Mars Attacks!

Die kleinen Grünen vom roten überfallen den blauen Planeten. Nach diesem so farbenfrohen wie altbekannten Strickmuster entwarf Tim Burton die Science-Fiction-Komödie «Mars Attacks!», bei der es einem trotz der geballten Ladung Slapstick und Spezialeffekte nie zu bunt wird.



Krisensitzung im Weissen Haus: Bilder vom Hubble-Teleskop künden eine Armada von marsianischen Raumschiffen an, die in wenigen Stunden die Erde erreichen würden. Astronomische Einschaltquoten und viele dankbare Wählerstimmen witternd, lässt US-Präsident Dale (Jack Nicholson) seine zähneknirschenden Militärköpfe links liegen und statt dessen den roten Teppich ausrollen.


Wattn dattn?

«Don't flee, we're your friends!»

Doch was da aus den fliegenden Untertassen klettert, ist ­ man mag es kaum für möglich halten ­ noch schiesswütiger und heimtückischer als die Menschen. Wie ein Rudel tollwütiger Teenager verdampfen die Marsianer alles, was ihnen vor die Flinte läuft. Weder Atombomben noch die tränenrührige Diplomatie des Präsidenten ­ «We will soon come out at a very real ­ outcome!» ­ können sie aufhalten. Die Invasion wäre perfekt, fänden nicht Richi (Lukas Haas) und seine Oma (Sylvia Sidney) durch Zufall ein äusserst effektives Gegenmittel, das für einmal mit Viren nichts zu tun hat.


Geknister zwischen den Laserbeams:
Pierce Brosnan und Sarah Jessica Parker

Bauchlandung in Amerika

Regisseur Tim Burton hat mit Filmen wie «Beetlejuice» oder «The Nightmare Before Christmas» längst sein Gespür für schräge Geschichten unter Beweis gestellt. Die Inspiration zu «Mars Attacks!» fand er in Sammelbildchen, die Topps 1962 ihren Kaugummis beipackte (Skizze von Tim Burton). Damals mussten diese, ihrer zu expliziten Art wegen, schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Verkehr gezogen werden, erlebten jedoch kürzlich ein Revival. Die Karten auf dem Tisch und Sci-Fi-Filme der 50er im Hinterkopf, entwarfen Burton und Jonathan Gems eine einfache Invasionsgeschichte, ausgeschmückt mit einem wohldosierten Feuerwerk witziger Details und Dialoge. Dass im Verlauf der Marsianerattacke vom Kongress über den Präsidenten bis zum Militär nahezu alle Institutionen terminiert werden, war dem amerikanischen Publikum dann aber doch zuviel der Selbstironie und es liess den Film entsprechend durchfallen. Geballter Nationalstolz wie in Emmerichs Independence Day war da schon eher gefragt.


Paul Winfield als argloser Militärkopf.

Sterne und Ausserirdische

Für sein Projekt konnte Burton gleich eine ganze Reihe bekannter Namen gewinnen. Jack Nicholson etwa, der nebst Präsident Dale auch noch den schmierigen Las Veganer Art Land spielt. Oder Glenn Close, Annette Bening, Pierce Brosnan, Danny DeVito, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox und andere, die sich auch für kleinere Rollen nicht zu schade waren. Nicht zuletzt gönnt sich Tom Jones as himself eine gehörige Portion Selbstironie und verpasst dem Streifen mit seinem «It's not Unusual» den letzten Schrill. Den Kaugummibildchen schliesslich hauchen die kreativen Köpfe von George Lucas' «Industrial Light & Magic» Leben ein. In nicht weniger als 120 Einstellungen treiben die Giftzwerge ihr Unwesen und setzten dabei ein ganzes Arsenal von skurrilen Apparaten ein. Für die Attacke auf Las Vegas jagten die Filmemacher gar das auf den Abriss wartende Landmark-Hotel filmgerecht in die Luft. Fazit: Ein unterhaltsames Spektakel mit allem, was das Genre zu bieten hat, wartet auf euch, die ihr den Unkenrufen kein Ohr leiht.

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Titel:Mars Attacks!
Genre:Komödie
Bewertung:*****
Länge:106 Minuten
Regie:Tim Burton (The Nightmare before Christmas, Beetlejuice, Batman)
Drehbuch:Jonathan Gems
Produktion:Tim Burton, Larry Franco
Kamera:Peter Suschitzky
Musik:Danny Elfman
Besetzung:Jack Nicholson (Easy Rider, One Flew Over the Cuckoo's Nest, Batman)
Glenn Close (Dangerous Liaisons, Mary Reill, 101 Dalmatians)
Annette Bening (The American President, Richard III)
Pierce Brosnan (007: Golden Eye, The Mirror Has Two Faces, Dante's Peak)
Danny DeVito (Batman, Twins, One Flew Over the Cuckoo's Nest)
Technik:Cinemascope
Verleih:Warner Bros.

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