Nightwatch (1998)

Wenn keine Grenzen mehr vorhanden sind, greifen gewisse Menschen auf extremste Mittel zurück, um ihren Adrenalin-Pegel zu steigern.


von Serge Zehnder


Für Martin Belos (Ewan McGregor) und seinen Freund James (Josh Brolin) sind diese Grenzen schon lange verwischt. Besonders James scheint in bezug auf sein Jurastudium, seine Beziehung mit Marie (Lauren Graham) und allgemein auf seine Situation in der Gesellschaft unzufrieden. Es gibt kaum etwas, das ihn aus der Reserve zu locken vermag. Fast schon ein bisschen neidisch ist er auf Martins neue Anstellung im Leichenschauhaus. Das Makabre und leicht Verbotene hinter diesem Job erweckt in James neue Triebe zu einer leicht perversen Selbstverwirklichung. Er schlägt Martin auch sofort eine sehr abstruse Wette vor. Jeder darf dem anderen eine Aufgabe stellen; wer sie nicht erfüllt, muss seine Freundin heiraten. Ein Umstand, der besonders Martins momentaner Lebensgefährtin Katherine (Patricia Arquette) sehr gelegen kommen würde. Vorerst muss er sich jedoch um seine Rundgänge zwischen aufbewahrten Innereien und reglosen Körper, die im kalten Neonlicht noch gespenstischer erscheinen, kümmern


Die Jungs (McGregor, Brolin)

MOTIVELOS

Und das ist nur die Hälfte der Geschichte. Der Däne Ole Bornedal, der mit Hilfe von Steven Soderberg sein Original amerikanisiert hat, fügt seinem ohnehin schon kalten Plot noch einen Killer, hinzu, der sich junge Frauen zum Opfer nimmt. Der entsprechende Fander Inspektor Cray (Nick Nolte) klärt Martin alsbald auch über die Motive eines modernen Psychopathen auf, nämlich, dass jener keine Motive für seine Taten haben muss. Alles ist, wie das Leben selbst, einem nicht kontrollierbaren Lauf von Ereignissen zuzuschreiben. Kein John Doe wie in David Finchers «Seven» oder wie der gute alte Psycho Norman Bates; mit dem Millenium entsteht eine motivlose Morderei, die besonders im Film eine bisher unfassbare Bedrohung darstellt, da niemand vor dem Wahnsinn sicher ist.


Die Mädchen (Arquette, Graham)

REMAKE MIT BISS

Es ist fast alles gleich geblieben: Die Crew, die Story, die Atmosphäre und der Täter. Trotzdem beeindruckt Bornedals Neufassung, die von Steven Soderbergh («Sex, Lies & Videotapes», «Out of Sight») mitproduziert und mitverfasst wurde, um einiges mehr als das zweifelsohne gelungene Original. Dies mag am grösseren Budget liegen, das ihm hier zur Verfügung stand, und das technische Know-How in Hollywood könnte für diese Art von kaum besser sein. Die sterilen Gänge des Leichenschauhauses, die etwas freakigen Mitarbeiter und die allgemeine Kälte, die über der gesamten Geschichte liegt, konnten von Bornedal in den U.S.A. maximiert werden. Mit McGregor, Arquette, Nolte und dem einstigen «Goonie» Brolin standen hier nicht nur Schauspieler mit Starqualitäten vor der Kamera, sondern explizit ausgesuchte Typen, die besonders bei Männern Unbehagen auslösen. Oder besser gesagt, ein Killer kö:nnte in jedem von ihnen zu stecken. Soviel zur Unberechenbarkeit.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Nightwatch (1998)
Land:USA
Genre:Thriller
Bewertung:
 
Regie:Ole Bornedal
Drehbuch:Ole Bornedal
Steven Soderbergh
Produktion:Daniel Lupi
Michael Obel
Ausf. Prod.:Bob Weinstein
Harvey Weinstein
Kamera:Dan Laustsen
Schnitt:Sally Menke
Musik:Joachim Holbek
Ausstattung:Richard Hoover
Kostüme:Louise Mingenbach
Besetzung:Patricia Arquette
Josh Brolin
Lonny Chapman
Brad Dourif
Lauren Graham
Alix Koromzay
Ewan McGregor
Nick Nolte
John C. Reilly
Charles Fleischer
 
Länge:101 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Michael Obel Productions
Dimension Films
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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