Psycho (1998)

38 Jahre später, und wieder wird die weibliche Hauptdarstellerin Opfer eines fürchterlichen Mordes in der Dusche.


von Thomas Hunziker


Neuverfilmungen alter Geschichten haben Hochkonjunktur. In den Kinos waren im letzten Jahr alle möglichen Formen von Remakes anzutreffen. Nora Ephrons moderne Version von The Shop Around the Corner (1940) (You've Got Mail), Disneys neue Fassung von Mighty Joe Young (1949) (gleicher Titel), Robert Rodriguez' Horrorversion von Invasion of the Body Snatchers (1956) (The Faculty) oder die animierte Auferweckung von The Ten Commandments (1956) (The Prince of Egypt) sind nur einige der zahlreichen Beispiele für Remakes, die in den USA während den Weihnachten in die Kinos gekommen sind. Selbst Martin Scorsese verfilmte mit Cape Fear eine bereits auf Zelluloid gebannte Geschichte, schuf aber durch einige Abänderungen und die markante Kameraarbeit ein auf eigenen Füssen stehendes Werk. Letztendlich sind auch Kenneth Branagh’s Shakespeare- Adaptionen (Hamlet, Much Ado About Nothing, Henry V) nichts anderes als Remakes. Remakes, mit denen Branagh zeigt, dass er den Worten des Barden mit Leichtigkeit neues Leben einhauchen kann.


«Wer suchet...» William H. Macy

Ist Van Sant von allen guten Geistern verlassen?

Nichts als selbstverständlich, dass man nun also auch die Werke des Altmeisters Alfred Hitchcock zu neuem Leben zu erwecken versucht. Was Gus Van Sants Psycho allerdings von regulären Remakes unterscheidet, ist, dass er sich nicht nur an derselben Geschichte, sondern auch an demselben Drehbuch und denselben Einstellungen wie Hitchcock orientiert. Hitchcocks Psycho gilt als Wegbereiter für die Popularisierung des Horrorfilms und ist auf zahlreichen Bestenlisten anzutreffen. Das ausgerechnet von diesem Film von Hitchcock ein Remake in irgendeiner Form gemacht werden sollte, erstaunt, selbst wenn man nicht davon ausgeht, dass sich die neue Version von der alten vor allem dadurch unterscheidet, dass sie in Farbe gedreht wurde. Angesichts der übrigen Originaltreue erstaunt es allerdings wiederum, dass sich Van Sant dazu entschieden hat, das Remake in Farbe zu drehen. Allerdings begründet Van Sant seine Entscheidung für eine Neuverfilmung von Psycho nicht nur damit, dass die junge Generation von heute nie die Möglichkeit hatte, diesen Film im Kino zu sehen, sondern auch dass beim breiten Publikum eine Ablehnung gegenüber Schwarzweissfilmen vorhanden sei.


«...der findet!» Moore, Mortensen, Vaughn

Gelungenes Experiment

Sieht man von allen Pros und Kontras einer detailgetreuen Neuverfilmung eines Klassikers ab, so bleibt festzustellen, dass Van Sant einen sehenswerten Film hervorgebracht hat. Unbefriedigend ist natürlich, dass für Kenner des Originals der Überraschungseffekt wegfällt. Aber auch dann bleibt noch genügend Platz, die Details wieder einmal genauer zu studieren, schliesslich werden sich nur wenige in aller Einzelheit an das Original erinnern. So machte Van Sant auch einige Anpassungen an die modernen Sehgewohnheiten. Dazu gehört die Auswahl der Darsteller, deren Schauspielerei weniger hölzern ist, als die der Darsteller vor 38 Jahren. Die Vorstellung, dass niemand ausser Anthony Perkins den mutterliebenden Norman Bates verkörpern könnte, die daher kommt, dass er, als er diese Rolle spielte, sich mit ihr vereinte, wird durch Vince Vaughn eindrücklich wiederlegt. Der neue Norman Bates hat bereits in Clay Pigeons bewiesen, dass ein schauerlicher Killer in ihm steckt, und den schizophrenen Mörder spielt er genau so meisterhaft wie sein Vorgänger. Auch der Rest der Besetzung ist lobenswert. Von Anne Heche und Julianne Moore über den normalerweise unausstehlichen Viggo Mortensen und den immer wundervollen William H. Macy bis hin zu Robert Forster machen sie dieses ungewöhnliche Remake genauso sehenswert wie das aussergewöhnliche Original.



Kinoprogramme

Angaben zum Film

Titel:Psycho (1998)
Land:USA
Genre:Thriller
Bewertung:
 
Regie:Gus Van Sant
Drehbuch:Robert Bloch
Joseph Stefano
Robert Bloch
Produktion:Brian Grazer
Kamera:Christopher Doyle (II)
Christopher Doyle (II)
Besetzung:Robert Forster
Anne Heche
William H. Macy
Julianne Moore
Viggo Mortensen
Vince Vaughn
Rita Wilson
Robert Forster
Anne Heche
William H. Macy
Julianne Moore
Viggo Mortensen
Vince Vaughn
 
Länge:109 Minuten
Negativ:35 mm
Bild:35 mm (Farbe)
Ton:Dolby Digital
Prod.-firma:Universal Pictures Imagine
CH Verleih: United International Pictures


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