstattung:Jon Hutman
Kostüme:Judy L. Ruskin
Besetzung:Catherine Bosworth
C.J. Byrnes
Chris Cooper (I)
Don Edwards (I)
Steve Frye
Jessalyn Gilsig
Ty Hillman
Scarlett Johansson
Cherry Jones
Sam Neill
Jeanette Nolan
Robert Redford
Austin Schwarz
Dustin Schwarz
Kristin Scott Thomas
Dianne Wiest
 
Länge:160 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Wildwood Enterprises
Touchstone Pictures
CH Verleih: Buena Vista


[ Homepage ]
Copyright © 1998 Buena Vista (Bilder)
Copyright © 1996-1997 CineNet (Text)