Mossane

zwischen Tradition und Emanzipation



"Die Situation der Afrikanerinnen", so die Regisseurin Safi Faye, "ist nicht mehr nur eine Frage des Gegensatzes zwischen den feudalistischen Traditionen und dem Ruf nach Moderne. Für Mossane und Millionen anderer Mädchen bedeutet es nicht weniger als wirtschaftliche Erpressung."


"Die Schönheit"

... heisst in der Sprache der Serer "Mossane". Ebenso heisst die Protagonistin (Magou Seck), die mit ihrem bezaubernden Aussehen irgendwo in Afrika ihr ganzes Dorf ­ und besonders dessen Patriarchen ­ aufwühlt. Traditionsgemäss ist sie schon seit ihrer Geburt einem Ehemann versprochen, der jedoch ins ferne Frankreich emigriert ist und dort offenbar zu Reichtum gekommen ist. Die Freude von Mossanes Eltern (Isseu Niang und Moustapha Yade) ist denn auch gross, als der goldige Schwiegersohn per Brief mitteilen lässt, er wolle seine Frau jetzt heiraten. Mossane, die heimlich in den mittellosen Studenten Fara (Alioune Konare) verliebt ist, sieht sich plötzlich inmitten eines unüberwindbaren Konflikts.


Männersache

Unterm Rad

Die Regisseurin Safi Faye modelliert in ihrem dritten Spielfilm ein Dilemma, in dem sich viele junge Frauen in Afrika befinden. Ihr Leben wird weitgehend von den Eltern vorbestimmt und gelenkt, während ihre Brüder frei von solchen Zwängen aufwachsen. Die Kinder sollen dereinst die Eltern im Alter unterstützen können: Die Söhne durch ihre Ausbildung und die Töchter durch eine gute Hochzeit. Diese starren Traditionen müssen zwangsläufig mit der keimenden Emanzipation der Frauen kollidieren. Mossane stellt sich dagegen, sagt "Nein". Zuerst zögernd, doch mit der Auswegslosigkeit ihrer Situation steigt auch ihr Mut zur Rebellion. Doch gegen die Allmacht ihres Schicksals kann sie letzlich nicht ankommen und geht ­ wie es die Legende vorgibt ­ daran zu Grunde.


Innerer Kampf

Der Kampf zwischen Tradition und Emanzipation findet in erster Linie in Mossane selbst statt und tritt mal hier, mal da in einer plötzlichen Eruption zu Tage. Mit entsprechend schlichten Mitteln versucht Safi Faye denn auch, zwischen unserer Welt und derjenigen von mystischen Gestalten (den Pangoos oder dem kleinen Bettler) eine Brücke zu schlagen und visualisiert damit den Begriff "Tradition".

Die Schwächen des Films liegen weniger in den Bildern, denn in den Dialogen. Zu ruhig plätschern diese vor sich hin, egal in welcher Gemütslage sich Mossane gerade befindet. Diese Indifferenz wirkt für ein 14-jähriges Mädchen auch unter diesen Umständen nicht gerade glaubhaft. Hier hätte dem Film ein kleines Bisschen mehr Dramaturgie sicher nicht geschadet.

Trotzdem, wer sich für die gesellschaftlichen Probleme des Schwarzen Kontinents interessiert und nicht pure Unterhaltung sucht, wird in Mossane auf ihre oder seine Kosten kommen.

Sven Schwyn

Angaben zum Film

Titel:Mossane
Genre:Studiofilm
Bewertung:***. .
Länge:ca. 90 Minuten
Regie:Safi Faye
Drehbuch:Safi Faye
Produktion:Muss Cinématoraphie Dakar
Kamera:Jürgen Jürgens
Musik:Yandé Codou Scène
Besetzung:Magou Seck
Isseu Niang
Moustapha Yade
Abou Camara
Allioune Konare
Verleih:trigon


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