Mighty Joe Young (1998)

Ein riesiger Affe, der eine amerikanische Grossstadt in Angst und Schrecken versetzt. Haben wir das nicht schon einmal gesehen? Ja, haben wir. Und zwar schon mehrmals. Doch Gorilla Joe ist erstens kein weiterer King Kong und zweitens ein besserer Schauspieler als seine menschlichen Kameraden.


von Marc Mair-Noack


Mitten im idyllischen Dickicht der Pangani-Berge in Zentralafrika darf die kleine Jill dabeisein, wenn ihre Mutter, wie einst Dian Fossey, akribisch das Leben einer Herde Gorillas erforscht. Die friedvolle Mutter-Tochter-Affe-Beziehung funktioniert, bis eines Tages eine Gruppe schiesswütiger Wilderer unter der Leitung von Grosswildjäger Strasser (Rade Serbedzija) das Gebiet betreten und die wertvolle Herde aufspürt. Jills Mutter kommt bei deren Verteidigung ebenso ums Leben wie ein Gorillaweibchen, so dass Jill wie auch das junge Affenbaby Joe plötzlich als Waisenkinder dastehen. 12 Jahre später lebt die schöne Jill (Charlize Theron) immer noch im afrikanischen Eingeborenendorf und behütet ihren Gorilla-Freund Joe, der inzwischen zu einem viereinhalb Meter hohen Koloss herangewachsen ist. Der amerikanische Zoologe Gregg (Bill Paxton) kann Jill davon überzeugen, dass der Affe wegen den herumlungernden Wilderern in einem Reservat bei Los Angeles besser aufgehoben ist. Dort wird der riesenwüchsige Primat natürlich schnell zum Medienereignis, doch als der bitterböse Strasser Interesse an Joe in Einzelteilen zeigt, gerät die Lage etwas ausser Kontrolle.


Gorilla Joe und Gregg (Bill Paxton) pflegen eine nicht ausschliesslich liebevolle Beziehung.

Darstellerische Schwächen

Im Remake des gleichnamigen Klassikers von 1949 sollte ­ bei einem viereinhalb Meter hohen Ungetüm in der Hauptrolle ­ natürlich ein besonderes Augenmerk auf die Special Effects gelegt werden. Mit Maskenexperte Rick Baker ­ der schon die Affen in «Greystoke: The Legend of Tarzan» und «Gorillas in the Mist» konstruiert hatte ­ wurde dafür augenscheinlich der richtige Mann eingesetzt. Der beeindruckende Gorilla Joe besitzt neben seiner starken physischen Präsenz auch schauspielerische Qualitäten, die man in diesem Film ansonsten vergeblich sucht. Charlize Theron, gerade erst in «The Devil's Advocate» glücklich dem Teufel entronnen, scheint sich mehr auf ihr Äusseres als auf ihre mimische Begabung zu verlassen und spielt die naive Dschungelfrau Jill ebenso lieb wie langweilig. Passend dazu agiert auch Bill Paxton («Twister») als der nette Zoologe von nebenan, dem man durchaus ein Herz für Tiere abnimmt, jedoch den vorgezeigten Heldenmut nicht wirklich zutraut. Besonders einfach macht es sich auch Rade Serbedzija, der seine Interpretation des Bösewichts Strasser auf einen fanatischen Blick und osteuropäischen Akzent beschränkt. Der gebürtige Kroate konnte jedoch schon mehr als nur grimmig schauen, und wird dies sicher auch diesen Sommer beweisen, wenn er in Stanley Kubricks «Eyes wide shut» agiert.


Auf dem Hollywood-Boulevard ist der Affe los.

Voraussehbare Handlung

Vielleicht liegt die Unlust der Schauspieler auch im laschen Drehbuch begründet, so dass die Mimen sich zu einem reinen Dienst nach Vorschrift entschlossen. Was Regisseur Ron Underwood («City Slickers») beabsichtigt hatte, war durchaus redlich: «Eine kraftvolle Geschichte, ein Action-Abenteuer mit Herz». Das reichhaltige Repertoire an Platitüden im Drehbuch machte dem frommen Wunsch aber bald ein Ende. Wirkliche Spannung kommt selbst in der Verfolgungsjagd des Riesenaffen durch L.A. nur selten auf, und die Liebelei zwischen Jill und Gregg verläuft seltsam emotionslos. Der arme Joe kann für all diese Mängel aber nichts. Doch auch wenn er sich noch so forsch am berühmten «Graumans Chinese Theater» oder an den dicken Hollywood-Lettern über der Stadt hochangelt, zur Leinwandlegende wird er es so leider nicht schaffen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Mighty Joe Young (1998)
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Ron Underwood
Drehbuch:Merian C. Cooper
Ruth Rose (I)
Mark Rosenthal
Lawrence Konner
Produktion:James Chory
Ted Hartley
Tom Jacobson
Mark Lisson
Jackie Rubin
Gary Stutman
Ralph Winter
Koproduktion:Michael Fottrell
Ausf. Prod.:Gail Katz
Kamera:Donald Peterman
Oliver Wood
Schnitt:Paul Hirsch
Musik:James Horner
Ausstattung:Michael Corenblith
Kostüme:Molly Maginnis
Besetzung:John Alexander (II)
Naveen Andrews
Geoffrey Blake
Mika Boorem
Christian Clemenson
Peter Firth
Deborah Kellner
Regina King
Lily Mariye
Terry Moore (I)
Bill Paxton
David Paymer
Lawrence Pressman
Linda Purl
Richard Riehle
Rade Serbedzija
Charlize Theron
Tracey Walter
Robert Wisdom
Cynthia Allison
Bethany Bassler
John Bower
Larry Brandenburg
Cory Buck
Vicki Davis
Jenilee Deal
Matt Deal
Flo Di Re
Janet Eilber
Tony Genaro
Liz Georges
Theodore R. Hartley
Laurie Kilpatrick
Neil Kopit
Damien Leake
Richard McGonagle
Dina Merrill
Judson Mills
Marguerite Moreau
Wiley M. Pickett
Kaylan Romero
Hernan Ruiz
Hannah Swanson
Ken Taylor (II)
Reno Wilson
 
Länge:114 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Walt Disney Productions
RKO Radio Pictures Inc. [us]
CH Verleih: Buena Vista


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