Mr. Magoo (1997)

Mr. Magoo hat eine Sehschwäche, genauer genommen, ist er beinahe blind, und dennoch meistert er alle Situationen in die er stolpert.


von Thomas Hunziker


Auf der ganzen Welt kennt man ihn, den äusserst liebenswerten glatzköpfigen Greis, der, ebenso unbelehrbar wie tolpatschig, von einer höchstgefährlichen Situation in die nächste stolpert. Es ist den Disney-Studios vermutlich kein Vorwurf zu machen, dass sie versuchten die Popularität des kleingewachsenen Millionärs zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen, um aus der Vorlage der kurzen Cartoons einen «familiengerechten» Hollywood-Komödie zu basteln. Wenn man sich jedoch das fertige Endprodukt ansieht muss man sich fragen, ob bei der Herstellung auch Drehbuchautoren beschäftigt waren, oder ob die Produzenten lediglich den Regisseur beauftragten, die haarsträubensten Szenen aus den Cartoons zu einem abendfüllenden Spielfilm zusammenzusetzen. Aus dem üppigen Angebot an Familienfilmen sticht Disneys Mr. Magoo als schlechtes Beispiel heraus. Offensichtlich versucht der Mäusekonzern die Konkurrenz durch zahlreiche billige Massenproduktionen vom Markt zu verdrängen.

Die Jagd nach dem roten Rubin

Die Handlung ist ziemlich rasch erzählt: Der kurzsichtige Multi-Millionär Mr. Magoo (Leslie Nielsen, The Naked Gun) unterstützt ein Naturhistorisches Museum finanziell, und hält deshalb, aus Anlass der Spezialausstellung eines riesigen Rubins, zur Eröffnung eine Rede. Doch noch am selben Abend steigt ein Gaunerpäarchen in das Museum ein und versucht den Rubin zu entwenden. Mr. Magoo, der während der Eröffnung eine Verwirrung anstiftete und dabei selbst verlorenging, verhindert jedoch den Diebstahl und gerät, ohne es zu bemerken, selber in den Besitz des Rubins. In der Folge versuchen sowohl die Einbrecher, als auch ein ungleiches CIA/FBI-Agententeam herauszufinden, wo Mr. Magoo den Rubin versteckt hält. In der Folge entwickeln sich zahlreiche wilde Verfolgungsjagden, in denen die Verfolger meist noch ahnungsloser aussehen, als der bereits ziemlich dusselige Mr. Magoo.

Akrobatik und Komödie

Regisseur Stanley Tong durfte zuvor die beiden Jackie Chan-Filme Rumble in the Bronx und First Strike inszenieren und bewies dabei seine Fähigkeit, atemberaubend Aakrobatische Action-Sequenzen kraftvoll in Bilder umzusetzen. Im Gefüge des amerikanischen Studiosystems scheint sich Tong jedoch nicht sonderlich wohl zu fühlen. Selbst die rasantesten Verfolgungsjagden wirken lasch und irgendwie gehemmt. Leslie Nielsen in der Titelrolle kann der Figur nicht dieselbe Leichtigkeit verleihen, wie sie die Cartoon-Figur ausstrahlte, sondern wandelt ähnlich tolpatschig durch die Szenen, wie zuvor bereits in anderen Slapstick-Komödien Marke The Naked Gun oder Spy Hard. Als Nebendarsteller liessen sich u.a. Ernie Hudson (The Hand that Rocks the Cradle), Kelly Lynch (Drugstore Cowboy) und der wenig bekannte, aber dafür umso häufiger gesehene Stephen Tobolowsky (Groundhog Day, Basic Instinct) sowie Malcolm McDowell (Clockwork Orange) engagieren, die allerdings allesamt ziemlich verloren wirken in ihren Rollen. Am Ende fragt man sich was das ganze sollte, und hofft auf bessere Produktionen aus dem Hause Disney.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Mr. Magoo (1997)
Land:USA
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Stanley Tong
Drehbuch:Pat Proft
Tom Sherohman
Produktion:Ben Myron
Koproduktion:Justis Greene
Ausf. Prod.:André E. Morgan
Robert L. Rosen
Kamera:Jingle Ma
Schnitt:Michael R. Miller
Stuart H. Pappé
David Rawlins
Musik:Michael Tavera
Ausstattung:John Willett (II)
Kostüme:Tom Bronson
Besetzung:Nick Chinlund
Miguel Ferrer
Jennifer Garner
Ernie Hudson
Matthew Keeslar
Kelly Lynch
Malcolm McDowell
Leslie Nielsen
Stephen Tobolowsky
 
Länge:87 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Walt Disney Pictures
CH Verleih: Buena Vista


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