Kansas City

"Film-Jazz"


Kansas City, 1934: Die Zeit der grossen Depression. Die Stadt ist korrupt, und wird von drei Machtblöcken kontrolliert: Der italienischen Mafia, den schwarzen Gettho-Kings und von Pendergast, dem Parteiboss der Demokraten, der dafür sorgt, dass weder die Prohibition (man nahm nicht einmal die Kneipenschilder ab; Alkohol wurde einfach weiter verkauft), noch die Depression der Stadt etwas anhaben können. Dies und die zentrale Lage von Kansas City förderten die Entwicklung des Jazz. viele bekannte Musiker zog es dorthin. Die Musik spielt auch eine wichtige Rolle im Film: Robert Altman bat 21 heutige Weltklasse-Jazzmusiker, Solisten, die in dieser Kombination noch nie zusammen gespielt hatten, im Film mitzuwirken. Er inszenierte mit ihnen eine einzigartige Live-Jam-Session im Hey Hey Club. Die Musik lehnt sich stark an den Jazz aus dem damaligen Kansas City, dem heutigen Mainstream-Jazz, an.

Die Geschichte handelt von zwei Frauen, die eine Nacht zusammen erleben. Die eine ist die Telegrafistin Blondie O'Hara (Jennifer Jason Leigh), die andere Carolyn Stilton (Miranda Richardson), die drogenabhängige Angetraute eines einflussreichen Politikers. Blondie hat Carolyn entführt, um so ihren Mann Johnny, einen weissen Kleingangster, freizupressen, der vom gefürchteten Gangsterboss und Jazzclub-Besitzer Seldom Seen (Harry Belafonte) gefangengehalten wird. Blondie ist beinahe krankhaft in Johnny verliebt.
Blondie erpresst nun also Carolyns Mann, den einflussreichen Politiker, der alle Hebel in Bewegung setzt, um seine Frau wiederzubekommen. In der Zwischenzeit bangt Johnny im Hinterzimmer des Hey Hey Club um sein Leben. Doch die Angelegenheit wird durch die gerade laufenden Wahlen verzögert. Die Demokraten haben lastwagenweise Wähler in die Stadt gekarrt, die in Gruppen und natürlich demokratisch wählen gehen, meist sogar im angetrunkenen Zustand. Schliesslich hat Carolyns Gatte trotzdem Erfolg, allerdings nur teilweise...

Während des ganzen Films ist Blondie äusserlich in einer Art Dauerschmollzustand. Mit den Gedanken abwesend, aber doch beherrscht, während sie innerlich überfordert und nervös ist. Jennifer Jason Leighs Rolle beschränkt sich auf sehr wenige Stimmungen, wodurch ihr schauspielerisches Potential nie richtig zum Tragen kommt; Miranda Richardson spielt mehr die passive Zuhörerin, die mit der Zeit Verständnis für Blondies Motivation aufzubringen scheint. Aus dem Zusammentreffen der beiden Frauen mit verschiedenem Hintegrund hätte man ruhig mehr machen können, hier agieren die beiden Hauptdarstellerinnen mehr nebeneinander als miteinander. Der Film lebt aber nicht zuletzt vom Jazz, von den Subplots und von einem eindrücklichen Monolog, der Seldom Seen vor Johnny zu Besten gibt. Harry Belafonte hat seine Zeilen zu einem grossen Teil sogar selber geschrieben. Altman schuf mit "Kansas City" eine romantisierende aber nicht verklärende Studie einer Zeit und eines Lebensgefühls, die er selbst als Neunjähriger erlebt hat.

Angaben zum Film

Bewertung: ****.



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