The Mummy (1999)

Abenteuerfilme sind besonders dann erolgreich, wenn Harrison Ford peitschenschwingend die Hauptrolle spielt. Doch auch Brendan Fraser überzeugt als wagemutiger Schatzsucher in den Fussstapfen von «Indiana Jones».


von Thomas Hunziker


Im alten Ägypten herrschten rauhe Sitten. Als der Pharao von der Affäre seines Hohepriester Imhotep mit seiner Geliebten erfuhr, wurde der Pharao von Imhotep vorsorglich ermordet. Doch der Geistliche konnte seiner Strafe nicht entfliehen. In den Schatzkammern der Pharaonen in der heiligen Stadt Hamunaptra wurde er und sein Gefolge lebendig mumifiziert und mit einem Fluch belastet. 1923 kämpft Rick O'Connell (Brendan Fraser) in den Ruinen Hamunaptras als französischer Fremdenlegionär, doch sein abenteuerlicher Lebensstil führt ihn ins Gefängnis. Seine Kenntnisse von der Heiligen Stadt werden allerdings von der englischen Bibliothekarin Evelyn (Rachel Weisz) und ihrem lebelustigen Bruder Jonathan (John Hannah, Four Weddings and a Funeral) in Anspruch genommen. Evelyn erhofft sich die Bergung unschätzbarer Kunstgegenstände, währenddem Rick die Gelegenheit als letzten Ausweg aus dem Gefängnis ergreifen muss. Auf dem Weg nach Hamunaptra trifft die Gruppe auf erste Konkurrenz in der Form von amerikanischen Goldjägern, aber auch auf arabische Kämpfer, deren Ziel es ist, die Wiederauferstehung Imhoteps zu verhindern. Doch das Schicksal kann nicht abgewendet werden, und so wecken die Grabschänder den Fluch des Hohepriesters.


Die Gefahr lauert überall (Fraser, Weisz, Hannah)

Ein aufgehender Stern

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde das Genre des «historischen» Abenteuerfilmes von «Indiana Jones» geprägt, und obschon Harrison Ford wahrscheinlich auch noch ein viertes Mal auf wagemutige Schatzsuche gehen wird, ist es langsam Zeit geworden, dass ein jüngerer Schauspieler in seine Fussstapfen tritt. Brendan Fraser erweist sich dabei als idealer Nachfolger, der dabei sein bisher schon ausgiebiges Rollenspektrum um ein weiteres Genre erweitert. Nachdem er in Teenager-Komödien (Encino Man, Airheads) bekannt wurde, kämpfte er sich dann als George of the Jungle überaus erfolgreich durch den Dschungel und San Francisco. Danach beeindruckte er auch in Gods and Monsters gegenüber Ian McKellen als ernstzunehmender Schauspieler. Den Beweis dafür, dass er auch den romantischen Helden spielen kann, hinterlegte er bereits mit seiner Rolle in Still Breathing, einer der kompromisslosesten, aber leider auch viel zu wenig gesehenen Liebesfilme der letzten Jahren. Sein Durchbruch als Star könnte ihm mit dem Erfolg von The Mummy nun endlich gelungen sein, und im Gegensatz zu Johnny Depp wird Fraser neben Ausflügen in kleinere, ambitiösere Projekte wahrscheinlich auch regelmässig in «Blockbusters» zu sehen sein.


Altertümliche Wiederbelebungsversuche

Abenteuer als Selbstzweck

Dem Horror-Thriller Deep Rising lässt Regisseur Stephen Sommers nun also den Abenteuer-Action-Horror-Thriller The Mummy folgen, ein buntes Gemisch von zahlreichen Genres, das sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Die Spezialeffekte sind nicht immer von allererster Güte (insbesondere der brennende Regen auf die ägyptische Stadt wirkt ziemlich billig), sie sind jedoch durchwegs unterhaltsam und wenn nötig furchteinflüssend. Das Gefecht mit den auferstandenen Mumien am Ende des Filmes ist eine würdigeHommage an Ray Harryhausens «Stop motion»-Animation des Skelettkampfes in Jason and the Argonauts von 1963, wobei die «Stop motion»-Technik durch Computeranimation ersetzt wurde. Auch sonst beweist Regisseur Stephen Sommers seine Kenntnis der Filmgeschichte. Wie Wes Craven zuvor mit Scream das Genre des Horrorfilms revitalisierte, dekonstruiert Stephen Sommers mit genüsslicher Selbstironie die Weisheiten der Abenteuerfilme. So wird die genreübliche Bedingung, dass dem hinterhältigen kleinen Kerl am Ende widerfährt, was ihm zusteht, schon rechtzeitig angekündigt. Obschon der Film ein Remake eines Horrorfilms mit Boris Karloff aus den dreissiger Jahren ist, sind die deutlichsten Einflüsse auf die Geschichte als auch für die näckischen Referenzen anderswo zu finden, verständlicherweise am deutlichsten bei der Indiana Jones-Trilogie. Was die Horrorszenen betrifft, so wendet Stephen Sommers im Gegensatz zu Spielberg in Raiders of the Lost Ark oder Indiana Jones and the Temple of Doom seine Kamera vor den fürchterlichsten Horrorszenen allerdings ab. Doch ansonsten hält der Film mit seiner Palette an farbenfrohen Schauspielern und selbstironischen Verweisen jeglichem Vergleich stand und bietet gleichzeitig beste Unterhaltung.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:The Mummy (1999)
Land:USA
Genre:Actionfilm
Bewertung:
 
Regie:Stephen Sommers (I)
Drehbuch:Stephen Sommers (I)
Produktion:Sean Daniel
James Jacks
Koproduktion:Patricia Carr
Kamera:Adrian Biddle
Schnitt:Bob Ducsay
Musik:Jerry Goldsmith
Ausstattung:Allan Cameron
Besetzung:Stephen Dunham
Brendan Fraser
John Hannah
Jonathan Hyde
Corey Johnson (I)
Kevin J. O'Connor
Arnold Vosloo
Tuc Watkins
Rachel Weisz
 
Länge:124 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:DTS
Prod.-firma:Alphaville Films
CH Verleih: United International Pictures


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