Jerry Maguire

Spiel des Lebens: Jerry Maguire, ein ehrgeiziger Sportagent, wird von Gewissenbissen gequält und muss bitter dafür büssen.



Jerry Maguire (Tom Cruise) managt für seine Firma erfolgreiche Profisportler, und das gleich im Dutzend. Er handelt die Verträge für seine Schützlinge aus und erhält eine prozentuale Beteiligung. Doch seit einiger Zeit quälen ihn Gewissensbisse. Eines Nachts setzt sich Jerry deshalb an den PC und hackt mit fiebrigem Eifer auf die Tasten ein. Ein sogenanntes mission statement entsteht, ein programmatisches Manifest, in dem er die ethischen und moralischen Grundsätze seines Berufes neu definiert: «Weniger Klienten, mehr Qualität», heisst es darin . Er vervielfältigt sein Werk und schickt es sämtlichen Arbeitskollegen. Jerry hat damit sein eigenes Todesurteil unterschrieben.


Brilliante Schauspielerin mit
Schweizer Wurzeln: Renée Zellweger
Anfangs wird er in der Firma heuchlerisch beklatscht, eine Woche später feuert ihn sein früherer Protegé. Er verlässt die Firma und nur zwei Menschen , der Footballspieler Rod Tidwell (Cuba Gooding jr) und die Buchhalterin Dorothy Boyd (Renée Zellweger), die von seinem mission statement tief beeindruckt ist, halten zu ihm. Jerrys Verlobte (Kelly Preston), Freunde und sämtliche Klienten lassen ihn im Stich. Es gilt nun, sein Manifest in die Tat umzusetzen, und er versucht, für seinen einzigen Klienten Rod, das ewige Talent mit dem Riesenego, den bestmöglichen Vertrag auszuhandeln. In seinem Gefühlsleben spielen die alleinerziehende Mutter Dorothy und ihr kleiner Sohn Jonathan eine immer grössere Rolle. Der Weg zu den Sternen ist steinig, aber sie werden dort ankommen.


Klimpernde Kassen

Vor den 80er Jahren wirkten Sportagenten im Hintergrund. Aber als Industrie und findige Geschäftsleute das Vermarktungspotential von Profisportlern einmal erkannt hatten, da erlebte der Berufszweig der Agenten einen Bedeutungswandel. Plötzlich sassen sie an den Schalthebeln, wenn es darum ging, für ihre Klienten Millionbeträge herauszuholen. Cameron Crowe heftete sich an die Fersen des Footballagenten Leigh Steinberg und nach ausgiebigen Recherchen verfasste er die Vorlage für seine dritte Regiearbeit. Aber keine Angst: Jerry Maguire entzückt nicht nur Sportbegeisterte. Das Thema Sport ist eigentlich eine blosse Folie, unter der sich die universale menschliche Tragikomödie abspielt.


Cuba Gooding jr,
der oscarnominierte Energiebolzen
Leise Anflüge von Mut und Leidenschaft wie bei Jerry Maguire sind eigentlich etwas Alltägliches, aber sie bringen einen nur selten in Schwierigkeiten, wie es beim Sportagenten Maguire der Fall ist, der über seine eigene Courage erschrickt. Tom Cruise war bis zu dieser Rolle bloss ein Star, nun hat er endlich den Beruf des Schauspielers ergriffen. Cruise bringt plötzlich den Mut zur Lächerlichkeit auf, ein Schritt, den nur wenige in diesem Metier wagen. Der bubenhafte Charme, die sekundenschnell zerbröckelnde Fassade, ist keine rasch übergestreifte Maske des Kassengiganten Cruise, sondern passt einzig und alleine zur Figur des verzweifelten Agenten Maguire. Renée Zellwegers Dorothy Boyd wäre bei einer weniger inspirierten Darstellerin zur eindimensionalen Dutzendfigur verkommen: Das Mädchen an der Seite des traurigen Helden. Doch Zellweger zeigt in ihrem beeindruckenden Hauptrollendebüt eine Figur, die in ihrem ständigen Lavieren zwischen der Liebe zu Jerry, der Angst verletzt zu werden und dem Wunsch nach Unabhängigkeit sehr plastische Formen annimmt. Jerry Maguire lebt vor allem von seinen Schauspielern: Wenn Tom Cruise und Renée Zellweger das Herz des Films bilden, so ist Cuba Gooding jr als Energiebolzen Rod Tidwell sein Motor. Ganz zu recht wurde der junge Darsteller mit dieser Rolle für den Oscar in der Kategorie der besten Nebenrolle nominiert.

Halbgelungene Inszenierung

Cameron Crowes Regie hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Dieser Film appelliert an die Emotionen, das ist auch recht so, aber Jerry Maguire driftet ab und zu in die Gefilde des konventionellen Kitsches ab: Der kleine Jonathan (Jonathan Lipnicki), zugegeben ein goldiger Knirps, wird dem Publikum ein bisschen allzu aufdringlich als Wonneproppen aufgedrängt, und mit einem Happy-End aus dem Bilderbuch der Stereotypen stürzt der Film für einen Augenblick in den Bereich der Dutzendware aus der Traumfabrik ab. Doch was will man da gross rummäkeln. Cameron Crowes sozialdarwinistischer Bilderbogen besitzt eine grosse Seele, viel Witz und Intelligenz, eine seltene Kombination im Mainstream-Kino der Gegenwart.

Thomas Lüthi

Angaben zum Film

Titel:Jerry Maguire
Genre:Studiofilm/Actionfilm/Dokumentation etc.
Bewertung:****.
Länge:140 Minuten
Regie:Cameron Crowe (Say Anything, Singles)
Drehbuch:Cameron Crowe
Produktion:James L. Brooks, Laurence Mark, Richard Sakai, Cameron Crowe
Kamera:Janusz Kaminski
Musik:Danny Bramson
Besetzung:Tom Cruise (Rain Man, Born on the 4th of July, Mission: Impossible)
Cuba Gooding jr (Boyz N the Hood, Born on the 4th of July, Outbreak)
Renée Zellweger (Dazed and Confused, Reality Bites, 8 Seconds)
Kelly Preston (From Dusk Till Dawn, Only You, Twins, Citizen Ruth)
Bonnie Hunt (Rain Man, Only You, Beethoven, Dave)
Verleih:20th Century Fox



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