Love and Death on Long Island (1997)

Tödliches Image


von Serge Zehnder


Einmal erfolgreich, ewig die gleiche Leier und das ohne Entrinnen. Jason Priestley kennt die Hölle des schauspielerischen Erfolgs nur zu gut. Der Teenie-Schwarm und James Dean-Aufguss aus «Beverly Hills 90210», der Denver-Clan Fassung für die unter 18jährigen ist mit seiner Rolle als Brandon zu Ruhm und Erfolg aufgestiegen. Etwas anderes kann er oder darf er in den Augen seiner Fans auch nicht sein. Priestley ist regelrecht ge(brand)mark, da hilft es auch nichts, dass er nebenbei einmal einen Berufskiller spielt wie in dem von Michael J. Fox produzierten rabenschwarzen Komödie «Cold Blooded», wo er beweist, dass viel mehr in ihm steckt als unter Palmen gut auszusehen. Regisseur Richard Kwietniowsky, auch nicht gerade ein einfach zu erinnernder Name, scheint Priestley's Dilemma verstanden zu haben. Nicht dass er ihm in Love and Death on Long Island eine vollkommen neue Rolle gegeben hätte; Priestley spielt auch in diesem herrlichen Kleinod von einem Film einen angehimmelten Teenie-Star. Nur wird im Gegensatz zu seinen Fernsehauftritten wird hier auf mehreren Ebenen gespielt.


De'Ath (Hurt) auf der Suche nach neuen Inspirationsquellen.

DIE AMERIKANISCHE MUSE

Einer seiner Fans ist der britische Schriftsteller Giles De'Ath (John Hurt), der bei einem zufälligen Kinobesuch das Gesicht sieht, in dem er prä-raphaelistische Züge entdeckt, die dem schon etwas älteren Herr ein neue Inspiration verschaffen. Auf der Suche nach seiner Muse reist De'Ath nach Long Island, wo Priestleys Figur Ronnie Bostock (ein Name der zum Himmel schreit) lebt, und der etwas verstaubte Literat mit den ihm unbekannten Wundern der Neuzeit bekannt gemacht wird. Wie einer von Ronnies Fans streunt De'Ath anfangs um den Wohnsitz herum. Ronnies Freundin Audrey (Fiona Loewi) ermöglicht es De'Ath nach einigen Anläufen, doch noch die Bekanntschaft seiner neugefundenen Obsession zu machen, um Ronnie zu erklären, welch tiefe Bedeutung (und welche Gefühle) er für den Schwarm hat.


Der Strand von Long Island.

MUT ZUR EHRLICHKEIT

Ohne jemals emotionale Berg-und-Talfahrten zu veranstalten, lässt Kwietniowsky seine beiden Hauptdarsteller langsam aufeinander auflaufen. Hurt, der in dem jungen Star eine poetische Qualität erkennt, und Priestley, der hier wohl einige seiner Gedanken, und wohl auch seine Akzeptanz bezüglich seiner Position in der Unterhaltungsindustrie hat einfliessen lassen, besitzen eine eigenartige Chemie, die nie ins Lächerliche oder Unglaubwürdige abdriftet. Und mag Priestleys Figur eher dumm sein, so darf das auf keinen Fall auf den Darsteller selbst übertragen werden, denn es gehört schon ein rechtes Stück Mut dazu, sich einzugestehen, dass man nie aus dem künslterlisch erfolglosen Teufelskreis ausbrechen wird, und dies auch noch auf der Leinwand zu verarbeiten. Beide Schauspieler liefern Exzellentes (von Hurt hat man eigentlich nichts anderes erwartet). Jeder bringt auf seine Weise, die sorgfältig erschaffenen Figuren, die auf dem Roman von Gilbert Adair basieren, zum leben.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Love and Death on Long Island (1997)
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Richard Kwietniowski
Drehbuch:Richard Kwietniowski
(nach einer Vorlage von Gilbert Adair)
Produktion:Steve Clark-Hall
Christopher Zimmer
Kamera:Oliver Curtis
Schnitt:Susan Shipton
Musik:Richard Grassby-Lewis
The Insects
Ausstattung:David McHenry
Kostüme:Andrea Galer
Besetzung:John Hurt
Jason Priestley
Fiona Loewi
Sheila Hancock
Maury Chaykin
Gawn Grainger
 
Länge:103 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:British Broadcasting Corporation (BBC)
British Screen
Nova Scotia Film Development Corporation
The Sales Company
Imagex
Mikado Films
Arts Council of England
Skyline Films
Téléfilm Canada
CH Verleih: Frenetic Film


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