Persuasion (1995)

Die Jane-Austen-Manie scheint nicht abzureissen. Nach Sense and Sensibility und Emma kommt nun mit Persuasion eine weitere Verfilmung in die Kinos. Grossartige DarstellerInnen, aber eine etwas langfädige Adaption: Man wartet stets auf etwas, das (zu) selten kommt. Die sehenswerte Ballung an grosser Schauspielkunst kann so leider nur mit einem gewissen Sitzleder genossen werden.


von Sandra Walser


England 1814. Die 27jährige Anne Elliot (Amanda Root), eine der drei Töchter des ebenso snobistischen wie verarmten Wittwers Sir Walter Elliot (Corin Redgrave), begegnet dem Marineoffizier Frederick Wentworth (Ciaran Hinds) wieder, den sie acht Jahre lang nicht gesehen hat. Damals hatte Anne ­ von einer mütterlichen Freundin überredet ­ den Heiratsantrag des mittellosen Mannes abgelehnt, obwohl sie ihn liebte. Dieser Bruch hat Wentworth (so scheint es) unnahbar und Anne sehr unglücklich gemacht, so dass sie von Tag zu Tag mehr zu einem Mauerblümchen wird.

Einer möglichen Wiedervereinigung stehen denn auch so einige Hindernisse im Weg. Der Captain, immer noch verletzt in seiner Ehre, will von Anne nichts wissen; stattdessen fühlt er sich gar zu anderen Frauen hingezogen. Im Verlaufe des Films wird dann aber bald die Frage aufgeworfen, ob der inzwischen reich gewordene Wentworth die einstige Zurückweisung nicht doch noch überwinden, und ob Anne, die ihn immer noch liebt, ihre unterdrückten Gefühle zeigen kann.



Fernsehadaption mit Kinoerfolg ­ warum bloss?

Persuasion ist bisher die einzige Verfilmung von Jane Austens letztem Roman. Wie Sense and Sensibility und Emma ist Persuasion die Geschichte einer sensiblen und subtilen Liebe mit einem humorvollen und kritischen Blick auf eine Gesellschaft, in der eine Frau einen stillen Kampf gegen erstarrte Konventionen führt. (In diesen Punkten wird der Film Austens Werk allerdings kaum gerecht.) Persuasion wurde 1995 vom britischen Fernsehsender «BBC» als Fernsehadaption produziert. «Sony Classics» brachte den Film später in die Kinos der USA und Italiens ­ mit grossem Erfolg.

Sitzleder

Dies ist eigentlich recht unverständlich: Im Gegensatz zu den vorhin genannten Austen-Verfilmungen vermag Persuasion einen nämlich trotz grossartigen DarstellerInnen nicht recht zu packen. Man bewegt sich stets auf einer Gratwanderung zwischen Langeweile und dem Gefühl «So, jetzt passiert was!» Ein Warten und Hoffen auf etwas, das (zu) selten wirklich passiert: Die langfädige Grundstimmung wird nur ab und zu durchbrochen, obwohl Jane Austens sensibles Werk genügend interessante Situationen zu bieten gehabt hätte, die mit den hochkarätigen SchauspielerInnen auch problemlos hätten umgesetzt werden können.



Starkes Charakter(gegen)spiel

Die Qualität der Adaption und die der schauspielerischen Leistungen klaffen bei diesem Film weit auseinander. Einzig die Darstellerinnen und Darsteller tragen mit ihrem Können dazu bei, dass Persuasion nicht ganz im Sumpf der «so-so-la-la» Filme verschwindet. Die tiefe Verwurzelung im britischen Traditionstheater ist allgegenwärtig: Vor allem die HauptdarstellerInnen Root, Hinds und Redgrave vermögen ihren Charakteren eine differenzierte Ausdruckskraft zu verleihen, durch die Persuasion zu einem starken Charakter(gegen)spiel wird. Eindrücklichstes Beispiel: Redgrave verkörpert als Sir Walter Elliot einen derart ekelhaften Mann, der mit seinem snobistischen Gehabe «Familie» zu «Albtraum» werden lässt, dass wir schiesslich froh sind, nie in die Elliot-Familie geboren worden zu sein.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Persuasion (1995)
Land:
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Michell, Roger
Drehbuch:Dear, Nick
(nach einer Vorlage von Jane Austen)
Produktion:Eaton, Rebecca
Faber, George
Finlay, Fiona
Hayhoe, Margot
Kamera:Daly, John (II)
Schnitt:Evans, Kate
Musik:Sams, Jeremy
Ausstattung:Dudley, William
Sykes, Brian
Kostüme:Byrne, Alexandra
Besetzung:Acton, David
Avoth, Justin
Beale, Simon Russell
Brenner, Richard
Collings, David
Cornwell, Judy
Dean, Felicity
Faye, Cinnamon
Fleetwood, Susan
George, Sally
Glenister, Robert
Hamilton, Victoria
Hammond, Roger
Hinds, Ciarán
James, Lonnie
Johnson, Darlene
Kerrigan, Dermot
Llewellyn, Roger
Mannion, Rosa
Maxwell-Hunt, Isaac
McCabe, Richard
McGuirk, Bill
Nicholls, Phoebe
Plummer, David
Redgrave, Corin
Refoy, Niall
Rigby, Tom
Roberts, Emma
Root, Amanda
Schlesinger, Helen
Shaw, Fiona
Shorter, Ken
Thompson, Sophie
Watkins, Roger
West, Samuel
Wilman, Alex
Wood, Jane
Woodvine, John
 
Länge:102 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby
CH Verleih: Frenetic Film


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