Kondom des Grauens

Der neue Film nach einem Comic von Ralf König


Ein Killerkondom löst Kastrationsängste aus

"Ich heisse Babette und ich will
sofort wissen, wer das ist.
Hast Du was mit dem?"

Die Polizei von New York steht vor einem Rätsel. Im heruntergekommenen Stundenhotel mit dem bezeichnenden Namen "Hotel Quickie" geht die Angst um. In der vergangenen Silvesternacht wurden vier Männer ihres besten Stücks beraubt. Ein Fall für den schwulen Inspektor Luigi Mackeroni (Udo Samel). Der italienischstämmige Bulle mit Sonnenbrille und Glimmstengel im Mund nimmt sofort die Ermittlungen zu diesem delikaten Fall auf. Mackeroni angelt sich einen Strichjungen namens Billy (Marc Richter) und geht in dem zweifelhaften Etablissement, das er offensichtlich selber regelmässig frequentiert, auf Spurensuche. Als ihm bei seinen Ermittlungen ein Hoden abgebissen wird, ist für ihn der Fall klar: Ein bissiges Kondom treibt sein Unwesen in New York. Mackeroni stösst allerdings sowohl bei seinem Vorgesetzten, als auch bei seinem spiessigen Kollegen Sam (Peter Lohmeyer) auf ungläubiges Kopfschütteln. Niemand will ihm die verrückte Geschichte mit dem Killerkondom so richtig glauben, obwohl während seines Spitalaufenthaltes 16 weitere Freier im Quickie ihren Penis auf grausamste Weise verloren haben.

"Irgendwo da draussen ist dieses
Kondom. Wenn ihr nicht langsam
was unternehmt, gehen bald die
nächsten Schwänze drauf!"

Für Mackeroni wird die Aufklärung des Falls zur Frage der Ehre

Nach eine erfolglosen Verfolgungsjagd im Quickie gelingt es Mackeroni schliesslich, ein Killerkondom, das der Transsexuelle und Ex-Polizist Babette (Leonard Lansink) versehentlich aus dem Hotel mitgenommen hat, bei sich zuhause zu erlegen, bevor es seinem 32 Zentimeter langen Dödel etwas anhaben konnte. Doch die Kondome breiten sich immer mehr in der ganzen Stadt aus und sogar im Central Park wird eine arglose kroatische Putzfrau von einem leicht verwirrten Gummiteil in die Nase gebissen. Als sich schliesslich sogar der konservative Präsidentschaftskandidat McGovern schmerzlich von seinem Pimmel trennen muss, ist die Hölle los im Polizeirevier. Der brave Sam wird zu Ermittlungen in Lederkluft in eine Schwulenbar geschickt, während Luigi Mackeroni durch einen Hinweis der Putzfrau auf ein katholisches Krankenhaus aufmerksam wird. Er findet heraus, dass die fanatsich religiöse Chefärztin Dr. Riffelson (Iris Berben) in den Katakomben unter dem Spital ein wahres Horrorlabor eingerichtet hat...Wird Mackeroni den Fall jemals aufklären können und die Welt vor einer Invasion der Killerkondome retten können? Wird er jemals eine dauerhafte Liebesbeziehung eigehen können? Und wird er seiner Mutter in Sizilien jemals seine Braut vorstellen können?

"Und jetzt holen Sie
ihn aus der Hose!"

"Kondom des Grauens" ist nach "Der bewegte Mann" die zweite Verfilmung eines Comic von Ralf König, dem prominenten deutschen Zeichner von Schwulencomics, der auch über die Grenzen seiner Szene hinaus eine grosse Beliebtheit errungen hat. Doch im Gegensatz zum ersten Film, der aus zwei Underground-Comics eine zahme Hetero-Komödie mit ein paar netten Schwulen als Beigemüse gemacht hat, bleibt dieser Film sehr nahe an seiner Vorlage. Der Film profitiert denn auch von der düsteren, perversen Grosstadt-Welt, die König in seinen Comics entwickelt, indem er versucht, sie auch in den Film einzubringen. Im Gegensatz zu amerikanischen Comic-Verfilmungen, wie beispielsweise "Batman Forever", ist "Kondom des Grauens" nicht so extrem stylisiert und er verfügt über ein behäbiges Tempo, das dem Zuschauer genügend Raum zum Atmen und Nachdenken lässt. Es ist dem jungen Zürcher Produzenten Ralph S. Dietrich und dem Regisseur Martin Walz hoch anzurechnen, dass sie nicht den kommerziellen Versuchungen erlegen sind, den Film leichtfüssiger und mehrheitsfähiger zu machen und ihm so den kruden Charme zu nehmen, der ihn vom Rest der im Moment so boomenden deutschsprachigen "Schwulenkomödien" abhebt.

"Das ist hier doch keine
Tuntenoper!"

Doch genau hier liegt auch ein Problem: Wer beim "Kondom des Grauens" eine klassische, leicht verdauliche Komödie erwartet hat, sitzt im falschen Film. Die Komik ergibt sich hier mehr aus der Situation als aus den Dialogen. Die Dinge werden beim Namen genannt, die Hauptpersonen sind keine blossen Figuren, sondern Personen mit Charakter und klar definiertem Hintergrund. Mackeroni ist im Grunde genommen ein tragische Figur: Entwurzelt von seiner Vergangenheit schlurft sein hervorragend gespieltes Leinwand-Pendant Udo Samel durch eine Welt voller Verbrechen und Perversitäten und ist in seiner Melancholie unfähig, eine richtige Liebesbeziehung einzugehen. Doch während der Suche nach dem Kondom macht er eine Wandlung durch, die in einer selbstbewusst vorgetragenen, vielliecht etwas gar zu pathetisch geratenen Predigt kulminiert.

Martin Blatter


CineNet-Exklusivinterview mit Hauptdarsteller Udo Samel
CineNet-Exklusivinterview mit Regisseur Martin Walz


Angaben zum Film



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