The Proposition (1998)

Eine Frau steht vor der Entscheidung zwischen Schwangerschaft und Freiheit. Für das eine braucht sie das andere, an beiden zusammen wird sie zerbrechen.


von Thomas Hunziker


Hannibal Thurman sucht nach dem Tod seines Geschäftspartners Arthur Barret (William Hurt) dessen Neffen, den Pfarrer McKinnon (Kenneth Branagh) auf, um ihm die Vormundschaft der Kinder des Verstorbenen zu übertragen. Zu gerne würde er nun die Hintergründe, die zur Zeugung der Kinder führten, erfahren. Arthur Barret war nämlich zeugungsunfähig, doch da der grösste Wunsch seiner Frau Eleanor (Madeleine Stowe, Blink, Twelve Monkeys), die sich als Schriftstellerin versuchte, die Zeugung eines Kindes war, beauftragte er Hannibal mit der Suche nach einem standesgemässen Vertreter seiner selbst. Der junge Anwaltsanwärter Roger Martin schien für die Aufgabe wie geschaffen zu sein, als er sich jedoch in Eleanor verliebte, gerieten die Ereignisse ausser Kontrolle. Als der aufdringliche Martin tot aufgefunden wurde, verdächtigte McKinnon seinen Onkel des Mordes.


Pfarrer McKinnon hegt mehr als nur christliche...

Gefühlsbeladenes Liebeskarussell

Doch damals hegte nicht nur der jugendliche Martin intensive Gefühle für Eleanor, auch McKinnon fühlte sich zu der Frau seines ihm verhassten Onkels hingezogen. Wer für Eleanores Schwangerschaft verantwortlich ist, lässt sich bald einmal erahnen. Die Geburt der Zwillinge ist dann für die emanzipierte Eleanor zu anstrengend. Nur mit Mühe können der Arzt und McKinnon die Kinder am Leben erhalten, Eleanor kann die Frucht ihrer Anstrengungen nicht geniessen. The Proposition ist nach der unbeschwerten Jugenderinnerung Now and Then Lesli Linka Glatters zweiter Kinofilm. Linka Glatter wird dabei ihren selbst hoch angesetzten Zielen nicht ganz gerecht. Formelle und inhaltliche Mängel sind der Geschichte anzukreiden. Die Kamerarbeit ist zu konventionell und die Handlung wird zu wenig geradlinig erzählt. Dabei wird die kontroverse Thematik zu wenig ausgereizt.


...Nächstenliebe für die Frau seines Onkels.

Mal heiter, mal düster

Für Gesprächsstoff sorgt The Proposition auf alle Fälle; der Tod von Eleanor ist unbefriedigend, und somit auch ziemlich provokativ. Nach einem amüsanten beschwingten ersten Teil, wird die Stimmung im zweiten immer düsterer, das Lachen bleibt dem Zuschauer, insbesondere durch die beiden Todesfälle, überraschend im Hals stecken. Nur wenige Filme weisen überhaupt einen solchen Stimmungsbruch vor. Die brillianteste Anwendung eines solchen Stimmungswandel findet sich zweifelsohne 1951 bei Billy Wilder, der das Publikum in The Big Carnival erst kurz vor Ende so richtig vor den Kopf stösst. Den Vergleich mit Wilders Werk hält The Proposition leider nicht stand; der erwünschte Effekt wird durch überflüssigen Beischmuck unnötig verwischt. Es ist jedoch interessant zu sehen, dass diese Erzähltechnik wieder einmal angewandt wurde, wenn auch nicht so konsequent wie bei Wilder.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:The Proposition (1998)
Land:USA
Genre:Drama
Bewertung:
 
Regie:Lesli Linka Glatter
Drehbuch:Rick Ramage
Produktion:Ted Field
Scott Kroopf
Diane Nabatoff
Alessandro F. Uzielli
Ausf. Prod.:Lata Ryan
Kamera:Peter Sova
Schnitt:Jacqueline Cambas
Musik:Stephen Endelman
Ausstattung:David Brisbin (II)
Kostüme:Anna B. Sheppard
Besetzung:Kenneth Branagh
David Byrd
Ken Cheeseman
Jim Chiros
Blythe Danner
Tom Downey
Neil Patrick Harris
William Hurt
Robert Loggia
Dee Nelson
Willy O'Donnell
Josef Sommer
Madeleine Stowe
Bronia Wheeler
 
Länge:110 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Interscope Communications
PolyGram Filmed Entertainment
CH Verleih: Elite Film


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