One Night Stand (1997)

«Es spielt keine Rolle, welche Fehler wir begehen, sondern wie wir damit umgehen,» heisst es in David Mamets «Kryptogramm». Etwa gleich liesse sich auch Mike Figgis neuster Wurf One Night Stand beschreiben, indem es um die Wechselbeziehung zwischen zwei verheirateten Menschen geht, die ihre einmalige Affäre begraben wollen, durch den Lauf der Zeit aber zu einer Konfrontation gezwungen werden.


von Serge Zehnder


New York. Max (Wesley Snipes), ein schwarzer Werbeclip-Regisseur, marschiert der Kamera nach und beginnt gegen das Publikum zu sprechen. Er ist auf dem Weg zu seinem Freund Charlie (Robert Downy jr.), den er seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hat, und jetzt, da sich Charlie mit Aids infiziert hat, ein Wiedersehen geradezu aufdrängt. Ohne eine grössere Erwartungshaltung sitzt Max hinter Vorhängen und tanzenden Menschen auf einem Stuhl und beobachtet die Proben von Charlies Ensemble zu einer neuen Aufführung. Bereits nach der Einführung dieser beiden Figuren setzt Figgis den Ton für die späteren Geschehnisse fest und macht das Publikum somit zu Komplizen von Max' Handlungen. In der Hotellobby, wo aufgrund eines UNO-Geburtstages Gäste aus aller Herren Läänder umhergehen, trifft Max wegen eines ausgelaufenen Füllfederhalters die Geschäftsfrau Karen (Nastassja Kinski). Die Zufälle häufen sich, und nach einem Abend mit Konzertbesuch und einem Überfall, dem Max und Karen zum Opfer fallen, entlädt sich die Zuneigung und eine zärtliche märchenhafte Nacht ist das Resultat.



RÜCKKEHR IN DIE REALITÄT

Es sollte bei dem einen Mal bleiben. Von leichten Gewissensbissen geplagt und eingefangen von der emotionalen Dürre des Alltags nimmt Max das Ehedasein mit seiner Frau Mimi (Ming-Na Wen) wieder auf. Über ein Jahr dauert es, bis die Vergangenheit ihren Tribut verlangt und aufgrund von Charlies fortgeschrittener Krankheit Karen und Max im Big Apple wieder ein ernüchterndes Wiedersehen feiern. Die blonde Schönheit ist nämlich mit keinem Geringeren als Charlies Bruder Vernon (Kyle MacLachlen) verheiratet. Die beiden Paare, verbunden durch den bevorstehenden Tod Charlies, kommen sich immer näher und für Max und Karen entwickelt sich das eine Abenteuer zu einem schweren Prüfstein.



ZUERST VIEL, DANN WENIG

Vier Millionen für vier Seiten, soviel soll Drehbuchautor Joe Eszterhas für das Exposé von One Night Stand erhalten haben. Adrien Lyne sollte Regie führen, und das Resultat wäre wahrscheinlich ein ödes Matrazengerangel mit schönen Bildern geworden. Zum Glück stieg Lyne aus und Figgis nahm sich nach seinem Alki-Drama Leaving Las Vegas der Story an, und überarbeitete sie gleich komplett. Geringer finanzieller Aufwand (kein Wunder, wenn die Produktionsfirma New Line zuerst vier Millionen ausgegeben hat), fünf hervorragende Schauspieler (Snipes erhielt in Venedig den Darstellerpreis, Frau Kinski darf auch von einem Comeback sprechen) und mit derselben Crew wie in der Wüstenstadt inszenierte Figgis ein exzellentes Drama um die Routine der Ehe und die Folgen eines Seitensprungs. Wie Nicolas Cage und Elisabeth Shue in Leaving Las Vegas sind Snipes und Kinski ambivalente Figuren zum Gernhaben. Nicht so extrem wie der Trinker und die Hure, aber in ihrer liebevollen Fehlbarkeit doch seelenverwandt, fügt sich One Night Stand trotz der thematischen Gegensätze nahtlos in Figgis' «Oeuvre» ein. Ganz zu schweigen, dass der Brite wieder einmal Drehbuch, Regie und Musik selbst besorgte und damit ein glänzendes Beispiel des Autorenfilms ist.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:One Night Stand (1997)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Figgis, Mike
Drehbuch:Figgis, Mike
(nach einer Vorlage von Esterhas, Joe)
Produktion:Figgis, Mike
Myron, Ben
Stewart, Anne
Kamera:Quinn, Declan
Schnitt:Smith, John
Musik:Figgis, Mike
Besetzung:Snipes, Wesley
Kinski, Nastassja
Downey Jr., Robert
MacLachlan, Kyle
Wen, Ming-Na
 
Länge:103 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:Red Mullet
New Line
CH Verleih: Monopole Pathé Films


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