Liebe Deine Nächste! (1998)

Viel los bei der Fürsorge.


von Serge Zehnder


Detlev Buck macht andere Filme. Ob besser oder schlechter, soll jeder für sich selbst entscheiden. Auch dieses Jahr hat er unter der spärlicher gewordene Flut von deutschen Filmen, die bei uns neuerdings nur noch auf Video erscheinen oder direkt im TV zu sehen sind, eine eigene Klasse beibehalten. Von der Qualität her ist Liebe Deine Nächste etwas besser als sein Vorgänger «Männerpension», unter dem «buckschen» Strich bleibt dieses religiös angehauchte «Gut-bekehrt-Böse»-Märchen aber weit unter dem Niveau eines «Wir können auch anders...». Das einstige Viva-Girlie Heike Makatsch, nach ihrem Kinoeinstand in «Männerpension» und dem gut geschmierten Oberlangweiler «Obsession» gibt hier die Soldatin Gottes Irene, welche zusammen mit der preussisch-strengen Josefine (ein faszinierendes neues Gesicht: Lea Mornar) im Armenviertel einer deutschen Grossstadt das seelische Reinemachen vornehmen soll. Ein Nachtasyl soll zu einem warmen menschenfreundlichen Ort geputzt werden. Wo jetzt Alkoholiker und sonstige gescheiterte Existenzen eine 24-Stunden-Party schmeissen, werden unter der strengen Suppenkelle der beiden Idealistinnen die schmutzigen Sitten ausgetrieben. Einer, der den beiden Engeln unter die Arme greifen will und sich dabei die Gunst von Josefine zu ergattern erhofft, ist der Management-Berater Tristan (schleimig wie selten: Moritz Bleibtreu). Tristan, ein Abgesandter des Teufels hat sich darauf spezialisiert, mit einem Fingerzucken Leute aus einer Firma zu schmeissen. Ohne jegliche moralische Bedenken zertrümmert er die Leben von Menschen und macht sich einen speziellen Spass daraus, der unschuldig-unahbaren Josefine nachzustelle,n um sie ins Bett zu kriegen.


Das Objekt (Mornar) seiner (Bleibtreu) Begierde.

HIMMLISCH, ABER NICHT GESEGNET

Ja, in Liebe Deine Nächste lockt die Verführung, wohin man blickt. Die Fassade des Bösen versteckt sich hinter der allgemeinen Seuche der Arbeitslosigkeit und ist, wie von Bleibtreu aalglatt verkörpert, die Folge eines wirtschaftlichen Missmanagements. Kalter Zynismus gegen die besänftigenden Taten der beiden Himmelsbotinnen. Was zu einer vielschichtigen Satire mit starkem hoffnungsvollen Ausgang hätte werden können, kommt auf halber Strecke zum Erliegen. So stark Bucks Liebe zum Amoralischen und sein Respekt vor dem Guten die ersten fünfzig Minuten dominiert, so flach und unbefriedigend simpel handeln seine Figuren im zweiten Teil. Schauspielerisch tut dies Mornars Leistung jedoch keinen Abbruch. Willensstark, mit dem blassem Gesicht ist sie die perfekte Mischung aus Unschuld und Willensstärke, beides Attribute, die den teuflischen Helfershelfer Tristan anziehen. Die Konfrontation der beiden ist es auch, welche den Film vor dem kompletten Absturz in die Belanglosigkeit bewahrt. Makatsch kommt mit einem kleinen Klatsch auf die Hand davon und Buck hat zu guter Letzt dank wunderschöner Bildkompositionen seinen Ruf als innovativer Filmemacher beibehalten, bleibt auf der erzählerischen Ebene jedoch weit unter seiner eigenen Klasse. Dennoch, neben einem «Eisbär» und Kai Rabe mit seinen Vatikankillern ist Liebe Deine Nächste einer der besseren deutschen Filme des letzten Jahres. Als allzugrosses Lob darf dies aber nicht gewertet werden.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Liebe Deine Nächste! (1998)
Land:Deutschland
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Detlev Buck
Drehbuch:Detlev Buck
Jens-Frederick Otto
Produktion:Claus Boje
Kamera:Joachim Berc
Schnitt:Peter R. Adam
Ausstattung:Claus Amler
Kostüme:Barbara Baum
Besetzung:Moritz Bleibtreu
Heike Makatsch
Lea Mornar
Frank Giering
Marc Hosemann
Sophie Rois
Heribert Sasse
Gerry Wolff (I)
 
Länge:90 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Prod.-firma:Boje Buck Produktion GmbH [de]
Westdeutscher Rundfunk (WDR) [de]
CH Verleih: Buena Vista


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