La Nube (1998)

Der Rückwärtsgang des Fortschritts.


von Serge Zehnder


Wie eine klebrige, nicht zu entfernende Schicht schwebt «Die Wolke» über Buenos Aires in Fernando Solanas («Sur») neuem politisch kritischem Film. La Nube handelt aber nicht nur von einem Witterungszustand, sondern vom Verhalten der Menschen unter dem abgekühlten Wasser verhalten. Da ist Max (Eduardo Pavlosky), Direktor des «Spiegeltheaters», dessen ganzer Lebensinhalt abgerissen und an seiner Stelle ein progressives, massentaugliches und insbesondere lukratives Schauspielhaus aufgebaut werden soll. Diesem drohenden Zusammenbruch seiner Ideale, die er anhand seiner Inszenierungen von Brecht und Sartre-Stücken dem Publikum vermittelt hat, versucht er mit aller Kraft entgegenzuwirken. Unterstützung erhält er dabei von seinen Freunden, die allesamt am Aufbau des Theaters mitgeholfen haben. Unter ihnen befindet sich der inzwischen pensionierte Autor Enrique (Franklin Caicedo), der mit den Ämtern in Konflikt kommt, weil sie ihm keine Rente auszahlen wollen, oder die schwarze Brasilianerin Fulo (Angela Correa), die versucht, durch Max' Theater lukrative Engagements zu erhalten, um ihr Kind in Rio unterstützen zu können. Dies sind nur zwei von fast einem Dutzend kleineren und grösseren Figuren, die etwas mit dem kulturellen Erbgut des «Spiegeltheaters» gemein haben.


Das «Spiegeltheater» vor dem Aus.

Ökonomische Wertung

In vier Akte unterteilt, analysiert Solanas die Veränderungen in seiner Heimatstadt, wo die Menschen nur noch rückwärtsgehen. Diese Metapher für die soziale, kulturelle und letzten Endes auch menschliche Regressivität ist das vordergründige Stilelement, dem sich Solanas bedient, um die Missstände aufzuzeigen. Die Freude am Alltag und der wertvolle Gehalt einer Freundschaft sind neben dem Zelebrieren der Macht der Fantasie die Waffen gegen den drohenden Untergang. Solanas spart nicht an bildstarker Symbolik, bleibt jedoch im Umgang mit seinem Thema (meistens) auf dem Boden der Tatsachen und verliert sich nicht wie, wie das oft der Fall ist, in irgendwelchem philosophischem Geplänkel. La Nube ist trotz einiger Längen ein warmherziger und äusserst subtiler Film über die Frage nach dem Wert der Kunst, der Arbeit ja sogar einem menschlichen Leben, wenn sie oder es zur Wirtschaft eines Landes nichts mehr beiträgt.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:La Nube (1998)
Land:Argentinien
Genre:Komödie
Bewertung:
 
Regie:Fernando E. Solanas
Drehbuch:Fernando E. Solanas
Produktion:Fernando E. Solanas
Philipe Cosson
Bertrand van Effrente
Kamera:Juan Diego Solanas
Schnitt:César d’Angiollio
Musik:Gerardo Gandini
Ausstattung:At Hoang
Besetzung:Eduardo Pavlovsky
Angela Correa
Franklin Caicedo
Carlos Páez
Leonor Manso
Bernard Le Coq
Christophe Malavoy
Laura NovoaFavio Posca
Luis Cardei
Francisco Nápoli
 
Länge:120 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Cinesur S.A.
CH Verleih: Trigon Film


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