L.A. Confidential (1997)

Fast zwanzig Jahre gingen ins Land, bis Hollywood für die erste Adaption eines Romans von James Ellroy bereit war. Und wie man sieht: Gut Ding will eben Weile haben.


von Serge Zehnder


Ein neues Leben in Los Angeles. Der Ort, wo Träume wahr werden. Das Amerika der frühen fünfziger Jahre, vom zweiten Weltkrieg verschont, bietet den jungen Siedlern Aussichten auf einen Neuanfang. Rasant montiert und von dem schleimigen Reporter Sid Hudgeons (Danny DeVito) kommentiert, blitzen goldene Bilder einer Stadt im Aufbruch an unseren Augen vorbei. Wer Willenskraft hat, schafft im «neuen» Amerika alles. Doch wie bei jedem Zauberspruch kommt noch eine Warnung dazu. In der Stadt der Engel ist nicht alles so himmlisch, wie es sein sollte. Drogen, Prostitution und Korruption bestimmen den Lauf der Dinge genauso wie die Erstellung einer heilen Welt, die unter Zuhilfenahme der Traumfabrik einen perversen Glanz erhält. Jene, die dem Verbrechen das Handwerk legen sollten, bedienen sich selber reichlich am illegalen Kuchen.


Bullen- und Boulevardfreundschaften

ENGEL IN DER HÖLLE DES GESETZES

Unter den schwarzen Schafen befindet sich Jack Vincennes (Kevin Spacey), der sich sein Zubrot als technischer Berater bei der Polizeiserie «Badge of Honor» verdient und mit dem Boulevard-Schmierfink Hudgeons auflagenstarke Verhaftungen effektvoll inszeniert. Weniger schlüpfrig, dafür um so brutaler geht Bud White (Russell Crowe) bei seiner Ausübung des Rechtes vor. Zusammen mit seinem ruchlosen Vorgesetzten Dudley Smith (James Cromwell) bläut er den Ganoven seine Vorstellung vom Gesetz ein. Nur mit einem infantilen Gerechtigkeitssinn und grossen Ambitionen ausstaffiert, will der Neuling Ed Exley (Guy Pearce) diesen maroden Polizeiapparat reinwaschen und gleichzeitig die Karriereleiter hinaufklettern. Ein Heuchler, der von seinem eigenen Tun überzeugt ist, die Schemen des Spiels aber nicht durchschaut und droht, davon geschluckt zu werden. Ohne irgendwelche Gemeinsamkeiten zu haben, finden sich die drei Polizisten in ihrem Kampf gegen das Böse dennoch in der gleichen Arena wieder. Die Fangarme mögen unterschiedlich sein, doch das Monster ist identisch. Ellroy, der durch seine handlungsintensiven Romane und die extreme Brutalität für unverfilmbar galt, zeichnet sich speziell dadurch aus, dass seine Geschichten ein Konglomerat von Nebenhandlungen sind und erst im letzten Teil aufgelöst werden, dann aber mit einem Urknall. L. A. Confidential ist das beste Beispiel für diesen Schrei aus der Gosse.


