Paradise Road (1997)

Das Leben und seine wahren Geschichten. Angeblich sollen diese ja die interessantesten sein. Was als einfache Erzählung gut klingt, macht auf Zelluloid oft einige Schwächen sichtbar. Überraschenderweise setzt sich Bruce Beresfords «Paradise Road» über diese Schwächen hinweg.


von Serge Zehnder


«Das ist etwas, dass du einmal deinen Kindern erzählen kannst,» bemerkt Glenn Close lakonisch, nachdem eine ihrer Kameradinnen von der Tortur befreit wurde, die ihr von der Japanern während des Zweiten Weltkriegs zugefügt wurde. In einem feuchtheissen Landstrich Sumatras befindet sich eine Vielzahl britischer, amerikanischer und australischer Frauen, die mit reichen Geschäftsleuten vor dem Angriff auf Pearl Habour in Singapore gelebt haben. Unter ihnen die Engländerinnen Adrienne Pargiter (Close), Rosemary Leighton-Jone (Jennifer Ehle) und Margaret Drummond (Pauline Collins), die deutsche Ärztin Dr. Verstak (Szenenklauerin Frances McDormand) und die Amerikanerin Topsy Merritt (E.R.-Schwester Julianna Margulies, erstaunlich vielseitig). Zuerst durch die verschiedenen Hintergründe getrennt, bilden die Frauen einen Chor, um sich mit ihren Gesangskünsten gegen die Brutalität der Besatzer zu wehren. Gegen Krankheiten, Nerven und das Klima kämpfend entsteht aus dem gemeinsamen Leiden eine Gemeinschaft. So einzigartig die verschiedenen Frauen sind, so individuell werden auch ihre Stimmen eingesetzt. Jede Frau ist ein spezifisches Instrument, und schon bald interpretiert das Ensemble Stücke von Dvorak, Ravel und Tchaikovsky.


Schweiss unter der gleissenden Sonne Sumatras

TROTZ SCHRECKEN MIT LEBENSHUMOR

Kaum vorstellbar, aber Bruce Beresford, der Ende der achtziger Jahre auf die Geschichte dieser internierten Frauen gestossen ist, vermochte beim schreiben seines Drehbuchs den kühlen britischen Witz beizubehalten, ohne die Geschehnisse zu verharmlosen. Gar blutig, ohne die Linse von den Greueltaten zu nehmen, blieb Beresford, dessen letzte Werke, wie «Last Dance» oder «A Good Man in Africa», seinen Erfolg mit «Driving Miss Daisy» nicht zu wiederholen vermochte, dem Thema treu. Verharmlost wird nichts, umsomehr stellt sich die Willenskraft der betroffenen Frauen in den Vordergrund. Ob Close, McDormand, Collins oder Margulies, jede von Ihnen hat die Gelegenheit, sich zu profillieren. Mag die Stereotypisierung der Japaner manchmal sehr einfältig wirken, versucht Beresford neben der Gewalt auch ein bisschen Menschlichkeit von Seiten der kaiserlichen Macht durchsickern zu lassen, ohne jedoch die Sequenzen zu vermenschlichen.


Freundschaften fürs Leben werden geschlossen

SPIELBERG IM KLEINFORMAT

Wem das Ganze bekannt vorkommt, wird sich womöglich an Steven Spielbergs «Empire of the Sun» erinnern, wo ein kleiner versnobter Junge in einem Internierungslager einige «Veränderungen» erlebt. In mancher Hinsicht ist «Paradise Road», die etwas bescheidenere Variante von Spielbergs Epos, da auch bei Beresford leicht dekadente «High-Society»-Damen all ihrer Güter beraubt wurden, und letztlich nur dank dem Besitztum, das man ihnen nicht wegnehmen konnte (da.h.: ihre Stimmen) überlebten. «Triumph of the Spirit» werden diese Art von Filmen gerne genannt. Ein Triumph von einem Film ist dieses Melodram zwar nicht, aber nach «Miss Daisys» schwachen Nachfolgern dafür ein Werk, mit dem Beresford als Regisseur (und Autor) einen gewissen Standart setzten konnte.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Paradise Road (1997)
Land:
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Beresford, Bruce
Drehbuch:Giles, David
Meader, Martin
Beresford, Bruce
Produktion:Coote, Greg
Milliken, Sue
Ausf. Prod.:Burke, Graham
Yap, Andrew
Kamera:James, Peter (II)
Schnitt:Wellburn, Tim
Musik:Dryburgh, Margareth
Edwards, Ross (II)
Ausstattung:Pinter, Herbert
Kostüme:Ryan, Terry (I)
Besetzung:Blanchett, Cate
Chan, Pauline
Close, Glenn
Collins, Pauline
Ehle, Jennifer
Hackforth-Jones, Penne
Hensley, Lisa
Hughes, Wendy
Humphries, Tessa
Kusatsu, Clyde
Margulies, Julianna
McDormand, Frances
Porter, Susie
Rabe, Pamela
Shimono, Sab
Spriggs, Elizabeth
Steege, Johanna ter
 
Prod.-firma:Village Roadshow
Samson
CH Verleih: 20th Century Fox


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