Leaving Las Vegas

Zwei grundverschiedene Leben, zwei grundverschiedene Probleme und eine grosse, gemeinsame Liebe. Die Nutte und der Säufer. Kein "Pretty Women II", dafür die Chronik eines Untergangs.



"Drinking is a way of killing yourself ..."

Die Oberfläche der Geschichte ist denkbar einfach: Der abgestürzte und dem Alkohol verfallene Drehbuchautor Ben (Nicolas Cage) entscheidet sich nach dem Verlust des Jobs, sein Leben aufzugeben und sich in Las Vegas mit seiner Abfindung zu Tode zu saufen. Dort kreuzt sich sein Weg mit dem der Prostituierten Sera (Elisabeth Shue). Es entflammt eine tiefe Zuneigung zwischen Sera und Ben, beide akzeptieren ihre Schwächen und Fehler, bedingungslos, bis Ben schliesslich am Alkohol zu Grunde geht.


Nicht nur oberflächlich Schön:
Elisabeth Shue

"... or killing yourself a way of drinking."

Leaving Las Vegas ist ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter Film. Das Drehbuch basiert auf einer teilweise autobiographischen Geschichte von John O'Brien. Wie Ben im Film rutschte O'Brien im wirklichen Leben grund- und sinnlos in die Alkoholsucht ab und stirbt gerade zwei Wochen nach der Unterzeichnung der Filmrechte und nur wenige Monate vor dem Produktionsstart.

Mike Figgis zeichnet sich nicht nur für die Regie und das Drehbuch von Leaving Las Vegas verantwortlich, sondern komponierte und spielte mit einer Band auch den Soundtrack ein, den so namhafte Sänger wie Sting oder Don Henley (Eagles) interpretieren. Bei der Produktion gab Mike Figgis einen äusserst gedrängten Terminkalender vor: "I wanted to demonstrate that it was possible to make a really good, large film on a low budget with a very short time to shoot it in." Um den Drehplan einzuhalten, mussten einzelne Szenen improvisiert werden, andere wurden eher im Stil eines Dokumentarfilms eingefangen, was dem Ganzen einen sehr authentischen Anstrich gibt. Und auch die Tatsache, dass Nicolas Cage mit einem Alkoholiker das Verhalten und die Bewegungen von Betrunkenen studiert hat, trägt das Übrige dazu bei.

Vorbehalt- und zukunftslose Liebe
Nicolas Cage und Elisabeth Shue entpuppen sich als ausgesprochene Idealbesetzung für diesen Film: Nicolas Cage mimt den Alkoholsüchtigen ohne jede Übertreibung, was manchmal eine schier unerträgliche Spannung erzeugt, und Elisabeth Shue schafft es, die Rolle des naiven Girls abzuschütteln und die Prostituierte Sera souverän in Szene zu setzen.

Endstation Las Vegas, eingefangen von Mike Figgis in kraftvollen und manchmal beklemmenden Bildern. Ein Film, der eine weitere, wichtige Zwischenstation auf dem Weg Hollywoods aus der Sackgasse des Kitsches und der Belanglosigkeit darstellt.

Sven Schwyn


Angaben zum Film

Weitere Informationen gibt es hier.



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