Hunger (1997)

Mit dem Aufstieg neuer Schönheiten kamen sofort Krankheiten mit. Models machten den grossen finanziellen Reibach und Heerscharen von jungen Mädchen wollten den selben Ruhm und die selben Formen. Auch wenn dies gesundheitliche Folgen nachsichzog. «Hunger -Sehnsucht nach Liebe» wirft zwar keinen medizinischen Blick hinter die Mode-Kulissen, versucht aber dennoch ernsthaft das Thema Bulimie zu analysieren.


von Serge Zehnder


Ein Tresor ist zum Geld aufbewahren da. Für die junge Laura (Catherine Flemming) ist es ein Aufbewahrungsort von süssen Snacks, die sie zur Bewältigung ihrer Fresssucht-Anfälle benötigt. Beruflich glänzt sie ein ums andere Mal und ihr Privatleben wird durch den Graffiti -Bohemien Simon (Kai Wiesinger) romantisch besprayt. Ihre obligaten Zusammentreffen mit ihrer Mutter (Christiane Hörbiger) decken den familiären Teil ab, und auch wenn Laura von seiten ihrer Mutter Unterstützung zur Bewältigung ihrer Krankheit erhält überschattet die Bulimie ihr gesamtes Leben. Launisches Verhalten und abrupte Handlungen stellen ihre Beziehung zu Simon auf die Probe. Immer mehr in die Enge getrieben muss Laura schliesslich feststellen, dass weder die Krankheit noch ihre Vergangenheit, die in regelmässigen Rückblenden erläutert wird, ihr jetziges Leben dominieren dürfen.



BETÄUBENDER SINNESRAUSCH IN MÄSSIGER VERPACKUNG

Thematisch aktuell, aber inhaltlich ohne befriedigende Substanz bleibt Hunger, trotz Regisseurin Varvovnas Versuch einen Fluss in ihre Analyse zu bringen, überwiegend an der Oberfläche. Ohrenbetäubende Geräusche und eine kalte Bildersprache zeugen zwar von filmischer Originalität, aber das Mitgefühl, welches die Figur der erfolgreichen Frau hervorrufen sollte wird nie vollends erweckt. Catherine Flemming tut zwar ihr Bestes um die verzweifelte Hilflosigkeit Lauras glaubwürdig darzustellen und auch Kai Wiesinger wirkt hier, im Gegensatz zu «14 Tage Lebenslänglich» besser plaziert. Mögen die Schauspieler und Vravovnas cineastische Qualitäten einen Teil der neunzig Minuten interessant gestalten enttäuscht Hunger mit einem extrem vereinfachten Ende. Einzig die Liebe soll das Wundermittel gegen die Krankheit sein. Das soll ja vorkommen, aber kaum in ausreichendem Masse um es als Kur zu verschreiben.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Hunger (1997)
Land:BRD
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Vravovna, Dana
Besetzung:Flemming, Catherine
Wiesinger, Kai
Hörbiger, Christine
 
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
CH Verleih: Buena Vista


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