Palookaville

They fought the law, but the law didn't notice



Amerikas ungefährlichste Kriminelle schlagen zu


Ein schäbiges kleines Wohnzimmer. Drei junge Männer sitzen um ein Fernsehgerät herum und schauen aufmerksam den Film "Armored Car Robbery" ("Ueberfall auf einen Geldtransport") aus den Fünfzigern, um sich mit Tips für ihren nächsten Coup einzudecken. So seriös bereiten sich die drei Loser Sid (William Forsythe), Russ (Vincent Gallo) und Jerry (Adam Trese) auf ihren Job vor. Sie kaufen Skimützen, malen Spielzeugpistolen schwarz an und sabotieren einen Geldtransporter, um ihn dann irgendwo auf der Strecke überfallen zu können.


Doch wie bei allen ihren Ideen mangelt es an der Ausführung. Die Sache geht ziemlich in die Hosen, wie auch schon der frühere Versuch, einen Juwelierladen auszurauben. Wegen eines Berechnungsfehlers landeten die drei Möchtegern-Kriminellen in der Backstube einer Konditorei, wo sie sich immerhin mit ein paar Dollars aus der Kasse und einigen Donuts eindecken konnten. Aber auch sonst läuft im Leben der Drei einiges schief. Russ lebt mit seiner Mutter, der Schwester und seinem Schwager, einem Streifenpolizisten, zusammen. Vom Schwager ständig lächerlich gemacht, findet er Zuflucht in einer Beziehung zur deutlich jüngeren Nachbarstochter Laurie (Kim Dickens). Bei Sid sieht's nicht besser aus: Er hat eine drohende Zwangsräumung am Hals, sein Telefon wurde abgestellt und seine stinkenden Promenadenmischungen kann er kaum artgerecht ernähren.


Jerry ist der einzige in der Gruppe, der etwas Geld und ein Auto zur Verfügung hat, weil seine Frau Betty (Lisa Gay Hamilton) in einem Supermarkt arbeitet. Doch als Jerry erfährt, dass Betty am Arbeitsplatz von ihrem Chef sexuell belästigt wird, reagiert er so heftig, dass Betty sogleich ihren Job verliert. Die Zukunftsaussichten sind also für alle nicht besonders rosig. Doch das Trio ist nicht einmal für den kriminellen Weg der Existenzsicherung geeignet. Als alle drei eines Tages von der Polizei abgeholt werden, denken sie, dass sie nun für ihre versuchten Verbrechen einstehen müssen...doch sie haben sich wieder einmal heftig verkalkuliert.

Selten kommt ein Erstlingsfilm so ausgereift daher wie Palookaville. Regieneuling Alan Taylor und Autor David Epstein schaffen es in diesem Film nicht nur, bestens zu unterhalten, sondern liefern gleichzeitig ein sensibles Porträt von Menschen ab, denen trotz ihrer misslichen Situation die Ideen und die Motivation noch nicht ausgegangen sind, die aber einfach nie auf einen grünen Zweig kommen, weil sie zu gutmütig für diese Gesellschaft sind.

Martin Blatter

Angaben zum Film

Titel:Palookaville
Bewertung:****.
Regie:Alan Taylor
Drehbuch:David Epstein
Produktion:Uberto Pasolini
Kamera:John Thomas
Musik:Rachel Portman
Besetzung:William Forsythe, Vincent Gallo, Adam Trese, Frances McDormand
Verleih:Frenetic Films



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