I Shot Andy Warhol

Valerie Solanas 15 Minuten Berühmtheit


Im Höhepunkt der 60er Jahre revolutioniert die kreative Energie der avantgardistisch-dekadenten 'Factory' die Kunstwelt. Es ist Andy Warhols (Jared Harris) Kunst- und Filmstudio, wo sich die Pop Art Ikone ins Zentrum einer lebendigen und faszinierenden Subkultur aus von ihm ernannten Superstars stellt.

Valerie Solanas (Lili Taylor) setzt dieser Energie - und damit dem Imperium von Andy Warhols - ein abruptes Ende. Am Nachmittag des 3. Juni 1968 erscheint Valerie Solanas mit einer Pistole bewaffnet in der Factory und schiesst auf Andy Warhol und den Kunsthändler Mario Amaya. Kurz danach stellt sie sich der Polizei und sagt: 'I shot Andy Warhol; he got too much control over my life.'

Nun begibt sich Mary Harron, die schon Preise für Ihre Dokumentarfilme erhalten hat, auf eine Reise in die Vergangenheit der Beziehung zwischen Valerie Solanas und Andy Warhol. Valerie war eine hochbegabte und unermüdliche, aber dennoch erfolglose Stückeschreiberin und Essayistin. Sie lebte in einer New Yorker Grenzwelt, die von Transvestiten, Beatniks und anderen Untergrund-Szenengängern bewohnt wird. Sie verbringt die Tage damit, ihre selbstpublizierten feministischen Traktate auf der Strasse in Umlauf zu bringen. Sie gründet die S.C.U.M., die 'Society for Cutting Up Men'. Ihr gleichnamiges Manifest, aus dem Lili Taylor in schwarzweissen Grossaufnahmen einige gelungene Kostproben liefert, als gebe sie eine feministische Kabarettnummer, ist eine ebenso vernichtende wie kluge und geistreiche Anklageschrift gegen die Männer.

Ihren Lebensunterhalt verdient Valerie Solanas auf der Strasse, wo sie ihr Manifest zum Kauf anbietet, sich als unterhaltsame und angeregte Gesprächspartnerin gegen Bezahlung anbietet, Passanten um Geld angeht und sich ab und zu auch prostituiert. So trifft sie auch Maurice Godias, der sich nach einem solchen Gespräch für ihr Manuskript interessiert. Durch den Transvestiten Candy Darling gelangt Valerie an Andy Warhol. Sie versucht ihn zu überreden, ihr Stück 'Up Your Ass' zu produzieren. Das Urteil der Gruppe lautet jedoch 'Selbst für uns zu unanständig'. Warhol lässt sie jedoch kurz als Schauspielerin in seinen Werken arbeiten, sie gelangt aber nie in den inneren Kreis um Warhol.

Mary Harron gelang aus der ursprünglichen Idee zu einem Dokumentarfilm ein gut recherchierter Spielfilm. Die Factory wird massstabsgetreu nachgebildet. Aufgrund ihrer Tätigkeit als Rockkritikerien in den siebziger Jahren, in der sie im weiteren Umfeld der Factory arbeitete und dank der Filme von Warhol waren viele Anhaltspunkte vorhanden, wie die Inszenierung möglichst detailgetreu umgesetzt werden konnte. Insbesondere wurde Wert darauf gelegt, die Stimmen und Art des Sprechens der einzelnen Figuren möglichst authentisch zu gestalten. Ein durchaus gelungener Film, der auch etwas Pop Culture zu vermitteln vermag.

Angaben zum Film

Bewertung: ***

Peter Kunz



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