Palermo-Milano Solo Andata

Quando la paura fa diventare uomini


Die Mafia beherrscht immer noch das tägliche Leben in Süditalien auf allen Ebenen wie eine Riesenkrake. Kein Wunder, wurde diese kriminelle Organisation auch zum Thema zahlreicher Fernseh- und Kinofilme. "Palermo - Milano solo andata" ("Palermo-Mailand einfach") ist der neueste Versuch, die Omnipotenz der Mafia und die Hilflosigkeit der Polizei im Kampf gegen die organisierte Kriminalität zu dokumentieren, hier am Beispiel einer Polizeieskorte, die einen wichtigen Zeugen nach Mailand fahren muss.

Turi Leofonte (Giancarlo Giannini) ist ein bedeutender Vermögensverwalter der Mafia, der in seiner Funktion den Aufbau der Organisation wie kein Zweiter kennt. In einem Prozess in Mailand gibt ein übergelaufener Mafioso seine Identität preis. Im Auftrag des Richters müssen junge Zivilpolizisten die Schlüsselperson ergreifen und nach Mailand an den Prozess bringen. Doch die Rückfahrt gestaltet sich schwieriger als geplant. Die Eskorte wird von bewaffneten Attentätern in einen Hinterhalt gelockt. Dem Anschlag fallen unter anderem Leofontes Frau und sein 4-jähriger Sohn zum Opfer. Den Beamten wird klar, dass die Mafia ihre Spitzel auch in der Polizei hat und so beschliessen sie, die Reise auf eigene Faust ohne Kommunikation und Unterstützung fortzusetzen. Doch die Mafia ist ihnen weiterhin auf den Fersen. Es beginnt eine spannende Jagd gegen die Zeit, die gekauften Mörder der Mafia und vor allem die internen Reibereien der ungewöhnlichen Reisegruppe...

Regisseur und Co-Autor von "Palermo - Milano solo andata" ist Claudio Fragasso, Fans von Italiens einst blühender B-Movie-Industrie unter dem Pseudonym Clyde Anderson bekannt. Als Drehbuchautor stand Fragasso häufig dem Billigfilmer und Meister-Plagiator Bruno Mattei (Vincent Dawn) zur Seite, zum Beispiel bei Videofutter, wie Strike Commando (deutscher Videotitel: "Cobra Force") oder Double Target ("Der Kampfgigant"). Tatsachen, die die Produktionsfirma des vorliegenden Films offensichtlich lieber verschweigt. In den aus neu gedrehten Szenen und Schnitten aus anderen Filmen zusammengestückelten Mattei-Streifen kamen denn die dramaturgischen Qualitäten Fragassos auch kaum zum Tragen. Mit "Palermo-Milano" liefert Fragasso jedoch, trotz der schon ziemlich abgelutschten Thematik, einen schnörkellosen, spannenden Film mit interessanten Figuren und guten Darstellerinnen und Darstellern ab.

Wichtig: Der Film wird in der italiensichen Originalfassung ohne Untertitel gezeigt. Gute Italienischkenntnisse sind also von Vorteil!

Martin A. Blatter

Angaben zum Film



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