Peacemaker, The (1997)

Ist es nun ein Omen, oder einfach Zufall? Eins ist sicher, die Gerüchteküche um das von Steven Spielberg, Jeffrey Katzenberg und David Geffen gegründete Studio «DreamWorks» wird auch nach der Premiere von The Peacemaker nicht aufhören zu brodeln. Umsomehr, als der Einstand nicht besonders geglückt ist.


von Serge Zehnder


Junge Talente, Ideen, die sich frei entfalten können, keine Ökonomen, die den kreativen Prozess mit unnötigen Geschäftspraktiken verbarrikadieren,- dies und einiges mehr, wollen drei der einflussreichsten Männer im amerikanischen Showgeschäft bewerkstelligen. Vor drei Jahren wurde das Projekt DreamWorks angekündigt und liefert jetzt mit Projekt:Peacemaker (so die deutsche Übersetzung) die erste Leinwand-Referenz ab. Besetzt mit zwei populären Gesichtern, die die Namen George Clooney und Nicole Kidman tragen, und mit Mimi Leder, einer Regisseurin, die nach etlichen Emergency Room-Folgen hier ihren Einstand als Leiterin einer Grossproduktion gibt, sah das Fundament nicht schlecht aus. Aus der Ferne hörte sich sogar die Story recht interessant an. Ein verzweifelter Terrorist will sich an der UNO für ihre halbherzige Intervention im zerrütteten Ex-Jugoslawien rächen. Mit der Überschrift im Trailer: «Wie stoppt man einen Terroristen, der keine Forderungen hat», blieb die Angelegenheit weiterhin vielversprechend. Doch Michael Schiffers Drehbuch hapert es wie schon bei seinem Vorgänger «Crimson Tide» an Inhalt und Figurenkonstellationen.


Wo könnte wohl das Bömbchen sein?

UNKLARER TERROR

Dies löst natürlich einige Folgefehler aus. Kidman (als Nuklear-Wissenschaftlerin ergo Gehirn) und Clooney (als Colonel ergo Faust) tun sich unweigerlich schwer, aus den platt gezeichneten Protagonisten die interessanten Aspekte herauszuschälen. Das gleiche Schicksal erleidet auch Marcel Iures Rolle des verzeifelten serbischen Attentäters Gavrich. Ein paar Rückblenden und einige Klaviereinlagen (Aufgepasst! Typischer Psycho-Manierismus) tunís auch schon, und mit besonders viel mehr bleibt man nicht zurück. Der Umstand, dass der Serbe an der UNO Vergeltung übt, wird mehr oder weniger ausgeklammert. Beruht der erste Teil noch auf dem Spannungsaufbau (Clooney und Kidman verfolgen einen russischen General, der zehn A-Bomben geklaut, und eine davon an den Bruder Gavrichs verschachert hat) verschwindet die zweite Hälfte in gut gemeinter Action und unklaren Motiven. Am Ende wandert einfach ein slawischer Mann mit einer Bombe im Rucksack, von den «guten» Amis verfolgt, durch die New Yorker-Innenstadt. Temporeich sollte es sein, lahm wirkt es.


Ich schau Dir in die Augen Kleines.

VOM TV ZUM KINO

Dass Mimi Leder der eingangs erwähnten Philosophie entspricht, und der Entscheid, dass hier eine Frau einen Action-Thriller inszenieren sollte, sah auf dem Papier nicht unkontrovers aus. Es ist jedoch nach wie vor eine Tatsache, dass Kathryn Bigelow nach wie vor die einzige Frau ist, die sich in diesem maskulinen Genre hat behaupten können, und wie technisch versiert Leder von ihren Fernseharbeiten her auch sein mag, die Fähigkeit organisch-spannende Action-Sequenzen zu koordinieren, geht ihr bei weitem ab. The Peacemaker ist genau betrachtet ein CNN-Report, der versucht, mit einigen zündenden Einlagen ein atemberaubendes Spektakel zu sein, aber weder handwerklich noch erzählerisch über das Mittelmass hinauskommt. Die drei Powerbroker haben sich hohe Ziele gesteckt und Spielbergs Sklavendrama «Amistad» wird wohl noch die DreamWorks Ehre für das Jahr 1997 retten, und auch das will nach dem misslungenen «Lost World» etwas heissen.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Peacemaker, The (1997)
Land:USA
Genre:Actionfilm
Bewertung:
 
Regie:Leder, Mimi
Drehbuch:Cockburn, Andrew
Cockburn, Leslie
Schiffer, Michael
Produktion:Lustig, Branko
Parkes, Walter F.
Wells, John (III)
Wells, John (III)
Koproduktion:Cockburn, Andrew
Cockburn, Leslie
Kehoe, Pat
Ausf. Prod.:Grillo, Michael
MacDonald, Laurie
Kamera:Lohmann, Dietrich
Schnitt:Rosenbloom, David
Musik:Zimmer, Hans
Ausstattung:Dilley, Leslie
Kostüme:Komarov, Shelley
Besetzung:Baluyev, Alexander
Batinkoff, Randall
Boatman, Michael
Clooney, George
Copeland, Joan
Gómez, Carlos
Haynie, Jim
Iures, Marcel
Kidman, Nicole
McCallany, Holt
Medvesek, Rene
Mueller-Stahl, Armin
Strobele, Alexander
Werntz, Gary
 
Länge:123 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR-D
Prod.-firma:DreamWorks SKG
CH Verleih: United International Pictures


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