Jeffrey

...ist schwul. Und er (Steven Weber) hat ein Problem. Nicht das Schwulsein, nein, die ständige Angst vor dem HIV hat seinen Beziehungen den Reiz genommen. Er fällt einen Entschluss, um dessen hoffnungslose Umsetzung es in den folgenden 90 Minuten gehen wird: "No sex! I'm ready, I'm willing, so let's go!"


Ein Ersatz ist schnell gefunden: Karriere und Sport. Doch im Fitnesscenter schlägt das Schicksal in der Gestalt des attraktiven Steve (Michael T. Weiss) zu. Sofort verlieben sich die beiden in einander. Jedoch --- Steven ist HIV-positiv.


Es könnte so schön sein:
Michael T. Weiss und Steven Weber

"Hate AIDS..."

Jeffrey macht sich auf die Suche nach Antworten, oder mit seinen Worten: "I'm shopping for answers." Aber die bekommt er bei Debra (Sigourney Weaver), der polemischen Leiterin eines "No sex"-Kurses, so wenig wie bei Pater Dan (Nathan Lane). Mit Herumgrübeln kommt er ebenfalls auf keinen grünen Zweig, ganz im Gegenteil. Seine Eltern raten ihm zu Telefonsex und Selbstbefriedigung und in der skurrilen Fernsehshow "It's just sex" steht er als grosser Verlierer da, freilich nur in seiner Phantasie.

Schliesslich findet er Hilfe bei seinem alten Kumpel Sterling (Patrick Steward), dessen Freund Darius (Bryan Batt) ebenfalls HIV-positiv ist und später auch stirbt. "Think of the virus as an unpleasant guest who doesn't want to leave - but keep in mind: It's still our party." (Betrachte das Virus als einen ungebetenen Gast, der nicht verschwinden will - denke aber daran: Es ist immer noch unsere Party.)


Es kann so schön sein:
Bryan Batt und Patrick Steward

"...not life!"

Jeffrey ist die Leinwandfassung des gleichnamigen Off-Broadway-Stücks, das im Januar 1993 Premiere hatte und ein Jahr lang sehr erfolgreich gespielt wurde, danach auf Tour ging und einige Preise gewann. Geschrieben hat es Paul Rudnick, der auch das Drehbuch besorgte. Doch trotz diesen Erfolgen auf der Bühne, stand die Produktion zunächst unter einem schlechten Stern. Erst nach der Zusage von Sigourney Weaver schien der Bann gebrochen und es konnten ausgezeichnete Schauspieler verpflichtet werden, wie Steven Weber in der Rolle des Protagonisten oder Bryan Batt, der schon auf der Bühne mehrfach den Darius gespielt hat.

Etwas verloren wirkt Patrick Steward, bekannt als Captain Picard aus den "Next Generation"-Folgen der Fernsehserie Star Trek (Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert). Obschon er als Mitglied der "Royal Shakespeare Company" einen ausgezeichneten Ruf als Schauspieler hat, nimmt man ihm nach seinen unzähligen Auftritten als souveränem Weltraumbummler den Schwulen nicht so richtig ab. Den übrigen Beteiligten dafür um so mehr. Ebenfalls mit von der Partie ist Nathan Lane, der zuletzt als hysterische Starina in The Birdcage begeisterte.

Christopher Ashley hat dem Film mit erfrischend eigenen Stilmitteln bedacht. So spricht der Protagonist ab und an direkt in die Kamera, Akteure schnippen ihre Umgebung in ein Standbild und geben ein Statement ab. Wirklich gelungen ist auch die Umsetzung der ersten Kussszene zwischen Männern: Dem Publikum wird kurzerhand ein Spiegel vorgehalten in der Art, dass eine eingeschobene Szene eine mögliche Reaktion des Kinopubliums auf die Leinwand holt.

In der zweiten Hälfte gleitet der Film ins Kitschige ab. Das alleine würde in diesem Fall zwar nicht gross stören, doch gleichzeitig gibt der Film als Ganzes auch ab, die witzigen Dialoge werden platter und die originellen Schnitte weniger. Trotzdem ist Jeffrey eine unterhaltsame Komödie für einen kurzweiligen Kinoabend.

Sven Schwyn

Angaben zum Film



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