Moll Flanders

...hat ihre Mutter nie kennengelernt. Auf die Welt kam sie in einem Gefängnis im London des 18. Jahrhunderts als Frucht einer Vergewaltigung. Vor ihr liegt ein Leben scheinbar ohne Perspektiven und Chancen.



Nach Jahren findet Hibble (Morgan Freeman) endlich Flora (Aisling Corcoran), die Tochter von Moll Flanders (Robin Wright), nach der er im Auftrag seiner Mentorin gesucht hat. Auf dem Weg zu dieser ominösen Person liest Hibble aus den Molls Memoiren.


Immer Ärger mit Flora

"When a man's prick goes hard..."

Nach einem kurzen Gastspiel bei einer wohlhabenden Familie und deren verzogenen Töchtern landet Moll bei Mrs. Allworthy (Stockard Channing), die ein mehr oder minder nobles Freudenhaus mit eiserner Faust leitet. Geblendet vom falschen Reichtum rutscht Moll in das Millieu, stürzt aber, nachdem sie einen Augenblick lang das Monster in ihrem vermeintlichen Vorbild Allworthy hervorzwinkern sehen hat, in ein schwarzes Loch. Ein namenloser Künstler (John Lynch) erbarmt sich schliesslich ihrer und "mietet" sie als Aktmodell für seine Studien. Die beiden verbindet eine eigentümliche Bande, die nachdem Moll von aufgebrachten Freiern brutal zusammengeschlagen wird, in Liebe umschlägt. Trotz dem gewaltigen sozialen Unterschied erlebt Moll zum ersten Mal eine bedingungslose und nicht von der Lust diktierte Liebe. "Gott muss einen doofen Sinn für Humor haben, wenn er Männern so einen Stöpsel gibt und uns die Lust darauf." Bald schon kündet sich Nachwuchs an.


Moll trifft die Teufelin

"...his mind goes soft."

Doch das Glück währt nur kurz: Der Künstler erkrankt an den tückischen Windpocken und stirbt kurze Zeit später. Für Moll bricht die Welt zusammen, um sich und ihrer Tochter das Überleben zu sichern muss sie sich gar von den schönsten Erinnerungen an ihn, seinen Bildern, trennen. Und das Schicksal schlägt noch erbarmungsloser zu: Ein aufgebrachter Mob bezichtigt Moll des Diebstahls und nur durch das plötzliche Auftauchen der wiederauferstandenen Mrs. Allworthy entgeht sie der Lynchjustiz. Aber die Teufelin macht nicht umsonst. Sie ist gerade dabei, in die Neue Welt überzusetzen und schleift Moll rücksichtslos mit. Dass sie dabei ihr Kind zurücklassen würde, stört sie nicht im geringsten. Hibble versucht zwar noch, die kleine Flora zu finden, als es ihm aber nicht gelingt läuft das Schiff aus und trennt Mutter und Tochter scheinbar endgültig. Nicht genug: Das Schiff gerät in einen Sturm, läuft auf ein Riff und sinkt.

An dieser Stelle enden die Memoiren und auch die Reise von Hibble und Flora. Jetzt ist es an der Zeit, dass Flora die ominöse Mentorin kennenlernt. Wer könnte das sein? Beim Schiffsunglück gab es gerade zwei Überlebende und Hibble ist einer davon. Einmal raten müsste genügen.


Moll und Hibble
Daniel DeFoes Romanvorlage ist geradezu prädestiniert für eine Verfilmung, und die vermag in diesem Fall auch wirklich zu überzeugen. In mal abgrundtief schwarzen, mal leuchtend schönen Bildern erzählt Pen Densham vom mitreissenden Schicksal einer Frau in einer Zeit, da Frauen kaum Chancen hatten. Robin Wright gibt der ungebildeten und abgestumpften Moll Flanders eine charakterliche Dimension, die dieser Rolle unbedingt zustehen muss. Ihr verdankt dieser Film seine Glaubwürdigkeit und Stärke.

Auch das Drumherum ist gut gelungen. Mark Mancinas Filmmusik passt genauso gut ins 18. Jahrhundert wie die Kostüme von Consolata Boyle oder das Production Design von Caroline Hanania. Da kann man auch bei einem so zuckersüssen Schluss mal ein Auge zudrücken.

Sven Schwyn

Angaben zum Film



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