The Hunchback of Notre Dame

Die Schöne und der Bucklige



Disney N° 34

Weihnachten kann nicht mehr weit sein, wenn der alljährliche Disney-Zeichentrickfilm in die hiesigen Kinos kommt. Das ist auch heuer wieder der Fall, wenn Disney mit The Hunchback of Notre Dame bereits den 34. abendfüllenden Zeichentrickfilm vorstellt. Nach dem eher mässigen Erfolg der beiden letzten Filme The Lion King und Pocahontas hat Disney diesmal mit dem weltbekannten Roman des französischen Schriftstellers Victor Hugo eine weit weniger kontroverse Geschichte ausgewählt, in der betont wird, dass die inneren Werte eines Menschen weit mehr wert sind als sein Aussehen und seine Herkunft. Eine wahrhaft weihnächtliche Botschaft, die da von Disney in gewohnter Manier in eine fantastische Bildersprache und wunderbare Musik umgesetzt wurde.


Die alles überragende Kathedrale Notre Dame de Paris
Der Film spielt im Paris des 15. Jahrhunderts, als die Kathedrale Notre Dame de Paris alle anderen Gebäude noch um einiges überragte und den Mittelpunkt der Stadt bildete. Hier lebt der bucklige Glöckner Quasimodo (Tom Hulce), der als Kind einer Zigeunerin in die Hände des Richters Frollo (Tony Jay) geriet und nur dank dem Auftauchen des Archidiakons überlebte und in der Kirche eine Bleibe fand. Da Frollo ihm das Verlassen der Kathedrale strengstens verboten hat, ist er ganz auf sich allein gestellt und nur die drei missglückten Steinfiguren (Gargoyles) Hugo, Victor und Laverne sind auf dem Glockenturm hoch über Paris seine einzigen Freunde.


Die drei Gargoyles Victor, Hugo und Laverne

Das Fest der Narren

Die drei überreden ihn, am farbenfrohen Fest der Narren teilzunehmen, das auf dem Platz vor der Kathedrale stattfindet und von Quasimodo wehmütig beobachtet wird. Seiner missratenen Gestalt wegen wird er dort vom Zigeunerchef Clopin zum König der Narren gekürt, doch als die Volksmenge feststellt, dass er gar keine Maske trägt, bewerfen sie ihn mit Eiern und Tomaten. Erst die schöne Zigeunerin Esmeralda (Demi Moore) befreit Quasimodo aus seiner misslichen Lage, gerät aber im anschliessenden Tumult selber zwischen die Fronten und muss sich in der Kathedrale vor dem Zugriff Frollos und seines Hauptmannes Phoebus (Kevin Kline) retten. Dort verlieben sich Quasimodo und Phoebus gleichermassen in die hübsche Zigeunerin und auch Frollo ist hin- und hergerissen zwischen seinem Hass auf alle Zigeuner und der von ihm begehrten Schönheit von Esmeralda. Diese Szene ist wohl eine der dramatischsten und packendsten im ganzen Film und sie wird musikalisch wirkungsvoll durch das Lied Hellfire unterlegt.


Gruppenbild am farbenfrohen Fest der Narren
Auf der verzweifelten Suche nach Esmeralda will Frollo endgültig mit den Zigeunern abrechnen und ihren geheimnisumwitterten Aufenthaltsort, den Hof der Wunder, ausfindig machen. Hier kommt es zwischen den Truppen der Stadt und den Zigeunern zu einem wüsten Handgemenge, in dessen Verlauf Esmeralda verhaftet und anschliessend zum Tode verurteilt wird. Quasimodo aber schaut diesem Treiben vom Turm der Kathedrale aus natürlich nicht tatenlos zu...

Als grosser Fan von Trickfilmen im allgemeinen und den Disney-Filmen im speziellen, hat mir dieses neue Werk natürlich besonders zugesagt. Nach den beiden letzten politisch nicht ganz korrekten Filmen ist dieser neue Trickfilm wieder zu einem Meisterwerk geworden und es muss den Machern hoch angerechnet werden, dass bei der Umsetzung dieses doch recht anspruchsvollen Klassikers auch die Kinder noch gut mitkommen.


Die ständig wechselnden Stimmungen in der Kathedrale sowie das Spiel von Licht und Schatten lassen die Szenerie einmal bedrohlich und das andere Mal vertraut erscheinen und erzeugen so eine Atmosphäre, wie sie nur in Zeichentrickfilmen möglich ist. Die Geschichte wurde mit zahlreichen Liedern und farbenfrohen Szenen angereichert und es wurde ihr damit ein wenig die Strenge der mittelalterlichen Atmosphäre genommen. Auch die Figuren werden hervorragend in Szene gesetzt, der bucklige Quasimodo ist einem von allem Anfang an sympathisch und die drei Gargoyles tragen als seine Freunde und Ratgeber viel zur Auflockerung des ganzen Films bei. Phoebus, der mutige, aber zuweilen etwas dusselige Söldner, die hübsche Esmeralda und die Zigeuner, die das Gute verkörpern, stehen in krassem Gegensatz zu Richter Frollo und seinen rücksichtslosen Soldaten. Die Botschaft des Films, die Toleranz gegenüber Minderheiten und Andersartigen, wird subtil aber überzeugend mitgeteilt und beim Zuschauer kommt tatsächlich so etwas wie eine weihnächtliche Stimmung auf.

Heinz Gnehm


Filmausschnitt: Titelsong (QuickTime-Format, ca. 15.6MB)

Angaben zum Film

Titel:The Hunchback of Notre Dame
Genre:Trickfilm
Bewertung:*****
Länge:90 Minuten
Regie:Gary Trousdale, Kirk Wise
Drehbuch:Tab Murphy, Irene Mecchi, Bob Tzudiker, Noni White, Jonathan Roberts
Produktion:Don Hahn
Musik:Alan Menken, Stephen Schwartz
Stimmen:Tom Hulce (Amadeus, Fearless)
Demi Moore (Striptease, Indecent Proposal)
Tony Jay
Kevin Kline(A Fish Called Wanda, French Kiss)
Verleih:Buena Vista



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