The Portrait of a Lady

Im 19. Jahrhundert verliert eine junge Amerikanerin ihre Freiheit durch europäische Intrigen.



Nach ihrem Grosserfolg The Piano hat sich die Neuseeländerin Jane Campion eine schwierige Aufgabe gestellt: Sie hat den immerhin 600 Seiten starken Klassiker The Portrait of a Lady von Henry James verfilmt und es dabei verstanden, eigene Akzente zu setzen.

Die junge Amerikanerin Isabel Archer (Nicole Kidman) wird nach dem Tod ihrer Eltern von ihrer Tante nach England mitgenommen. Kaum angekommen, wird sie von Verehrern mit Heiratsangeboten überschwemmt. Doch nicht einmal ein echter Lord vermag sie zur Aufgabe ihrer Unabhängigkeit zu bewegen, zu eigenwillig und freiheitsliebend ist sie. Isabels Charakter fasziniert Ralph Touchett, ihren Cousin (Martin Donovan), und er beschliesst, sie künftig zu unterstützen und ihr so seine Liebe zu zeigen.

Mittlerweile ist die Journalistin Henrietta (Mary-Louise Parker) ihrer Freundin aus Amerika nachgereist, und diese lässt kein gutes Haar an den Engländern. Viel zu durchtrieben und amoralisch seien sie, was der Unschuld und liebenswürdigen Naivität von Isabel bloss schaden könne. Tatsächlich wird Isabel die alte Welt zum Verhängnis. In Florenz setzt ihre vermeintliche Freundin Madame Merle (Barbara Hershey) durch eine Intrige den Kunstliebhaber Gilbert Osmond (John Malkovich) auf Isabel an. Sie erliegt seinem Charme und denkt während ihrer Abenteuerreise durch ferne Länder dauernd an Osmonds Liebeserklärung.

Osmond gesteht Isabel in der Kirche seine vermeintliche Liebe
Zurück in Florenz heiratet Isabel Gilbert Osmond, und aus einer lebensfreudigen wird eine unterdrückte und zurückgezoge Frau. Bloss Stück für Stück erfährt Isabel (und mit ihr auch die Zuschauenden) die Wahrheit über Madame Merles Beziehung zu Osmond.

Gebrochen durch Osmonds psychische Quälereien vermeidet sie jeglichen Kontakt zu ihrem Cousin, da sie es nicht ertragen kann, wenn er ihr einen Spiegel vorhält und sie an ihre frühere Unbesorgtheit erinnert. Doch als Ralph im Sterben liegt, bricht Isabels verbliebener Charakter durch und sie entflieht ihrem Gefängnis.


Intriganten unter sich: Malkovich und Hershey

Ausserordentliche Schauspielleistungen

Campions Adaption konzentriert sich auf die Wandlung von Isabel, ohne stets auf die Verdorbenheit Europas hinzuweisen wie sie James in seinem Roman allzu oft betont. Henry James ist selbst von Amerika nach Europa ausgewandert, und in diesem frühen Werk hebt er Konflikte hervor, die zwischen alter und neuer Welt bestehen. Allzu einfach jedoch verkörpert Amerika das Gute, das im Gegensatz zum pervertierten Europa steht. Es ist Campions Stärke das sie James' hervorragenden Gefühlsbeobachtungen mehr Gewicht schenkt als einer simplen Schwarz-Weiss-Malerei. Die Charaktere wirken nie platt, was sicherlich auch den auserordentlichen Schauspielleistungen zu verdanken ist. Nicole Kidman hat schon in van Sants To Die For bewiesen, dass sie nicht bloss Tom Cruises Anhängsel ist; in The Portrait of a Lady meistert sie ihre Aufgabe, neben Schauspielern wie John Malkovich oder Barbara Hershey zu bestehen, mit Bravour.

Flavia Giorgetta

Angaben zum Film

Titel:The Portrait of a Lady
Genre:Studiofilm
Bewertung:****.
Länge:142 Minuten
Regie:Jane Campion
Drehbuch:Laura Jones, nach dem gleichnamigen Roman von Henry James
Produktion:Monty Montgomery & Steve Golin, Ann Wingate (co-)
Kamera:Stuart Dryburgh
Musik:Wojciech Kilar
Besetzung:Nicole Kidman (Days of Thunder, Batman Forever, To Die For)
John Malkovich (Dangerous Liasons, Of Mice and Men, In the Line of Fire)
Barbara Hershey (Hannah and Her Sisters, A World Apart)
Mary-Louise Parker (Fried Green Tomatoes, Bullets Over Broadway)
Martin Donovan (Malcolm X, Flirt)
Technik:Cinemascope
Verleih:Elite



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