Lost World: Jurassic Park, The (1997)

Die Pause hat er sich redlich verdient: Nach dem Abräumer Jurassic Park und seiner künstlerischen Bestätigung mit Schindler's List nahm sich Steven Spielberg ein paar Jahre Zeit, um ein Studio aufzubauen und den Wust an Preisen einzuordnen. Jetzt schlägt er wieder zu ­ und gleich mit der Fortsetzung seines letzten Popcorn-Abenteuers. O-Ton Spielberg: «Das Publikum hat es so gewollt.»


von Serge Zehnder


65 Millionen Jahre liegen zwischen Mensch und Dinosaurier, 3 Jahre zwischen Jurassic Park und The Lost World. Sowohl für die natürliche als auch die Hollywoodsche Evolution ist dies eine beachtliche Zeit. Nachdem Michael Crichton die Fortsetzung seines Buches vor Jahren mit einer Rekordauflage publizierte, waren Spielberg und David Koepp bereits mit der Abfassung des Drehbuchs zur Filmversion beschäftigt, was an die Arbeitsweise Stanley Kubricks und Arthur C. Clarks zu 2001 erinnert, wo Skript und Roman ebenfalls gleichzeitig entwickelt wurden. Angesiedelt auf der «Isla Sorna» alias «Site B», wie sie von den Bossen des Konzernriesen «In-Gen», der den Aufbau des Parks bewerkstelligt hat, genannt wird, findet sich der Mathematiker Ian Malcolm (Jeff Goldblum) wieder unter den Riesenechsen ­ pardon «Vögeln», wie wir ja aus Teil 1 wissen.

Hier auf der Nachbarinsel wurden die Attraktionen für den zerstörten Park gezüchtet und grossgezogen, verständlich, dass noch irgendwelcher Produktionsabfall übriggeblieben ist. Gemeinsam mit seiner Freundin Sarah Harding (Julianne Moore), seiner schwarzen Tochter Kelly (Vanessa Lee Chester) und einer Reihe anderer Forscher begibt sich der Chaostheoretiker an den Ort, wo die Urzeit noch lebt. Ebenfalls auf der Insel ist ein Stosstrupp Grosswildjäger (unter ihnen Pete Postlethwaite), die angeführt von Peter Ludlow (Arliss Howard), dem gierigen Neffen von «Jurassic Park»-Iniziant John Hammond (Richard Attenborough in einer Gastrolle), den geklonten Tieren auf die Pelle rücken, um sie auf ein Areal in San Diego zu verfrachten.



Welcome to ILM-Park

Dass sich Steven Spielberg unter all den Projekten, die ihm offenstanden, ausgerechnet für die Fortsetzung seiner Version eines urzeitlichen Disneylands entschied, ist weniger verwunderlich als logisch. Durch den Aufbau seines DreamWorks-Studios war Spielberg auf eine kräftige Finanzspritze angewiesen, und da seine Mutterfirma Universal, die ihn seit seinen Anfängen hätschelte, noch einen letzten Streich vom Wunderkind erwartete, schien The Lost World der ideale Fluchtfilm zu sein, mit dem sich Spielberg aus der Obhut des Erdballs lösen könnte. Wen überrascht es da noch, dass es beim heutigen Stand der Computeranimation einen umwerfenden, aber keineswegs weltumstösslichen Arbeitsaufwand benötigte, um uns die vergessene Welt wieder ins Bewusstsein zu rufen. Stan Winston, der die Puppen entwickelte, und Dennis Muren von Industrial Light & Magic (ILM), dessen Aufgabenbereich unzählige Stunden vor dem Rechner umfasste, taten einmal mehr ihr Bestes, um dem Publikum das zu zeigen, was die Figur Attenboroughs seit jeher wollte: Dinosaurier nämlich.



Opium fürs Volk

Nichts ist mehr unmöglich, darunter fällt auch das unglaublich banale Drehbuch, mit dem Spielberg und Koepp sich an die Dreharbeiten machten. Zugegeben, wer will schon ein tiefschürfendes Drama oder komplexe Charaktere sehen, wenn gleich hinter dem nächsten Busch ein paar Dinosaurier lauern. Sieht man jedoch, mit welcher beschwingten Leichtigkeit es Spielberg bei Jurassic Park gelungen ist, die Moral des Romans in ein paar Dialogsequenzen beizubehalten, bei der Fortsetzung ein plakativer Ökoschluss lediglich ein Stücklein Umwelttoleranz vorschiebt, hält sich die Faszination über die perfekt animierten Prähistorianer in Grenzen. Diese und andere Patzer zeigen, wie sehr Spielberg sein eigner Herr sein will und The Lost World eine Auftragsarbeit ist, die nicht das Geringste tut, um dies zu verschleiern. Mag diese Ehrlichkeit und die zweifelhafte Qualität der Romanvorlage gewisse Punkte entschuldigen, so ist es dennoch eine herbe Enttäuschung mitzuerleben, wie lasch hier das Zelluloid heruntergekurbelt wurde. Sicherlich bekommt der zahlende Kinogänger das zu sehen, was er sehen will, und der Mann mit dem magischen Zauberstab benebelt auch ein weiteres Mal unsere Sinne, nur erkennt man bei dieser Vorführung den doppelten Boden so gut wie selten zuvor.


Mehr Hintergrundinfos über den Film!

Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Lost World: Jurassic Park, The (1997)
Land:USA
Genre:Actionfilm
Bewertung:
 
Regie:Spielberg, Steven
Drehbuch:Crichton, Michael
Koepp, David
Produktion:Curtis, Bonnie
Molen, Jerry
Wilson, Colin (II)
Ausf. Prod.:Kennedy, Kathleen
Kamera:Kaminski, Janusz
Schnitt:Kahn, Michael
Musik:Williams, John (II)
Ausstattung:Carter, Rick
Kostüme:Moore, Sue (II)
Besetzung:Attenborough, Richard
Goldblum, Jeff
Moore, Julianne
Postlethwaite, Pete
Stormare, Peter
 
Länge:134 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:DTS
Prod.-firma:Universal
CH Verleih: United International Pictures


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