The People vs. Larry Flynt

Larry Flynts Prozesse stehen für die Unmöglichkeit Amerikas, Recht auf Freiheit mit der weit verbreiteten Prüderie in Einklang zu bringen.



Auch heute noch vermag Larry Flynt Skandälchen zu provozieren: Zwar nicht seine Person erregt zur Zeit einige Gemüter, sondern das Plakat zur Verfilmung seiner Odyssee durch Amerikas Gerichtssäle. Woody Harrelson als Flynt ist an eine Frau, genauer an ihren Intimbereich, gekreuzigt; die Stars-and-Stripes-Flagge dient ihm als Windel. Obwohl sicherlich blasphemisch, ist diese Pose für die Charakterisierung Flynts nicht abwegig. Sex verhalf Flynt zu Reichtum; zur Kirche hat er ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits liess sich Flynt von Ruth Carter Stapleton (der Schwester des damaligen Präsidenten Jimmy Carter, gespielt von Donna Hanover) zur Messe mitnehmen, anderseits führte er seinen aufsehenerregendsten Prozess gegen Reverend Jerry Falwell. In den 70-er Jahren gründete Flynt, der eine Strip-Bar im Staat Ohio betrieb, ein Pornoheftchen mit dem bezeichnenden Namen «Hustler», das nichts mit der Hochglanz-Ästhetik eines «Playboys» gemein hatte. Nacktfotos von Jackie O. führten zu enormen Verkaufszahlen, und «Hustler» war in aller Munde. Damit begannen jedoch auch die Anschuldigungen und Verklagungen Larry Flynts. Die Mischung von Pornographie und Satire stiess manchen Moralisten sauer auf; Gefängnis und Psychiatrie waren für Flynt, der tatsächlich mit einer Amerika-Flagge als Windel zu einem Prozess erschien, die Folge.


Edward Norton spielt Flynts Anwalt Isaacman

Überzeugende Schauspieler

Milos Forman, der sich seit Valmont sieben Jahre Zeit für einen neuen Film gelassen hat, hat Flynts Leben verfilmt, ohne je dessen doch dreckige Geldmacherei mit Pornographie verherrlichen zu wollen. Woody Harrelson spielt Flynt mit einer Mischung von Schleimigkeit und Zärtlichkeit, so dass er nie gänzlich Sympathieträger wird, aber gerade dadurch die Bigotterie eines Jerry Falwell (Richard Paul) verdeutlicht. In einer direkten Gegenüberstellung von Flynt und Falwell auf CNN hat der TV-Reverend mit Jesus gesprochen, er könne sehr wohl Sünden verurteilen, die Sünder dennoch lieben. Wenn er danach den Arm um Flynt legt, lässt sich darüber streiten, wie ehrlich es Falwell meint oder ob er bloss der Wirkung wegen so verzeihend erscheint. Immerhin ist er Flynt vor dem Supreme Court unterlegen, da das Gericht das Volk für clever genug hält, nicht zu glauben, der Reverend habe tatsächlich mit seiner Mutter geschlafen - wie es «Hustler» in einer Satire behauptete. Vor dem Obersten Gerichtshof hält Flynts Anwalt Isaacman eine leidenschaftliche Rede: Edward Norton interpretiert ihn glanzvoll.


Courtney Love als Flynts Ehefrau Althea
Als herausragende Schauspielerin erweist sich ebenfalls Courtney Love. Für die Darstellung von Flynts Frau Althea - eine Strip-Tänzerin, die drogenabhängig wird und schliesslich an AIDS stirbt - kann sie freilich aus ihrer eigenen Biographie schöpfen: Mit ihrem Ehemann Kurt Cobain war sie dem Heroin nicht abgeneigt. Nach mehreren Schicksalsschlägen feiert Love momentan Erfolge mit ihrer Band Hole und könnte sich nach ihrer Leistung als Althea auch als ernstzunehmende Schauspielerin etablieren.

Flavia Giorgetta

Angaben zum Film

Titel:The People vs. Larry Flynt
Genre:Biographie
Bewertung:****.
Länge:130 Minuten
Regie:Milos Forman (One Flew Over the Cuckoo's Nest, Amadeus, Valmont)
Drehbuch:Scott Alexander und Larry Karaszewski
Produktion:Oliver Stone, Janet Yang, Michael Hausman
Kamera:Philippe Rousselot
Musik:Thomas Newman
Besetzung:Woody Harrelson (White Men Can't Jump, Natural Born Killers)
Courtney Love (Feeling Minnesota)
Edward Norton (Primal Fear)
Brett Harrelson
Verleih:20th Century Fox



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