Mrs. Dalloway (1997)

Nach ihrem Meisterwerk Antonia's Line versucht sich die niederländische Regisseurin Marleen Gorris an der Verfilmung des 1925 erschienenen Romans Mrs Dalloway der wohl berühmtesten britischen Autorin Virginia Woolf.


von Sven Schwyn - Web


Die oberflächlich gesehen unspektakuläre Geschichte beschreibt in Erinnerungen das Leben von Clarissa Dalloway. (Die ergraute Clarissa wird gespielt von Vanessa Redgrave, die junge von Natascha McElhone.) Während Clarissa eine ihrer berühmten Parties organisiert, trifft sie immer wieder auf Orte, Gegenstände und Leute, die Momente ihrer Erinnerungen aufblitzen lassen. Damals. Vor drei Jahrzehnten, in der Blüte ihres Lebens, gemeinsam mit ihren Freunden, dem Liebhaber Peter Walsh (ergraut: Michael Kitchen, jung: Alan Cox) und der ungewöhnlich lebendigen Freundin Sally Seton (ergraut: Sarah Badel, jung: Lena Headey). Umworben und geliebt wurde sie, bis eines Tages Richard Dalloway (ergraut: John Standing, jung: Robert Portal) auftaucht und ihr Leben eine spektakuläre Wende nimmt.


Damals (Natascha McElhone) ...
Richard ist im Gegensatz zu Clarissas Freundeskreis ein ruhiger und bedachter Mensch, liebenswürdig, aber doch etwas spiessig. In seiner Person findet Clarissa eine Ruhe und Sicherheit, die sie sich für ihr Leben wünscht. Doch jetzt, 30 Jahre später, taucht in ihrem Kopf immer wieder dieselbe Frage auf: warum? Wie hätte wohl mein Leben ausgesehen, hätte ich damals nicht Richard, sondern Peter, der später in eine Kolonie ausgewandert ist, geheiratet? Habe ich jemals gelebt? Soll ich jetzt leben? Die Autorin Virginia Woolf beantwortet diese Fragen nicht, sie stellt vielmehr mit einzelnen Steinchen ein Mosaik zusammen, das einen Einblick in die verwirrte Persönlichkeit von Mrs Dalloway bietet.


... und heute (Vanessa Redgrave).

Die Geschichte einer Frau

Wie schon in ihrem oskargekrönten Film Antonia's Line ist auch dieser Film der niederländischen Regisseurin Marleen Gorris ganz und gar dem Schicksal einer besonderen Frau gewidmet. Beide Frauen treffen eine Entscheidung, die ihr Leben nachhaltig prägt: Antonia geht zurück auf den Bauernhof ihrer Eltern, Clarissa heiratet Richard. Doch während Antonia am Ende auf ein erfülltes Leben zurückblickt, wird Clarissa von Selbstzweifeln gequält. Beides sind ausserordendtlich interessante Stoffe für die Leinwand, allerdings schafft es Marleen Gorris nicht, den unübertroffenen Charme von Antonia's Line auch in Mrs Dalloway aufzubauen. Der Film reiht sich in die Liste anderer Biographien ein. Musik, Kulissen und Kamera sind zwar handwerklich solide gemacht, heben sich aber nicht von anderen Biographien ab.

Trotzdem ist Mrs Dalloway ein guter Einstieg für all jene, die bisher «Angst vor Virginia Woolf» hatten und vielleicht nach dem Film doch eines ihrer Bücher in die Hand nehmen und lesen. Es lohnt sich auf jeden Fall.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Mrs. Dalloway (1997)
Land:Grossbritannien
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Gorris, Marleen
Drehbuch:Atkins, Eileen
Woolf, Virginia
Produktion:Shepherd, Bill
Besetzung:Redgrave, Vanessa
Graves, Rupert
Kitchen, Michael
McElhone, Natasha
Standing, John
 
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR
Prod.-firma:First Look
BBC Films
CH Verleih: Elite Film


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