Meet Joe Black (1998)

Auch die mächtigste aller Mächte, vor der sich kein Mensch retten kann, will einmal wissen wie es ist, ein Mensch aus Leib und Seele zu sein. Martin Brest («Beverly Hills Cop», «Scent of a Woman») schickt den Tod in unsere Welt.


von Serge Zehnder


Ingmar Bergmann ist grösstenteils dafür verantwortlich, wie wir uns (zumindest im Kino) den Tod vorstellen: die schwarze Kutte, die Sense als Attribut, bleich und ziemlich furchteinflössend. Seit seinem «Siebenten Siegel», das natürlich auch stark von den Bildern des «düsteren» Mittelalters beeinflusst ist, waltet der Tod als endgültiger «Abholer», der seine Liste mit sich führt und buchhalterisch die armen Seelen ins Jenseits begleitet. Für die ausgehenden neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts funktioniert dieses Bild kaum noch. Esoterik, Aufklärung und vorherrschender Zynismus sorgen bei einer solchen Vorstellung eher für Amüsement als für Besorgnis. Lose basierend auf dem Streifen «Death Takes a Holiday» von 1934 entstand in jahrelanger Arbeit und über mehrere Drehbuchautoren und unzählige Fassungen hinweg eine moderne Fabel über die Beziehung zwischen Mensch und Tod.


Nicht gerade erfreut ist Parrish (Hopkins) was der Tod (Pitt)...

TOD IN ARMANI

Fabel ist vielleicht ein bisschen zu stark ausgedrückt, zumal das Gewicht der Geschichte klar eine simple «Boy-Meets-Girl»-Liebesgeschichte ist, die ihren Reiz dadurch erhält, dass der «Boy» der Tod persönlich ist. Aussgestattet ist der Grenzgänger mit dem Körper Brad Pitt's. Eine Unendlichkeit lang hat der Tod dafür gesorgt allen Menschen den Weg in die nächste Welt zu zeigen und will nun einmal selbst erfahren, was es mit unserem für kosmische Verhältnisse kurzen Dasein auf sich hat. Zu diesem Zweck tritt er in das Leben des Medien-Tycoons William Parrish (Anthony Hopkins), der nicht nur bald das Zeitliche segnen soll, sondern auch nach bestimmten Grundsätzen lebt, welche den Tod stark beeindruckt haben. Parrish, der zuerst versucht, die Tatsache seines bevorstehenden Ablebens zu ignorieren, lässt sich auf die unabwendbare Situation ein und gewährt Joe Black, wie der Tod genannt wird, eine Führung durch den Alltag eines Grossindustriellen. Das Kosten von Erdnussbutter und anderen Speisen werden für Joe genauso zum Abenteuer wie das Entdecken von Gefühlen, die er gegenüber Parrishs Tocher Susan (Claire Forlani) entwickelt, und dadurch den Zorn des todgeweihten Vaters auf sich lädt.


...mit seiner Tochter Susan (Forlani) treibt.

ROMANTIK IM HOCHGLANZFORMAT

Martin Brest ist ein Seltenheitsfilmer, seit seinem Abschluss an der Filmschule hat er gerade mal fünf Filme gedreht. «Beverly Hills Cop» und «Scent of a Women» gehören zu seinen Erfolgreichsten, «Midnight Run» bleibt jedoch sein bester. Alle seine Filme sind Zeugnisse eines äusserst scharfsinnigen Führers von Schauspielern, der das Unterhaltungselement nie über die Tiefe seiner Figuren stellt. Meet Joe Black basiert auf demselben Konzept und lebt wie schon seine vorangegangen Filme von einer simplen Grundidee. Dank des einfachen Plots besteht die Freude des Zuschauers darin, den Veränderungen der Figuren zuzuschauen, die hier besonders bei Hopkins eine markante Entwicklung durchmachen. Daneben ist es besonders die sprühende Chemie zwischen Pitt und Forlani, die dem Zuschauer das Gefühl von Zufriedenheit und «Taschentücher»-Traurigkeit vermittelt, was hier für einmal nicht abwertend gemeint ist. Wunderschön gefilmt von Emanuel Lubezki (The Birdcage) und ohne aufgesetzte Moral besitzt Meet Joe Black einen sehr ruhigen Fluss, der zwar die drei Stunden Laufzeit spüren, aber nie öde erscheinen lässt. Eine wohltuende Portion Balsam fürs Gemüt zum Jahresanfang.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Meet Joe Black (1998)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Martin Brest
Drehbuch:Bo Goldman
Ron Osborn
Jeff Reno
Kevin Wade
Produktion:Martin Brest
Koproduktion:David J. Wally
Ausf. Prod.:Ronald L. Schwary
Kamera:Emmanuel Lubezki
Musik:Thomas Newman (I)
Ausstattung:Dante Ferretti
Kostüme:Aude Bronson-Howard
Besetzung:Anthony Hopkins
Brad Pitt
Marcia Gay Harden
Jeffrey Tambor
Jake Weber
 
Länge:178 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Universal City Studios Productions, Inc.
City Light Films
CH Verleih: United International Pictures


[ Homepage ]
Copyright © 1998 United International Pictures (Bilder)
Copyright © 1996-1997 CineNet (Text)