Propellerblume

Eine Frau zwischen Männern und Leidenschaften sucht ihren eigenen Weg. Mit der soliden Umsetzung dieses Themas schafft die Zürcherin Gitta Gsell bei ihrem Spielfilmdebüt als Drehbuchautorin und Regisseurin auf Anhieb den Sprung über das abgestandene Niveau der meisten Schweizer Produktionen.


von Sven Schwyn


Durch einen «unglücklichen» Zufall trifft die Sopranistin Claudia (Vasiliki Roussi) auf Paul den Charmanten (Uwe Rathsam). Der vermeintliche Prinz trägt zwar keine schimmernde Rüstung, ist aber ansonsten ganz wohlproportioniert und bringt Claudia gehörig aus dem Gleichgewicht. Dieses bestand bis anhin aus einer mehr oder minder biederen Beziehung mit Stephan (René Ander-Huber) und dem unbedingten Wunsch nach einer Karriere als Sängerin. Doch jetzt ist Paul da ­ und nichts mehr so, wie es gerade eben noch war.


Spiel mit dem Wasser: Vasiliki Roussi, Uwe Rathsam und René Ander-Huber.

«Die Prinzessin küsst den Frosch nicht...

Verliebt in Pauls chaotisch-charmantes Wesen lässt sie ihr bisheriges Leben hinter sich, ausgerechnet während der Vorbereitungen auf ein wichtiges Vorsingen. Als rascher denn erwartet die ersten Gewitterwolken über der jungen Liebe aufziehen, gerät Claudias Dasein immer mehr aus den Fugen. Wie weiter? Die Rückkehr zu Stephan ist wenigstens genau so aussichtslos wie der Versuch, Pauls Leben auf die eigenen Bedürfnisse zurechtzubiegen. Die Zeit ist reif, sich einen anderen, einen eigenen Weg zu suchen.

Gitta Gsell heisst die starke Frau hinter der Propellerblume. Sie schuf im Drehbuch (gemeinsam mit Christa Capaul) nicht nur ein besonderes Spannungsfeld, sondern setzte es selbst auch gleich souverän in Szene. Dabei verzichtet sie auf überflüssige Experimente, setzt vielmehr ihr unter anderem an der New Yorker School of Visual Arts erworbenes Können geschickt um. Ohne die fast ausnahmslos hohen Leistungen der Darstellerinnen und Darsteller wäre dies freilich gar nicht erst möglich gewesen. Allen voran überrascht und verzaubert Vasiliki Roussi das Kinopublikum mit ihren vielseitigen Talenten. Sie spielt nicht einfach die Rolle, sie ist Claudia.


Der Durchbruch: Vasiliki Roussi

...sie schmeisst ihn an die Wand.»

Dass der Film letztlich rundum gelingt, ist in besonderem Mass der Musik zuzuschreiben. Juliana Müller und Ruth Bieri schaffen, was vielen anderen, gerade Schweizer Produktionen nicht gelang: Sie verpassen den Bildern das nur zu häufig unterschätzte musikalische i-Tüpfelchen. Dies ist in Propellerblume um so wichtiger, als dass Claudias Schicksal dermassen eng mit der Musik und dem Gesang verknüpft ist.

Die Propellerblume erreicht als seit längerem erster Schweizer Film ein internationales Niveau und umschifft scheinbar problemlos die sonst oft muffelige Fernsehfilm-Atmosphäre. Es macht Spass, wenn in einem professionell gemachten Streifen Züri-Trams über die Leinwand holpern oder altbekannte Plätze auftauchen ­ ein eigentümliches Gefühl, für das ich Gitta Gsell und Freundinnen unendlich dankbar bin.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Propellerblume (1997)
Land:Schweiz
Genre:Liebesfilm
Bewertung:4 (von 5)
 
Regie:Gsell, Gitta
Drehbuch:Gsell, Gitta
Capaul, Christa
Produktion:Santschi, Rudolf
Kamera:Schenkel, Hansueli
Schnitt:Liechti, Fee
Musik:Müller, Juliana
Bieri, Ruth
Ausstattung:Jauch, Susanne
Traber, Thérèse
Schmid, Markus
Kostüme:Kläy, Greti
Besetzung:Roussi, Vasiliki
Rathsam, Uwe
Ander-Huber, René
Lotzmann, Barbara
Merz, Jarreth J.
von Bock, Katharina
 
Länge:84 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby SR
Prod.-firma:Triluna Film AG
SFDRS
CH Verleih:Lang Filmverleih


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