Maboroshi no hikari

>>"Ob er in jener Nacht auch Maboroshi sah?" Todesschatten und Lebensfunken in stetiger Aufruhr hinter der Fassade des Alltags.<<

(Hirokazu Kore-Eda)


Als kleines Kind verliert Yumiko (Makiko Esumi) ihre Grossmutter, die alsbald als Reinkarnation in Gestalt von Ikuo (Tadanobu Asano) wieder in ihr Leben tritt. Jahre später heiraten die beiden. Doch kurz nachdem der erste Nachwuchs das Licht der Welt erblickt, passiert das Unfassbare: Ikuo begeht Selbstmord.


These were better days, baby.
Makiko Esumi und Tadanobu Asano

Warum?

Fünf Jahre nach dieser schwarzen Nacht beschliesst Yumiko, die Stadt zu verlassen und auf Vermittlung von Nachbarin und Mutter in ein kleines Dorf am Meer zu ziehen, um dort den Witwer Tamio (Takashi Naito) zu ehelichen. Es scheint, als hätte ihr Schmerz nach all den Jahren nachgelassen. Ja, es huscht sogar ab und zu ein Lächeln über ihr Gesicht. Doch der Schein trügt: Als sie für die Hochzeit ihres Bruders in die Stadt zurückkehrt, holt sie die Vergangenheit ein. Nicht der Tod an sich ist so unfassbar, vielmehr lässt die omnipräsente Frage nach dem Warum die Erinnerung immer wieder von neuem aufflammen lässt.

Die Geschichte ist einfach, einfach und doch unendlich kompliziert. Was braucht es, um zu vergessen? Als mit dem Tod Ikuo das Lachen Yumikos hinter einem grauen Schleier verschwindet, schleicht eine der latentesten Urängste überhaupt durch den Kinosaal. It could happen to you, es könnte dir passieren. Doch darum geht es gar nicht, dieses unwohle Gefühl bereitet nur den Boden, auf dem die subtil schönen Bilder von Regisseur Hirokazu Kore-Eda gedeihen. Die Kamera scheint erstarrt wie Yumiko selbst. Kaum einmal folgt das Auge der Kamera den Geschehnissen, höchstens vielleicht, um den noch so unschuldig spielenden Kindern folgen zu können. Doch auch das betont im Kontrast die Paralyse der Protagonistin nur umso mehr.

Warum bloss...? Makiko Esumi
Die vielen Facetten des Lebens, die Miyamoto Teru in der Romanvorlage als Nebencharakteren einflechtet, finden sich auch im Film Maboroshi no hikari wieder. Die scheinbar "unsterbliche" Fischerin des Dorfes etwa, eine Freundin zwar, die aber mit ihrer Lebenskraft Yumiko von neuem in die Ecke treibt: Warum bloss hat er sich umgebracht? Erst ganz zum Schluss des Filmes spricht Yumiko die Frage laut und deutlich aus. Versöhnlich ist die Antwort ­ nein, Antwort ist es keine, dass würde Teru sich nicht anmuten; ein Wink vielleicht, ein Blick hinter den Horizont, ein Hoffnungsschimmer.

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Titel:Maboroshi no hikari (Das Licht der Illusion)
Genre:Studiofilm
Bewertung:****.
Länge:110 Minuten
Regie:Hirokazu Kore-Eda
Drehbuch:Yoshihisa Ogita (nach einer Novelle von Teru Miyamoto)
Produktion:Naoe Gozu
Kamera:Masao Nakobori
Musik:Chen Ming-Chang
Besetzung:Makiko Esumi
Takashi Naito
Tadanobu Asano
Goki Kashiyama
Technik:35mm, 1:1.85 (Vistavision), Farbe
Verleih:trigon


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