Life Less Ordinary, A (1997)

Die Liebe, die Liebe ist eine Himmelsmacht. Nachdem sich «Trainspotting» vom Film zum Phänomen entwickelt hat, betreten Autor John Hodge, Produzent Andrew MacDonald und Regisseur Danny Boyle mit A Life Less Ordinary den Pfad der perfekten Liebe.


von Serge Zehnder


Fusionen zwischen zwei Firmen sind oft nichts im Vergleich zu Verbindungen zweier Menschen. Im Himmel herrscht deswegen mächtig dicke Luft. Der Erzengel Gabriel (Dauernebenrollenstar Dan Hedaya, «The Usual Supects», «Alien: Ressurection») beordert seine beiden Arbeitskollegen O'Reilly (Holly Hunter, «Crash», «The Piano») und Jackson (Delroy Lindo, «Get Shorty») auf die Erde, wo sie wenigstens ein Paar zusammenführen sollen, das so etwas wie eine Langzeitwirkung besitzt. Dummerweise handelt es sich dabei um den entlassenen Putzmann Robert (Ewan McGregor), der seinen Job an einen Roboter verloren hat, und die zickige Celine (Cameron Diaz), Tochter des Konzernchefs Naville (Ian Holm, «The Fifth Element»), der für Roberts Rausschmiss verantwortlich ist. Die Umstände, unter welchen Robert und Celine sich begegnen, werden darüberhinaus erschwert, da der Exil-Schotte das Gör entführt und dann auch noch unter dem konstanten Hagel von Celines besserwisserischem Gekrake zu leiden hat. Eine Mission, die selbst für die hartgesottensten Engel eine harte Nuss ist, zumal O'Reilly und Jackson bei Nichterfüllung ihres Auftrags für alle Ewigkeit auf der Erde bleiben müssen. Wenn das nicht Ansporn genug ist, dem Glück unter die Arme zu greifen.


Täter und Opfer gehen langsam auf Tuchfühlung

NATUR ANSTATT NADEL

Ja, es ist eine Drehung um 180 Grad, die das schottische Trio hier vollzog. Himmlische Einflüsse, würzige Dialoge, viel Herzschmerz und eine schöpferische Portion Romantik geben diesmal den Ton an. Anstelle von Edinburghs Gosse gibt's jetzt Natur aus der Umgebung von Salt Lake City. Haben Boyle und MacDonald das Angebot, den vierten Alien zu drehen, ausgeschlagen, sind sie zur Herstellung ihrer dritten Gemeinschaftsproduktion dennoch in den Staaten geblieben. Hodges Drehbuch, der zwischenzeitlich seiner einstigen Tätigkeit als Arzt nachgekommen ist, spielte zuerst in Grossbritannien und Frankreich. Erst mit dem Erfolg von Trainspotting nahm das Projekt grössere Dimensionen an und wurde auf die andere Seite des grossen Teichs verlegt. Laut den Machern nicht um Hollywood näher zu sein, sondern um irgendwelchen sprachlichen und räumlichen Barrieren zu entrinnen. Mag das «Setting» amerikanisch sein, der Stil bleibt nach wie vor britisch und eigenwillig.


Das Engel-Duo rückt vor

ALTBEKANNTES UND NEUGEWONNENES

So hat das Team auch auf grössere Neuerungen in Sachen Mitarbeiter verzichtet. Abgesehen von den namhaften U.S.-Schauspielern befinden sich hinter der Kamera sämtliche Mitglieder der bisherigen Projekte von Boyle, Hodge und MacDonald. Selbst ihr Zugpferd Ewan McGregor nimmt an der dritten Runde teil und darf zusammen mit Cameron Diaz durch das amerikanische Niemandsland pilgern. Überhaupt ist A Life Less Ordinary bis in die kleinsten Rollen perfekt besetzt. Neben den Obenerwähnten ist auch das «Big Night»-Koch-Duo Stanley Tucci und Tony Shaloub in kleineren Rollen zu sehen. Der Part Shaloubs fiel leider grösstenteils der Schere zum Opfer und deshalb ist sein Beitrag als Barbesitzer kaum bemerkbar. Dafür wird der Zuschauer mit einer wahrhaft übersinnlichen Chemie zwischen den beiden Hauptakteuren entschädigt. McGregor und Diaz, die mit jedem Film besser zu werden scheint, blühen durch Hodges Screwball Comedy-Dialoge richtiggehend auf. Zwar ist dieses ungewöhnliche Leben niemals so kompakt und temporeich wie die «echten» Lacher aus den 30er und 40er Jahren, aber das fällt kaum ins Gewicht. Wer nach dermassen viel exzellentem Zynismus eine solch wolkig-weiche Süssholzraspelei zustande bringt, darf nicht an den Vorbildern oder gar den Vorgängern gemessen werden. Was der Rat an alle sei, die beabsichtigen, den Highlanders die Treue zu halten. «Trainspotting» war cool, Zeit für was Neues.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Life Less Ordinary, A (1997)
Land:Grossbritannien
Genre:Liebesfilm
Bewertung:
 
Regie:Boyle, Danny
Drehbuch:Hodge, John (I)
Produktion:Hilliard, Margaret
MacDonald, Andrew (I)
Kamera:Tufano, Brian
Schnitt:Hirakubo, Masahiro
Ausstattung:Quinn, Kave
Kostüme:Fleming, Rachael
Besetzung:Brunson, Kitty
Byrd, Toni Lynn
Chaykin, Maury
Craven, Jayceen
Decker, Anne Cullimore
Diaz, Cameron
Dodds, K.K.
Gorham, Christopher
Gowdy, Chuck
Hanks, Jan
Hedaya, Dan
Holm, Ian
Hunter, Holly
Ivey, Judith
Kanig, Frank
Kellog, Robert
Lindo, Delroy
Martinez, Crystal
McGregor, Ewan
McNeice, Ian
Olyphant, Timothy
Schaub, Mary-Cristina
Shalhoub, Tony
Stephens, Duane
Stifel, David
Tucci, Stanley
Winkler, Mel
 
Länge:103 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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