Post-coïtum, animal triste (1997)

Naturdesaster und sonstige Katastrophen sind unglaublich zerstörerische Kräfte. Vergleicht man diese Unglücksmomente mit der Kraft einer tragische Liebe ist das Leiden mindestens ebenbürtig.


von Serge Zehnder


Eine miauende sich wälzende Katze, eine ebenfalls sich wälzende Frau in einem Bett - dazu erklingt Umberto Tozzis «Ti Amo» dröhnend über die Lautsprecher. Bizarr, verwirrend aber von der ersten Sekunde an interessant gestaltete Regisseurin und Hauptdarstellerin Brigitte Roüan den Einstieg ihres zweiten Spielfilms. Damit zwingt sie den Zuschauer unmittelbar zu einer Stellungnahme, denn entweder man ist davon ergriffen oder wendet sich desinteressiert zur Seite. Konstant faszinierend an dieser melancholischen Studie über das Leben der glücklich verheirateten Mutter und Geschäftsfrau Diane (Roüan), die sich zufällig in den bei einem Hilfswerk tätigen Emilio (Boris Terral) verliebt, ist die Tatsache, dass hier trotz der offensichtlich beschränkten Mittel eine ungeheure Sorgfalt an den Tag gelegt wurde. Visuell ist Post Coitum Animal Triste von einer wunderschönen Einfachheit, die jede Bewegung der Figuren kontinuierlich ergänzt. Zum Leidwesen aller entwickelt sich indes die Beziehung zwischen Diane und Emilio zu einem gefährlichen Prüfstein für die Leiterin des Verlags, da sie neben ihrer eigenen unglücklich-emotionalen Affäre auch noch Probleme mit einem jungen Schriftsteller (Nils Tavernier) zu bewältigen hat, der sich mitten in einer Schaffenskrise befindet.


Liebe lässt auf Wolken schweben

PROBLEME OHNE ENDE

Das ist schon ein rechtes Bündel, das Madame Roüan ihrer Hauptfigur Diane da aufbürdet. Diane erät nicht nur in ein abgrundtiefes Gefühlsloch sondern muss ihr (Fehl)Verhalten auch noch in der Öffentlichkeit rechtfertigen. Allerdings wirkt diese Stapelung von Problemen nie ermüdend, vielmehr trägt sie dazu bei, dass das Innenleben sämtlicher Figuren begreiflicher wird, weshalb jeder Schauspieler mit einer sehr dankbaren Rolle ausgestattet wurde. Roüan hat sowohl als Autorin wie als Regisseurin höchste Exaktheit an den Tag gelegt und ist auch bei der optischen Gestaltung sehr bedacht vorgegangen. Zwar enthält Post Coitum Animal Triste keine komplizierten Kamerafahrten, ist aber in Sachen Farbgebung und Bildgestaltung trotz des nidrigen Budgets absolut erstklassig. Obwohl die Geschichte in ihrer Gesamtheit dem weiblichen Publikum zugänglicher ist wird auch den Männern ein sehr gekonnter Blick in die fragile Seele einer Frau gewährt.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Post-coïtum, animal triste (1997)
Land:Frankreich
Genre:Liebesfilm
Bewertung:
 
Regie:Roüan, Brigitte
Drehbuch:Amigorena, Santiago
Richard, Jean-Louis
Roüan, Brigitte
Zylberstein, Guy
Produktion:Balsan, Humbert
Kamera:Dupouey, Pierre
Schnitt:Roüan, Laurent
Musik:Musseau, Michel
Tozzi, Umberto
Besetzung:Arnoul, Françoise
Chesnais, Patrick
Richard, Jean-Louis
Roüan, Brigitte
Tavernier, Nils
Terral, Boris
 
Länge:97 Minuten
Bild:35 mm (Farbe)


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