My Name Is Joe (1998)

«Hello, my name is Joe, and I'm an alcoholic.» Der erste Satz von Ken Loach's Film ist sowohl der Titel wie auch ein Auslöser für Vorahnungen und Erwartungen des Zuschauers, die Loach bis zum Schluss übertrifft.


von Serge Zehnder


Joe (Peter Mullan, den meisten bekannt als Drogenverteiler «Mother Superior» in «Trainspotting») war lange Zeit von der Flasche abhängig; jetzt trocken und arbeitslos (manchmal auch schwarzarbeitend) trainiert er das schlechteste Fussballteam Glasgows. Ein Verlierer, der sich mit Seinesgleichen umgibt, könnte man meinen, doch Loach zieht einen anderen Weg vor.
Sarah (Louise Goodall) ist Sozialarbeiterin, die gute Seele, die Menschen, wie Joe einst einer war, versucht zu helfen. Über den jungen Familienvater Liam (David McKay «Braveheart») begegnen sich die beiden. Joe's Temperament, Liam aufs Fussballfeld zu zerren, wo er ein bisschen Verantwortung lernen soll, um es im Privatleben an den Tag zu legen, steht Sarahs menschliche und ruhige Bewältigung von Liams Drogen und Familienproblemen im Weg. Joe findet an der leicht unbeholfenen Sozialarbeiterin schnell Gefallen und anerbietet sich, ihr die Wohnung zu tapezieren, obwohl er davon keinen blassen Dunst hat. Die Übung erfüllt auf jeden Fall ihren Zweck, denn kurze Zeit später bricht das Eis, und die Bahn ist für ein weiteres ungewöhnliches Filmpaar frei.


Joe (Mullan) und Sarah (Goodall) bei ihrem ersten gemeinsamen Essen.

FANTASTISCH DEPRIMIEREND

Besonders reich an wirklich glücklichen Momenten waren Loachs Filme nie. «Ladybird, Ladybird» erzählte von einer Frau im Kampf mit dem Staat, der ihr das Kind wegnehmen will, «Land and Freedom» spielte in Spanien während der kommunistischen Revolution und sein letztes Projekt «Carla's Song» brachte einen schottischen Buschauffeur gar in die Kreise nicaraguanischer Rebellen. Weit weniger politisch dafür um so gesellschaftlicher ist My Name Is Joe. Getragen von zwei phänomenalen Hauptdarstellern (Mullan wurde in Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet), berührt der Film in seiner Einfachheit. Ohne falsches Pathos, aber auch nicht ohne Symbolik ist es Loach gelungen, die schönen, aber auch stark deprimierenden Seiten der Menschen aus der sozialen Unterschicht Grossbritanniens herauszufiltern. Menschen, deren Alltag aus dem «Zurechtkommen» besteht. Drogen, Gewalt und familienlose Umstände sorgen für schier überwältigende Hoffnungslosigkeit. Trotzdem bleibt My Name Is Joe ein Film der Hoffnung. So klein diese auch sein mag, Loach hat gewisse Lichtpunkte gefunden und eingebaut, was einem bereits wieder zu einem glücklicheren Kinozuschauer und den Film zu einem weit stärkeren Erlebnis werden lässt.



Interview mit Ken Loach

Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:My Name Is Joe (1998)
Land:
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Kenneth Loach
Drehbuch:Paul Laverty
Produktion:Rebecca O'Brien
Ausf. Prod.:Ulrich Felsberg
Kamera:Barry Ackroyd
Schnitt:Jonathan Morris (I)
Musik:George Fenton
Ausstattung:Martin Johnson (I)
Kostüme:Rhona Russell
Besetzung:Louise Goodall
David Hayman
Anne-Marie Kennedy
Gary Lewis
Lorraine McIntosh
David McKay (II)
Peter Mullan (I)
 
Länge:105 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Westdeutscher Rundfunk (WDR)
Degeto Film
Tornasol Films, S.A.
Channel Four Films
Scottish Arts Council National Lottery Fund
Road Movies Vierte Produktionen
Filmstiftung NRW
BIM Distribuzione
Diaphana Distribution
Alta Films
The Glasgow Film Fund
La Sept Cinéma
ARD
Arte
Parallax Pictures
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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