Irren ist männlich

Die Zahl der deutschen Beziehungskomödien nimmt, seit sich Sönke Wortmanns Mann zu bewegen begann, unaufhörlich zu. Spartenfilme gelten als sichere Knüller, zehn Misserfolge werden mit einem Hit wettgemacht, dieser Film gehört zu den besseren.



Egal ob Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau, die hormonellen Zelluloid-Lustpiele der Neunziger stehen (zumindest in unseren Breitengraden) unter dem Kennzeichen "D".


Familienplanung inkognito

Um die Fruchtbarkeit und den Zusammenhalt der Familie dreht sich die biologische Uhr in Sherry Hormanns neuestem Beitrag zur deutschen Filmkultur: Irren ist männlich. Angesiedelt im intakten Haushalt der Familie Neumann präsentiert uns die Regisseurin den Vorzeige-Yuppie und das Sippenoberhaupt Thomas (Herbert Knaup). Mit einem lukrativen Job in einer Anwaltskanzlei, einer liebevollen Frau (Corinna Harfouch), zwei Kindern, einer attraktiven Geliebten und einem Bruder (Richy Müller), der als Pastor mit allen Weihwassern gewaschen ist, gehört unser "Held" zu einer beneidenswerten Minderheit Deutschlands.

Doch am glänzenden Podest wird gerüttelt. Seine Freundin Susanne (Natalie Wörner) eröffnet ihm, dass die gemeinsame Affäre alleine zur Fortpflanzung gedacht sei. Da der zu erwartende Erfolg ausbleibt, unterzieht sich Thomas einer eigenhändigen Sperma Untersuchung. Das Resultat: Der Strahlemann ist unfruchtbar. Die grosse Frage: Aus welchen Genen bestehen seine Kinder? Um das aufzuklären, lädt Thomas seine alten Freunde Philipp (Axel Milberg) und Lorenz (Dominik Graf) für ein gemeinsames Wochenende zu sich ein. In seinem Stolz verletzt, ist Thomas überzeugt, dass einer von den Beiden der Grund für seine Vaterschaft ist und er setzt alles daran, seine Theorie (oder sein Hirngespinnst) zu beweisen.


Man(n) hebt sich ab

Gleich vorweg : Irren ist männlich gehört in die oberen Ränge der Geschlechtskollisionsstreifen. Haben Sherry Hormann und ihr Drehbuchautor Kit Hopkins einige Anlaufschwierigkeiten, dreht das Duo sein Tempo gegen Ende der Geschichte um das Doppelte auf. Verknüpfungen, Verwirrungen und grösstenteils gelungene verbale Gags sorgen für Schwung und Heiterkeit.Vorzüge, die die Schauspieler dankbar entgegennehmen und mit entsprechenden Leistungen vergüten. Besonders hervorsticht Richy Müller, dessen klerikale Verpflichtungen oft im Widerspruch mit den Ausschweifungen seines Bruders stehen. Die Kumpels Dominik Graf (der Blinde) und Axel Milberg (der geistig Geschwächte) sorgen für ein zusätzliches Chaos, da sie als Anwärter auf die Erzeuger-Rolle direkt in die Spinnerein des entthronten Vaters geraten. Diese und eine Reihe anderer Szenen geben Hormann die Möglichkeit ihre, Fähigkeiten zu beweisen. Und sie tut dies mit Esprit und Eleganz. Der Verzicht auf gewisse Schemen, Regelmässigkeiten oder gar Plagiate ist zwar nicht möglich, trübt das Gesamtbild allerdings kaum. Vielmehr steigert es die Erwartungen auf die nächste deutsche Film-Niederkunft im Kino-Kreissaal. Und das will auch was heissen.

Serge Zehnder

Angaben zum Film

Titel:Irren ist männlich
Genre:Komödie
Bewertung:***½ .
Länge:110 Minuten
Regie:Sherry Hormann
Drehbuch:Kit Hopkins
Produktion:Kirsten Hager, Erich Moss
Kamera:Gürard de Battista
Besetzung:Herbert Kaup (Die Sieger, Schlafes Bruder)
Corinna Harfouch (Das Versprechen, Sexy Sadie)
Richy Müller (Das Arche Noah Prinzip, Das Superweib)
Natalie Wörner (La Machine, Frauen sind was Wunderbares)
Axel Milberg (Langer Samstag, Nach fünf im Urwald)
Dominik Grag (Die Sieger, Die Katze, Drei gegen Drei)
Verleih:Buena Vista Int.



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