Kim Basinger als «Femme Fatale» im Comeback-Himmel

GRÜSSE AUS DER GOSSE

Einer, der diesen Schrei vernommen hat, ist Regisseur Curtis Hanson («The River Wild», «The Hand that Rocks the Cradle»), für den L. A. Confidential ein Traumprojekt war, das er fast ein Jahrzehnt lang mit sich herumschleppte. Das Universum von Ellroy, dessen Mutter ermordet und dessen Vater dem Alkohol erlag, ist nicht nur die dunkle Seite des «American Dream», sondern dessen Hölle und fand in Hansons Händen die geeignete Behutsamkeit und den Respekt für eine adäquate Adaption. Ellroy war lange selbst die gescheiterte Existenz aus seinen Romanen, bis er ins Schreibfach wechselte, wo er sich den Ruf als «bester Crime-Autor der Gegenwart» erarbeitete. Die Komplexität seiner Figuren und das visuelle Element seines Schreibstils zwangen eine Verfilmung auf und liessen es gleichzeitig unmöglich erscheinen. Hanson und sein Co-Autor Brian Helgeland («The Conspiracy Theory», «Lethal Weapon 4») mussten bei der Umsetzung einiges straffen und komprimieren, verloren den Grundton jedoch nie aus den Augen. Womit Roman und Drehbuch anders, aber mit derselben Wucht bestückt sind. Eine Wucht, die sich auch auf die Schauspieler übertrug. Besonders der Neuseeländer Crowe und der Australier Pearce, zwei Neueinsteiger in Hollywood, haben mit diesem Film wohl einen Quantensprung in Sachen Karriere vollzogen. Daneben absolvieren Spacey und DeVito ihre Rollen mit der gewohnten Kleverness und Brillanz. Eine weitere Überraschung ist Kim Basinger, die in der Verkörperung der «Femme-Fatale» eine «Comeback»-würdige Leistung an den Tag legt. Die Rolle der Verführerin mag für Basinger nichts Neues sein, Hanson wusste jedoch genau, welche Knöpfe er drücken musste, um die schon fast in Vergessenheit geratene aufs Podest zu heben. Es entging dem Regisseur nichts, und dies spürt man bei L. A. Confidential in jeder Szene. Das pochende schwarze Herz einer desolaten Stadt, wo Fiktion und Realität die Plätze getauscht haben. Ein Klassiker!



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:L.A. Confidential (1997)
Land:USA
Genre:Krimi
Bewertung:
 
Regie:Hanson, Curtis
Drehbuch:Ellroy, James
Helgeland, Brian
Hanson, Curtis
Produktion:Hanson, Curtis
Milchan, Arnon
Nathanson, Michael G.
Koproduktion:Helgeland, Brian
Ausf. Prod.:Kolsrud, Dan
Wolper, David L.
Kamera:Spinotti, Dante
Schnitt:Honess, Peter
Musik:Goldsmith, Jerry
Ausstattung:Oppewall, Jeannine Claudia
Kostüme:Myers, Ruth
Besetzung:Arana, Tomas
Austin, Jeff
Baker-Denny, Simon
Bakke, Brenda
Basinger, Kim
Beckel, Graham
Birkett, Jeremiah
Bossetta, Brian
Breneman, April
Bretz, Matthew Allen
Chieffo, Michael
Chong, Precious
Clendenin, Bob
Conley, Jack
Cromwell, James
Crowe, Russell
DeVito, Danny
Deacon, Gwenda
Dixon, Shane
Eberlein, Scott
Evangelisti, Noel
Evans, John H.
Fleming, Robert Barry
Foster, Robert (I)
Graf, Allan
Granli, Elisabeth
Grant, Salim
Guilfoyle, Paul (II)
Harrison, Robert
Howell, Norman
Jones, Shawnee Free
Kelly, Kevin (I)
Kennedy, Mike
Klingler, Rebecca Jane
Knight, Jack
Lally, Brian
Lambert, Steve
Loftin, Lennie
Mahon, John
Maloney, Kevin
Marder, Henry
Marder, Jordan
McCleery, Michael
McCoy, Matt
McKee, Monty
Metzler, Jim
Meyers, Henry
Mitchell, Colin
Neuhaus, Ingo
Newcomb, Bodie
Ossman, Michael
Padilla Sánchez, Marisol
Pearce, Guy (II)
Pulford, Don
Rankin, Steve
Rifkin, Ron
Rosales Jr., Thomas
Roseen, Irene
Sandeen, Darrell
Sanders, Jeff
Seganti, Paolo
Sharpe, Beverly
Short, Chris
Slade, John
Slaughter, Ginger
Smith, Amber
Smith, Symba
Spacey, Kevin
St. James, David
Stilwell, Dick
Strathairn, David
Taylor, Sandra
Thomas, Jess
Thompson, Samuel
Walters, Patrice
Warwick, Michael
Washington, Karreem
White, Gregory (I)
Wolande, Gene
Wood, Jody
Worthy, Lisa
Yager, George
Zahrn, Will
 
Länge:136 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
CH Verleih: Warner Bros.


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