Lost in Space (1998)

In den 60er Jahren flimmerte eine Sci-Fi-Soap mit dem vielversprechenden Namen «Lost in Space» über die Bildschirme der fernsehenden Vereinigten Staaten. Doch anstatt tatsächlich irgendwo im Universum verloren zu gehen, wurde sie von Drehbuchautor Akiva Goldsman (Batman) ausgegraben und auf die Leinwand gezerrt. Entstanden ist ein 70 Mio US$ teurer Abklatsch eines Stücks Zukunft von Gestern.


von Sven Schwyn - Web


Die Robinsons sind eine ganz normale Familie in einer genügend fernen Zukunft, in der Männer immer noch langweilig oder Machos, Frauen emanzipiert sind. Die Kleinen spielen zwar nicht mehr mit Game Boys, sondern bauen aus ausgeschlachteten Toastern Hochleistungsroboter zusammen ­ aber ansonsten ist eigentlich alles wie im ausgehenden 20. Jahrhundert geblieben.


Flicken, flicken, flicken... Lacey Chabert als görige Penny.

Sabotage

Nun ja, das einzige aussergewöhnliche Detail an den Robinsons ist vielleicht, dass die Familie als erste das Universum im Namen der Irdischen nach Alternativen zum blauen Planeten absuchen soll. Damit die bekanntlich nicht unbeachtlichen Distanzen in einigermassen brauchbarer Zeit überwunden werden können, reisen die Robinsons in einem mit entsprechendem technischem Schnickschnack beladenen Superraumschiff, der «Jupiter 2», pilotiert vom liebenswert-trampeligen Kampfpiloten Don West (Matt LeBlanc). Er ahnt nicht, dass neben John (William Hurt), Maureen (Mimi Rogers), Judy (Heather Graham), Penny (Lacey Chambert) und Will (Jack Johnson, Jared Harris) noch ein unfreiwilliger blinden Passagier an Bord ist: Dr. Smith (Gary Oldman), der den Schiffsroboter zur Kampfmaschine umprogrammiert und damit das Projekt sabotiert hat, dann aber von seinen Auftraggebern als Bauernopfer mit den Robinsons in den Untergang verreisen soll. Das Attentat misslingt und in der Folge finden sich die Robinsons verloren in der Tiefe des Univerum wieder.


Wieder mal so richtig gemein: Gary Oldman

Temporaler Eintopf

Gejagt von Weltall-Ungeziefer notlandet das Schiff schliesslich auf einem Planeten, der ein Paar ­ so würde Spock es wohl nennen ­ temporale Anomalien bereithält. Dass sie selber deren Urheber sind, finden die Robinsons erst viel zu spät heraus ­ doch was spielt das schon für eine Rolle bei temporalen Anomalien. Etwas im Zeit-Eintopf gerührt lässt sich schliesslich alles zu einem geseiften Happy-End zurechtbiegen. Und dann geht auch schon das Licht im Kinosaal an und man fragt sich...

Warum?

Warum bin ich in diesen Film gegangen? Am ehesten vielleicht, um die zahlreichen Spezialeffekte zu bewundern, Jurassic Park hoch zwei gewissermassen. Oder um Gary Oldman dabei zuzusehen, wie er den Prototyp des gerissenen und hinterhältigen Zukunftsbösewichtes auf seine eigene, charmante Art und Weise mimt, wie dereinst schon in The Fifth Element? Oder...? Tja, das war's dann auch schon. Denn darüberhinaus gibt es kaum Positives zu berichten. Die übrige Besetzung ist einigermassen ­ im Fall von William Hurt als Papa Robinson sogar beachtlich ­ misslungen. Das Drehbuch aus der Feder von Batman-Filmeschreiber Akiva Goldsman ist ein phantasieloses Melange aus bekannten Fragmenten, die über ein paar Zeitlinien gefaltet und danach irgendwie einem roten Faden entlanggeklebt wurden. Hat die ursprüngliche TV-Serie in den 80ern ein Revival erlebt als angestaubtes Relikt einer vergangenen Zukunftsvision, geht dies im vorliegenden Remake gänzlich abhanden. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens der Film Lost in Space auch wirklich verloren geht.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Lost in Space (1998)
Land:USA
Genre:Science Fiction
Bewertung:
 
Regie:Stephen Hopkins
Drehbuch:Akiva Goldsman
Produktion:Carla Fry
Mark W. Koch
Koproduktion:Tim Hampton
Kris Wiseman
Ausf. Prod.:Mace Neufeld
Robert Rehme
Richard Sapersten
Michael De Luca
Kamera:Peter Levy
Schnitt:Ray Lovejoy
Musik:Bruce Broughton
Ausstattung:Norman Garwood
Kostüme:Vin Burnham
Robert Bell
Gilly Hebden
Besetzung:Gary Oldman
William Hurt
Matt LeBlanc
Mimi Rogers
Heather Graham
Lacey Chabert
Jack Johnson
Jared Harris
Lennie James
Edward Fox
Mark Godard
June Lockhart
Marta Kristen
Angela Cartwright
 
Länge:130 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:SDDS
Prod.-firma:Prelude Pictures
Irwin Allen Productions
New Line Cinema
CH Verleih: Rialto Film


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