Payback (1999/I)

Der Jäger läuft wieder, strapazierfähiger als das letzte Mal als er auf Rache sinnte.


von Thomas Hunziker


1967 verfilmte John Boorman Richard Stark's Roman «The Hunter» unter dem Titel Point Blank mit Lee Marvin in der Rolle des kaltblütigen Rächers Walker. Über dreissig Jahre später entschloss sich Mel Gibson dazu sich in dieser Rolle ein Denkmal zu setzen. Neben dem Titel des Film von Point Blank zu Payback und dem Namen der Hauptfigur von Walker zu Porter wechselte auch der Ort des Geschehens. Das warme Kalifornien (hauptsächlich L.A.) wurde durch das kalte Chicago ersetzt. Das es sich dabei um Chicago handelt, muss man allerdings an wenigen Hinweisen erkennen. Die Stadt spielt weniger eine Rolle, als die Farbe, die ihr Kameramann Ericson Core verleiht. Währenddem er in 187 Los Angeles in warme Rottöne tauchte, verfärbte er New York in ein kühles blau. In derselben Farbe begibt sich Porter in der windigen Stadt auf die Jagd nach seinem Geld, dem Beute-Anteil eines Coups auf einen asiatischen Geldtransporter, wobei ihn sein Partner Val (Gregg Henry) nicht nur um 70'000 Dollar betrogen sondern auch noch in den Rücken schoss.


Ein geschlagener Porter macht einen explosiven Anruf

Quäle mich!

Kaum sind die Schusswunden verheilt, macht sich Porter auf die Suche nach seinem Anteil der Beute. Am Abend seines Besuches stirbt seine in den Betrug verwickelte Ehefrau (Deborah Unger) an einer Überdosis Heroin. Porter hofft über den Drogendealer den Weg zu Val zu finden. Wie es sich herausstellt, ist dieser mittlerweile in eine Verbrecherorganisation eingebunden, deren Bosse es nicht leiden können, wenn ein mickriger Ganove die Strukturen der Organisation zu gefährden droht. Die Beseitigung von Porter erweist sich allerdings als einiges mühsamer, als sich dies die Bosse erhofften und die Rückendeckung für Val erweist sich als tödlich. Leichen pflastern Porters Weg bis er schliesslich zum höchsten aller Bosse (Kris Kristofferson) gelangt und diesen mit der Entführung seines Sohnes unter Druck setzt. Dieser lässt allerdings nicht mit sich spielen, und es gelingt ihm sich Porters zu ermächtigen. Doch die Malträtierung seines Körpers ist sich Mad Mel schon aus der Lethal Weapon-Serie gewohnt und so lässt ihn die Verunstaltung seines Gesichts und die Zertrümmerung seines Fusses kalt. Einzig die Rückerstattung seines Geldes ist für Porter von Bedeutung.


Schiessereien ersetzen die Handlung

Wie die Faust aufs Auge

Natürlich kann man sich niemand anders für die Besetzung der Rolle von Porter vorstellen, als den überaus männlichen Mel Gibson, es sei denn, man hat die Version mit Lee Marvin gesehen. Nur welcher heutige Kinogänger hat das schon, und falls doch, wer erinnert sich daran? Glücklicherweise erübrigt sich ein Vergleich mit dem Vorgänger, da Payback selbst in der Konkurrenz mit der Dutzendware moderner Action-Filme schlecht abschneidet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Geschichte gar keinen Action-Film voraussetzt, sondern vielmehr eine spannende Kriminalgeschichte. Doch das zählt heute in Hollywood nicht mehr, und so konzentrierten sich die Filmemacher (wer dies im spezifischen Fall ist, lässt sich nicht so genau bestimmen) auf die Knalleffekte und einige publikumsfreundliche Witze, die sich allerdings nach nicht allzu langer Zeit erschöpfen. Der «Running Gag» über die Höhe des zu zurückerstattenden Betrages erschöpft sich schon nach dem zweiten Mal. Währenddem bei dritten und vierten Teilen (Die Hard with a Vengeance, Lethal Weapon III + IV) eine gewisse Selbstironie den Schwung am Leben erhält, ist sie bei einem Original vollkommen fehl am Platz. Zu guter Letzt sollten selbst die übermenschlichen Leidensfähigkeiten von Gibson irgendwo ihre Grenze haben. Verdammt seien Testvorführungen und die Selbstverliebtheit der Stars.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Payback (1999/I)
Genre:Krimi
Bewertung:
 
Regie:Brian Helgeland
Drehbuch:Terry Hayes
Brian Helgeland
Donald E. Westlake
Produktion:Bruce Davey
Mel Gibson
Ausf. Prod.:Stephen McEveety
Kamera:Ericson Core
Musik:Chris Boardman
Besetzung:Maria Bello
James Coburn
William Devane
Mel Gibson
Gregg Henry
Lucy Alexis Liu
David Paymer
Sterling Wolfe
Jean Carol
Bill Duke
Kris Kristofferson
Deborah Unger
 
Länge:110 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm Scope (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Icon Entertainment International
Paramount Pictures
CH Verleih: Warner Bros.


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