Kleines Arschloch - Der Film

Mahlzeit!


von Heinz Gnehm


Das kleine Arschloch, die rotzfreche und manchmal auch philosophierende Comicfigur des deutschen Zeichners Walter Moers hat in Deutschland und der Schweiz eine grosse Fangemeinde um sich scharen können. Neben Ralf König (Der bewegte Mann, Kondom des Grauens) und Brösel (Werner) ist Walter Moers damit der dritte erfolgreiche deutsche Comic-Zeichner der letzten Jahre. Wie die beiden ersteren hat nun auch er seine Geschichten auf die Leinwand gebracht und sich dadurch ein neues Medium erschlossen.


Der arme Peppi hat wieder mal Pech gehabt.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Anders als etwa die Werner-Filme hat Walter Moers in seinem ersten Kinofilm keine neue Handlung erfunden, sondern bereits existierende Geschichten genommen und in eine Rahmenhandlung eingebettet. So sieht man im Film alte Bekannte wieder, etwa Peppi, den armen Hund der Nachbarin, der vom kleinen Arschloch auf seinen Spaziergängen ständig aufs Übelste zugerichtet wird und der sich anschliessend nur noch mit Mühe über die heimische Schwelle schleppen kann. Wir treffen auch auf den alten Sack (eigentlich sein Grossvater), der sich nicht ins Altersheim abschieben lässt und sich stattdessen ein Vergnügen daraus macht, die Trauergäste auf dem Friedhof zu beschimpfen. Und dann sind da noch die Giftzwerge, eine Band, die am Weltkirchentag ein satanistisches Musical aufführt oder an einem Treffen von Neo-Nazis ein türkisches Volkslied zum besten gibt und damit genauso fehlschlägt, wie mit all ihren anderen Auftritten. Im Mittelpunkt all dessen steht das kleine Arschloch, der seine spiessige Umwelt mit tiefschürfenden Reden genauso zu erzürnen vermag, wie mit seinen nicht immer ganz jugendfreien Streichen, die er anschliessend in seinem Tagebuch für die Nachwelt festhält.


Bleibt der alte Sack doch im Altersheim?

Auf Zelluloid nichts Neues

Obwohl ich selber kein treuer Fan des kleinen Arschlochs bin, kenne ich doch einige seiner Geschichten und habe sie immer sehr frech und witzig gefunden. An einige Episoden des Films konnte ich mich deshalb noch erinnern, viele waren aber neu für mich. Obwohl auch der Film viele freche und witzige Stellen aufweist, konnte ich ihm nicht allzu viel Positives abgewinnen. Die wahllose Aneinanderreihung der sich ähnelnden Spaziergänge mit Peppi oder der ständig missglückten Auftritte der Giftzwerge wirken bald als Wiederholung und machen die Episoden nicht lustiger. Die Idee, die Geschichten möglichst originalgetreu umzusetzen, hat zudem zur Folge, dass der Film nichts Eigenständiges ist und den Figuren des Buches einzig die Animation und die Stimmen hinzufügt. Nur an wenigen Stellen wurden die Möglichkeiten des Zeichentrickfilms wirklich ausgenützt und damit der Buchversion etwas Neues gegenübergestellt. Dazu gehört sicher der Soundtrack, insbesondere das farbenfrohe Höllen-Musical mit dem der Film eingeleitet wird. Ansonsten bietet der Film aber wenig Überraschendes und es kommt bei mir der Verdacht auf, dass hier einzig versucht wurde, eine neue Geldquelle zu erschliessen. (Und die Rechnung scheint aufzugehen. Anm. d. Red.)

Trotzdem, wer das kleine Arschloch selbst noch nicht kennt, dem wird eine gute und kostengünstige Einführung geboten und was ein richtiger Fan des kleinen Arschlochs ist, wird sich diesen Film wohl eh nicht entgehen lassen. Allen anderen rate ich eher zu den Büchern, die den gleichen Inhalt bieten, aber eine längere Haltbarkeit aufweisen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Kleines Arschloch - Der Film (1997)
Land:Deutschland
Genre:Trickfilm
Bewertung:2 (von 5)
 
Regie:Schaack, Michael
Vollmer, Veit
Drehbuch:Moers, Walter
Produktion:Huth, Hanno
Ausf. Prod.:Schaack, Michael
Kamera:Tiernan, Graham
Musik:von Henko, Wolfgang
Besetzung:Elsholtz, Arne (II)
Ackermann, Katharina
Schäffler, Erik
Krökel, Reinhard
Arnold, Monty
Schneider, Helge
Lössel, Claudia
 
Länge:82 Minuten
Prod.-firma:Senator Film
CH Verleih:Focus Film


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