My Favorite Martian (1999)

Als ausserirdischer Bruchlandepilot bringt Christopher Lloyd das Leben des von Jeff Daniels gespielten, erfolglosen Fernsehjournalisten vollkommen durcheinander. Disney adaptierte die Geschichte einer erfolgreichen Fernsehserie der sechziger Jahre, ein Genre auf das sich das Mäuse-Studio in den letzten Jahren spezialisiert hat.


von Thomas Hunziker


Der tollpatschige Fernsehjournalist Tim (Jeff Daniels) ist in die Reporterin Brace (Elizabeth Hurley), arrogante und ausserordentlich hübsche Tochter des Bosses der Fernsehgesellschaft verliebt, doch die Gefühle werden von ihr nicht erwidert. Auf der Nachhausefahrt von einer ärgerlichen Reportage stösst Tim nichtsahnend auf ein miniaturisiertes Raumschiff. Was für Überraschungen dieser geheimnissvolle Fund bereit hält, wird er jedoch bald erfahren. Nicht nur der Pilot der notgelandeten Maschine (Christopher Lloyd), der zweckdienlich Onkel Martin getauft wird («martian» = Marsmensch), sondern auch sein lebensfreudiger Anzug sorgt für einige Aufregung in Tims (Liebes-)Leben. Das wandlungsfähige Duo (Martin, der Pillen kauen muss, damit er in menschlicher Form erscheint, und sein Anzug) findet gefallen an Tims verträumter Gehilfin Lizzie (Darryl Hannah) und selbst die Hauseigentümerin lernt die ausserirdische Lebensform näher kennen. Selbstverständlich bekunden auch Weltraumforscher Interesse an Onkel Martin, der sich beeilen muss um sein defektes Raumschiff Instand zu setzen und nebenbei auch noch damit beschäftigt ist Tims Leben wieder in Ordnung zu bringen.


Spannungsvolle Beziehung (Daniels, Lloyd)

Gefangen in Kinderfilmen

Wieder einmal verfilmten die Disney Studios eine Sitcom aus den sechzigern Jahren. Und wieder einmal gaben sich die Drehbuchautoren (oder möglicherweise die zuständigen Produzenten) nicht die Mühe, die Geschichte über die kinderfreundlichen Gags hinaus zu entwickeln. Die Schauspieler in ihren Standardrollen werden durch die Spezialeffekte zu Statisten degradiert. Gefüllt ist der Film mit Schauspielern, die entweder den Sprung in die höhere Lohnklasse nie geschafft haben, oder die ihren Status als Stars nie richtig gesichert haben. Christopher Lloyd war mit der Back to the Future-Trilogie dem grossen Erfolg am nächsten, doch danach blieben die grossen Rollen aus. Stattdessen übernahm er immer wieder die Rolle des komischen Kauzes, wodurch er in eine Nische gedrängt wurde, aus der er sich nicht befreien kann. Jeff Daniels feierte an der Seite von Jim Carrey in Dumb and Dumber einen Erfolg, doch da sein komödiantisches Talent eher beschränkt ist, musste er sich danach mit teilweise sprichwörtlich farblosen Rollen in mittelmässigen Familienfilmen zufrieden geben. Die junge Karriere von Model Elizabeth Hurley ist schwerer einzuordnen, findet sie sich doch in allen möglichen Filmen wieder, von Spionagesatiren über Fernsehsatiren bis hin zu ambitiösen Studiofilmen (Permanent Midnight mit Ben Stiller). Darryl Hannah schliesslich scheint sich nie von ihrer Popularität nach dem Erfolg von Splash erholt zu haben und ist seither erfolglos auf der Suche nach der Rolle, die zu ihr passt. Der Mix hätte erfolgreich sein können, aber mit der Ausnahme von Christopher Lloyd und seinem Anzug finden die Darsteller nie richtig in ihre Rollen.


Badeparadies in der Waschmaschine

Unerschöpflicher Fundus

Vergesst die Naturfilme, in denen sich Hunde und andere «härzige» Tiere sich in einer feindlich gesinnten Umwelt behaupten müssen. In den letzten Jahren haben sich die Disney Studios auf die Ausschlachtung eines anderen Genres konzentriert. Disney scheint wahrlich das Patent auf die Adaptierung längst vergessener Sitcoms aus den sechziger Jahren zu haben. Mr. Magoo mit Leslie Nielsen war hierbei der endgültige Tiefpunkt in diesem Trend, der glücklicherweise kaum unterboten werden kann. Trotzdem vertraut Disney weiterhin auf die lästigen filmischen Unwerke, wobei möglicherweise diesen Sommer, nach vielen unermüdlichen gescheiterten Versuchen, ein Licht am Ende des Tunnels zu erblicken ist. Inspector Gadget wurde mit Mathew Broderick in der Hauptrolle und dem dazugehörenden technischen Aufwand verfilmt - mit dem Ziel sich ein Stück der lukrativen Einspielsummen dieses Sommers einzustecken. Ob das Resultat für einmal sehenswert ist, wird sich aber noch zeigen müssen, mit My Favorite Martian haben sie gezeigt, dass sie das Genre noch nicht ganz im Griff haben. Wünschenswert wäre auf jeden Fall, dass sich die Bosse bei Disney dazu entschliessen würden originelle Geschichten zu entwickeln, anstatt sich auf ausgetretenen Pfaden in Sicherheit zu wägen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:My Favorite Martian (1999)
Land:USA
Genre:Science Fiction
Bewertung:
 
Regie:Donald Petrie
Drehbuch:Sherri Stoner
Deanna Oliver
Produktion:Jerry Leider
Robert Shapiro
Marc Toberoff
Ausf. Prod.:Barry Bernardi
Kamera:Thomas E. Ackerman
Schnitt:Malcolm Campbell
Musik:John Debney
Danny Elfman
Ausstattung:Sandy Veneziano
Kostüme:Hope Hanafin
Besetzung:Steve Bond
Jeff Daniels
Christine Ebersole
Daryl Hannah
Elizabeth Hurley
Michael Lerner
Christopher Lloyd
Shelley Malil
Jean-Luc Martin
Wallace Shawn
David St. James
Ray Walston
Dawn Maxey
 
Länge:93 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Walt Disney Productions
CH Verleih: Buena Vista


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